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Arbeitsbedingungen bei Amazon: CoCo vs. ARD

erschienen in der Kategorie Alltag, am 07.04.2013
Schnatterente
Die Belegschaft von Amazon in Leipzig hat sich vor wenigen Tagen entschieden, dass sie in den Streik treten will. Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen werden eingefordert.

Schon seit einigen Monaten ist Amazon immer wieder Thema in den Nachrichten und Medien. Mitte Februar strahlte die ARD eine Dokumentation mit dem Titel "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" aus, welche zu einem Shitstorm gegen den Konzern führte. Jetzt stellt sich heraus, dass so manches an dieser Reportage nicht der Wahrheit entspricht.

Diana Löbl und Peter Onneken vom Hessischen Rundfunk prangern in ihrem halbstündigen Film die Arbeitsverhältnisse des riesigen Online-Versandhauses an. Unter anderem wirft die Video-Dokumentation dem Konzern vor, Leiharbeiter in überfüllten Bungalows untergebracht zu haben. Die zumeist ausländischen Arbeiter wurden von einer Sicherheitsfirma mit Namen HESS überwacht, deren Mitarbeiter überwiegend dem rechtstextremen Spektrum zuzuordnen sind.

Die Firma CoCo Jobtouristik ist es, die für diese menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen verantwortlich gemacht wird. Und genau dieses Unternehmen hat am letzten Freitag eine einstweilige Verfügung gegen die ARD erwirkt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf die Originalversion der Dokumentation nun nicht mehr in seiner Mediathek freigeben.

Wie es dazu kommt?
Leider kann man wohl auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht immer voll vertrauen. Der Kampf um die Quote findet auch dort statt und dies führt dazu, dass bei vielen Themen der eine oder andere Sachverhalt noch ein bisschen aufgebauscht werden muss, damit alles etwas spektakulärer, größer oder schlimmer erscheint, als es in Wirklichkeit ist. Im Falle der vorliegenden Amazon Dokumentation ist wohl genau dies passiert. Um die Missstände zu untermauern, wurde im Video eine E-Mail gezeigt, in der es unter anderem hieß: Die Leiharbeiter wurden "im Keller des Restaurants abgefüttert wie Schweine".

Ganz schön erschreckend - und somit sicher das, was die Fernsehmacher zeigen wollen. Doch diese skandalöse E-Mail existiert in Wirklichkeit gar nicht. Sie ist ebenso frei erfunden, wie die polnische Leiharbeiterin Agnieszka Lewandowska, welche ebenfalls in der Dokumentation gezeigt wurde. Laut Amazon hat nie eine Leiharbeiterin mit diesem Namen für das Unternehmen gearbeitet.

Kurzum: Einige der gezeigten Bilder entsprechen nicht der Wahrheit. Es ist schade, wie manche Journalisten mit ihrer Verantwortung umgehen. Ihnen muss doch klar sein, dass Millionen von Zuschauern derartige Beiträge sehen. Und mit jeder Halbwahrheit oder Lüge, die sie in so einen Film einbauen, schaden Sie ihrer eigenen Glaubwürdigkeit und der des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Trotz alledem sollte man jetzt natürlich nicht glauben, dass alles, was in der Doku gezeigt wurde, frei erfunden ist. Die Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon ist sicherlich berechtigt. Wer sich selbst noch mal ein Bild von der Doku und den angesprochenen Arbeitsbedingungen machen will, hier ist das Video (allerdings in einer neuen, von der ARD überarbeiteten Version, in der das strittige Bildmaterial entfernt wurde):



Geschnatter

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