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Polizei: Schüler müssen sich wegen 5 Euro ausziehen

erschienen in der Kategorie Alltag, am 05.12.2012
Schnatterente
Was ist verhältnismäßig, was nicht und was ist so unverhältnismäßig, dass man sich fragt, ob die betreffenden Beamten von allen guten Geistern verlassen waren? Das sind Fragen, die man sich in Deutschland recht oft stellt, wenn es mal wieder darum geht, ob das Verhalten unserer Exikutivkräfte angemessen oder doch fehl am Platz war.

Als angemessenes Polizeiverhalten kann man es bezeichnen, wenn die Polizei Geschwindigkeitskontrollen an Straßen durchführt, auf denen jedes Jahr viele Leute durch verantwortungslose Raserei zu Tode kommen. Als nicht angemessen ist es einzuordnen, wenn Beamte mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf Demonstranten losgehen, die eine illegale Sitzblockade gebildet haben und mit erhobenen Armen rufen "Wir sind friedlich, was seid ihr".

Ein von allen guten Geistern verlassenes Polizeiverhalten ereignete sich vor Kurzem in der Friedrich-List-Wirtschaftsschule in München. Dort sollte ein Jugendbeamter (also ein Beamter der für die Arbeit mit Jugendlichen ausgebildet wurde) einen Vortrag über ein Präventionsprojekt halten. Während dieser Informationsveranstaltung, für Schüler der achten Klasse, behauptete eine Schülerin, ihr seien fünf Euro gestohlen wurden. Der Beamte hinterfragte nicht, ob es auch sein könnte, dass sie den Schein verloren habe, sondern forderte den Schuldigen auf, sich freiwillig zu stellen. Als sich kein Schüler meldete, forderte der Beamte Verstärkung an. Als die eintraf, führten die Polizisten eine Leibesvisitation mit der gesamten Schulklasse durch. Einige Mädchen mussten ihren BH öffnen, andere nicht. Die Jungen mussten sich auch untenrum freimachen und ihr Geschlechtsteil anheben, damit die Beamten eine bessere Sicht hatten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass es hier nicht um Rauschgift, sondern um fünf, angeblich gestohlene, Euro ging. Ein Junge weigerte sich, seine Unterwäsche auszuziehen, woraufhin ihm ein Polizist mit einer Anzeige drohte, wenn er nicht Folge leisten würde. Der Vierzehnjährige legte brav seine Unterhose ab und die Beamten kontrollierten seinen After mit einer Taschenlampe.

Gefunden wurde natürlich nichts. Dafür haben die bayrischen Beamten unter Beweis gestellt, wie gut polizeiliche Willkür funktioniert. Mal davon abgesehen, dass es sich jeder logischen Begründung entbehrt, eine ganze Schulklasse zu kontrollieren, nur weil angeblich 5 Euro verschwunden sein sollen, ist auch anzuprangern, dass keine Gleichbehandlung der Schüler stattfand. Wenn man sich schon zu einer derart irrsinnigen Maßnahme entschließt, sollte man zumindest sicherstellen, dass gleiches (Un-)Recht für alle gilt. Der verantwortliche Polizist ist laut seinem Vorgesetztem ein "erfahrener, sehr guter Beamter".

Er wurde nun übrigens von seinen Aufgaben als Jugendbeamter entbunden, bleibt aber weiterhin ein "sehr guter Beamter" der bayrischen Polizei.

Geschnatter

9 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/2 > >>
Anonym, am 05.12.2012 um 14:43 Uhr
Also wenn mich in München ein Beamter anhält, der Markus heißt und einen Nachnamen mit "M" am Anfang hat und der Mitte 40 zu sein scheint, oh oh, da mach ich dass ich Land gewinne!
Martina, am 05.12.2012 um 14:52 Uhr
Ich fasse es nicht. Und der Typ darf weiter als Polizist arbeiten. Das klingt nach einem Pädophilen, der es geschafft hat an die Jugendarbeitsstelle bei der Polizei zu kommen. Wer weiß was man auf seinem Computer finden würde, wenn man den mal kontrolliert! Aber nein! Er ist ja ein guter Polizist! Da wird nicht weiter kontrolliert!
jemand, am 14.12.2012 um 13:42 Uhr
Das ist ja voll übel!
Peter, am 02.01.2013 um 10:19 Uhr
So richtig mit komm ich da nicht mehr, so einen Quatsch hört man sonst nur aus den U.S.A..
Frauke, am 10.01.2013 um 10:10 Uhr
Die Polizei, dein Freund und Helfer? Mit nichten. Heutzutage muss man seine Kinder vor allem schützen, sogar vor den Behörden, die das sonst eigentlich selbst tun sollten.
Frauke, am 10.01.2013 um 10:13 Uhr
Und am allermeisten regt mich auf, dass es überhaupt keine richtigen Konsequenzen gibt! Die betreffenden Beamten bleiben weiterhin verbeamtet, eine richtige Untersuchung und Aufarbeitung findet nicht statt. Wir haben für alles und jedes Problem ein Gesetz oder eine bürokratische Lösung, aber das nützt alles überhaupt nichts, wenn die Behörden und Stellen, die sie umsetzen sollen derart korrupt handeln. Und es gibt keine Instanz, die die Überwachenden überwacht.
Weninteressierts, am 24.06.2013 um 19:40 Uhr
Das geht echt garnicht wie kann man nur sowas ekliges machen