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Facebook: Tumore, Trypophobia und Likes um jeden Preis

erschienen in der Kategorie Alltag, am 28.07.2014
Schnatterente
Rund um Facebook ist so eine Art Like-Mafia entstanden. Es gibt Internetseiten, deren einziges Ziel es ist, möglichst viele "Gefällt mir"-Klicks zu sammeln. Auf welchem (noch so perfiden) Weg dies geschieht, ist dabei erst einmal egal. Dahinter steckt meist das Ziel, die betreffenden Webseiten irgendwann (mit einer hohen Reputation) teuer zu verkaufen.

Damit irgendjemand auf den Like-Button drückt, lassen sich die Leute viel einfallen. So werden Webseiten gebastelt, die, wenn man sie auf Facebook verlinkt, zwar eine schöne Vorschau erzeugen, aber in Wirklichkeit kaum sinnvolle Inhalte aufweisen.
Klickt ein Facebook-Nutzer so einen Link an, kommt er auf einer Seite raus, deren Inhalte meist durch ein Javascript-Overlay verdeckt werden. Dieses informiert dann darüber, dass man die Inhalte der Seite nur sehen darf, wenn man jetzt auf den Like- oder Share-Button klickt. (Manche Seiten gehen noch weiter und fordern einen zur Eingabe persönlicher Daten, z.B. der eigenen Handynummer, auf, um damit Geld zu machen.)

Folgt man den Anweisungen solcher Seiten, wird man entweder mit einem YouTube-Video belohnt, dass man auch einfach so hätte aufrufen können oder man wird einfach zur Startseite (oder sonst wohin) weitergeleitet. Der Nutzer fühlt sich veräppelt und für die Webseitenbetreiber hat es sich gelohnt, denn ihre Seite wurde ja wieder einmal weiterempfohlen.

Hautmutationen durch falsches Shampoo

Soweit zur grundlegenden Masche. Bemerkenswerter als dieses Vorgehen an sich, finde ich aber, was sich die Leute so alles einfallen lassen, um Klicks zu generieren.

Zurzeit stolpere ich beispielsweise immer mal wieder über dieses wirklich ekelhafte Bild:
Ein wirklich ekelhafter Photoshop-Fake

Als Überschrift steht über diesem gruseligen Etwas meist: "Sie werden nie wieder dieses Shampoo benutzen, nachdem sie dieses Video gesehen haben". (Manchmal werden auch direkt Marken angeprangert, z. B. Nivea).

Das Bild suggeriert somit, dass diese widerliche Hautmutation entstanden ist, weil jemand ein bestimmtes Shampoo verwendet hat. Wer mehr darüber wissen will, muss den Link anklicken und stolpert somit in die oben beschriebene Falle. Logisch, dass es da viele naive Nutzer mit der Angst zutun kriegen und wissen wollen, ob sie bald auch so aussehen könnten. Lieber schnell auf ein anderes Shampoo umsteigen!

Natürlich gibt es überhaupt kein Video, in dem irgendwas gezeigt wird. Und kein Shampoo der Welt führt dazu, dass man so etwas mit sich herum trägt. Denn es handelt sich bei dem Bild schlicht und ergreifend um einen Photoshop-Fake.

Um so ein Bild zu basteln, braucht man nur ein Foto von der Frucht einer Lotusblume und eines mit ein bisschen Haut. Nach ein paar Minuten Bildbearbeitung erhält man das bei Facebook verbreitete Bild oder dieses hier, das ebenfalls im Netz kursiert:
Lotus-Blume
(Bildquellen: [1] [2])


Derartige Manipulationen gibt es in den verschiedensten Varianten. Hier noch ein paar Beispiele:
Google Suchbegriff: Trypophobia
(Bildquellen: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12])


All diese Bilder sind nur das Produkt einer mal mehr mal weniger gut durchgeführten Bildmanipulation.
In einer Link-Vorschau auf Facebook, versehen mit einem möglichst plakativen Text, eignen sie sich aber sehr gut, um viele Klicks, Likes und Shares zu generieren.

Besorgniserregend ist, dass manche Facebook-Nutzer von so was angestachelt werden und dann anfangen durchzudrehen. So fand ich unter einem dieser Bilder die Frage, ob es sich dabei um einen Tumor handle. Ein anderer Nutzer hielt daraufhin einen recht langen Monolog darüber ab, dass es sich hierbei um eine besondere und gefährliche Form von Haut-, bzw. Brustkrebs handelt. Warum sich jemand so etwas ausdenkt, ist schwer nachzuvollziehen. Fakt ist aber, dass es immer ein paar gutgläubige Menschen gibt, die den Schwachsinn dann glauben und denen es vielleicht sogar Angst macht.

Was lernen wir daraus?
  • Viele Leute missbrauchen das Internet, um mit seltsamen Maschen Geld zu verdienen oder gar um anderen Menschen Angst zu machen.
  • Man sollte nicht jeden Mist anklicken.
  • Man sollte nicht alles glauben, was man sieht, denn Trolle verstecken sich überall.
  • Mit Photoshop kann man Menschen nicht nur hübscher, sondern auch unschöner machen.
  • Lotusblumen sind faszinierende Pflanzen.
  • Wem beim Betrachten dieser Bilder schlecht wird, der hat vielleicht eine "Trypophobie". (Was es nicht alles gibt ...)

Geschnatter

8 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 2/2 > >>
Anonym, am 21.10.2015 um 10:50 Uhr
Geht zurzeit wieder auf Facebook rum.