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RTL Reporter under cover bei PEGIDA-Demonstration

erschienen in der Kategorie Alltag, am 22.12.2014
Schnatterente
OK, das bringe ich jetzt nur für den Fall, dass die Story irgendjemand nicht mitbekommen hat ...

In Dresden demonstrieren ja jetzt seit einigen Wochen montags immer die "PEGIDA"-Islamisierungsgegner. In der Regel ist es für die Presse ziemlich schwer, von denen ein Statement zu bekommen, weil man als Journalist direkt mit Anfeindungen, Schimpfwörtern oder gar Attacken auf die Kamera oder das Mikrofon konfrontiert wird.

Panorama hat es dann aber letztens doch geschafft ein paar redefreudige Demonstranten vor die Linse zu kriegen und strahlte in der vergangenen Woche diesen Beitrag aus:



So weit, so unspektakulär. Jetzt kommt aber der Burner: Der junge Mann mit der Mütze (im Video bei Minute 3:07) war, wie sich später herausstellte, ein RTL-Journalist, welcher für den Privatsender "under cover" recherchierte.

Na, wie unüberlegt kann einer allein denn handeln?

Da ist man für RTL in verdeckter Mission unterwegs (ja ok, man muss schon ein paar Mal unüberlegte Dinge getan haben, damit es überhaupt so weit kommt), zwischen einem Pulk von Leuten, deren Meinung man (laut späteren, eigenen Aussagen) nicht vertritt, und gibt dann auch noch einem anderen Sender bereitwillig ein Interview? WARUM?!
Aber alle Achtung, man kann RTL auf jeden Fall nicht vorwerfen, sie würden ihr Ding nicht richtig durchziehen.

(Erinnert mich im Übrigen auch ein bisschen an die Debatte um die V-Leute, die kleinere Verbrechen begehen dürfen, um nicht aufzufliegen ... Ich glaube bei vielen Leuten stehen RTL und der Verfassungsschutz ohnehin auf einer Ebene ...)

So, und jetzt mal Spaß beiseite: Es gibt in Deutschland doch im Wesentlichen zwei Institutionen, von denen man so ein Vorgehen erwartet - die Eine ist eine große Tageszeitung mit vier und die Andere der besagte TV-Sender mit drei großen Buchstaben im Namen. Beide sind so bekannt, weil sie unglaublich viele Leute lesen bzw. ansehen. Das heißt unterm Strich auch, dass diese Leute aus den genannten Formaten ihre Informationen und zum Teil auch Meinungen beziehen. Ich finde das nicht nur bedenklich, sondern auch in hohem Maße beschämend für den deutschen Journalismus und die Medienlandschaft hierzulande.

Möchte man in einer Gesellschaft leben, in der man nicht mehr zwischen "Scripted Reality", manipulierten Darstellungen und seriösen Nachrichten unterscheiden kann? Der Gedanke ist beängstigend - der Zustand aber bei einigen Formaten längst erreicht.

Dieses Interview hat zu recht hohe Wellen geschlagen und RTL hat den Herrn (vielleicht auch nur wegen dem öffentlichen Druck und der Angst vor Imageschäden?) letzten Endes vor die Tür gesetzt. An dem grundlegenden Problem ändert das aus meiner Sicht leider überhaupt nichts.

Mein RTL.

Geschnatter

1 Kommentar, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Torsten, am 23.12.2014 um 00:56 Uhr
Schöner Artikel.
Dazu passend und auch sehr gut geschrieben:
http://www.schleckysilberstein.com/2014/12/perfider-geniestreich-bild-bedient-pegida-fur-satten-traffic/