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Primark: Ausbeutung und Schadstoffe in der Kleidung

erschienen in der Kategorie Alltag, am 30.10.2013
Schnatterente
In den letzten Monaten wurde immer mal wieder darüber berichtet, wie es Textil-Discounter wie KiK, H&M, C&A, Zara und Co schaffen, derart billig Kleidung zu verkaufen. Vor allem wurde über die Produktionsbedingungen in Bangladesch diskutiert, wo Arbeiterinnen für einen Hungerlohn und auf Kosten ihrer Gesundheit an unsicheren Arbeitsplätzen Kleidung nähen müssen. Eine Fabrik fiel in sich zusammen, immer wieder gibt es Brände.

ZDF Zoom hat sich jetzt in einer Dokumentation einem Unternehmen gewidmet, das auf dem deutschen Markt noch recht neu ist. Die irische Textilhandelskette Primark ist vor allem bei jungen Frauen extrem beliebt - so beliebt, dass sie in manchen Städten jeden Morgen kreischend den Laden stürmen. Laut ZDF-Informationen legt Primark Geschäftspraktiken an den Tag, bei denen es verantwortungsbewusst denkenden Menschen eiskalt den Rücken runter läuft.

Primark Kaufhäuser sind in der Regel sehr groß, mit Kleidung regelrecht vollgestopft und die Preise liegen zumeist noch unter denen der oben genannten Konkurrenz. Die Waren sind so billig, dass man sich als treuer Primark-Kunde problemlos jeden Tag etwas Neues zum Anziehen kaufen kann. Und genau dies ist auch das Geschäftsmodell hinter Primark: Man produziert Kleidung zum Wegwerfen. Der Kunde soll die Sachen nicht oft tragen, er soll sich lieber regelmäßig nach etwas Neuem umsehen. Am einzelnen Artikel macht das Unternehmen kaum Gewinn, man hat sich darauf spezialisiert, Geld mit dem Verkauf großer Stückzahlen zu machen.

Natürlich ist dies schon aus ethischer und ökologischer Sicht fragwürdig, denn letzten Endes erzeugt das Unternehmen auf diesem Weg Unmassen an Müll.

Näherinnen leben in Slums, Verkäufer klagen über Gesundheitsbeschwerden

In den Textilfabriken in Bangladesch arbeiten Näherinnen an sechs Tagen pro Woche, jeden Tag elf Stunden. Sie leben in Slums und arbeiten in Bruchbuden, in welchen die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten werden und in den sie permanent die Chemikalien einatmen, welche in der Textilproduktion eingesetzt werden (Weichmacher, Farbstoffe).

Die Chemikalien sind auch hierzulande ein Problem. Zwar hält sich Primark, bezogen auf den einzelnen Artikel, an die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Maximalwerte für Schadstoffkonzentrationen, doch in Primarks Warenlagern und Geschäften kommen viele Kleidungsstücke zusammen und so liegt ein beißend-chemischer Geruch in der Luft, über welchen sich bereits Kunden beklagten und der bei einzelnen Mitarbeitern schon leichte Vergiftungserscheinungen hervorrief (Übelkeit, Ohnmacht, allergische Reaktionen).

Mode zum Wegwerfen

Wer sich selbst ein Bild von Primark machen möchte, sollte sich die ZDF-Dokumentation im Ganzen ansehen.



Man sollte Primark, wie auch all die anderen Textil-Discounter, mit kritischen Augen betrachten. Die Geschäftspraktiken sind fragwürdiger Natur und der Hype, welcher um diese Marke gemacht wird, wirkt schon fast beängstigend. Langfristig führt er dazu, dass pubertierende Jugendliche ein falsches Kaufverhalten erlernen und dass immer mehr Müll entsteht, welcher kaum recyclebar oder ökologisch abbaubar ist.

Update 27.06.2014: In Kleidungsstücken von Primark wurden jetzt vermehrt eingenähte Zettel mit Hilferufen entdeckt. Aus den Botschaften geht unter anderem hervor, dass chinesische Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen für Primark Kleidung produzieren müssen.

Geschnatter

3 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Fredolin, am 24.11.2013 um 10:09 Uhr
Vielen Dank für den Beitrag! Den habt ihr wirklich gut und informativ zusammengestellt. Allerdings ist das Fokussieren auf den Bösewicht Primark etwas zu plakativ. Die große (H&M, C&A, etc.) wie die kleine Konkurrenz scheint ja ähnlich viel von humanen Arbeits- und Lebensbedingungen zu halten. Das hat das Interview mit der bangladesesischen Gewerkschafterin gezeigt. Egal welcher Vertrieb, die Bedingungen sind identisch. Außerdem ist die Frage einer Strategie zur Gestaltung eines gesünderen gesellschaftlichen Konsumverhaltens zu stellen. Ist die Art des Konsums bei Primark wirklich so neu? Sind die Informationen über die billige Textilporduktion in Asien und deren Auswirkungen bisher unbekannt gewesen? Kennt der Kunde die Geschichte der Ware und kauft sie dennoch?
krille, am 20.05.2014 um 13:03 Uhr
Wir von der Focus TV Produktions GmbH suchen Mädels, die super gerne bei Primark shoppen!! Wir planen einen TV-Beitrag zu dem Thema. Bitte melden unter: krille.peter@gmx.de
Reiner, am 20.05.2014 um 18:01 Uhr
Krilles Kommentar ist wohl ein Fake. Kann mir nicht vorstellen, dass man bei FocusTV GMX-Adressen verwendet. Falls doch ist das einfach nur peinlich.