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Urheberrechte im Internet: Alle verlieren, keiner gewinnt

erschienen in der Kategorie Alltag, am 22.04.2012
Schnatterente
Zwischen der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) und Youtube (Google) herrscht Krieg. Youtube möchte seinen Benutzern kostenlos Musikvideos zur Verfügung stellen, will den Rechteinhabern dafür aber nichts bezahlen.

Die Aufgabe der GEMA ist es, die Urheberrechte der Musiker und Produzenten zu schützen und zu verteidigen. Wird im deutschen Radio ein Titel gespielt, müssen Abgaben an die GEMA gezahlt werden. Findet irgendwo ein Konzert oder eine Tanzveranstaltung statt, müssen ebenfalls Abgaben an die GEMA gezahlt werden. Ja selbst, wenn im Kaufhaus Musik eingespielt wird, die kaum jemand aktiv wahrnimmt, werden hierfür Abgaben fällig. Setzt man sich aber vor den Rechner, ruft Youtube auf und hört sich da Musik an, bekommen GEMA und Rechteinhaber nichts.

Google verdient durch Werbung jährlich Milliarden, ist aber nicht bereit, für Videoklicks zu zahlen. Die GEMA fordert, dass Google für jeden Videoaufruf 0,6 Cent zahlen soll. Für Google wäre das natürlich kein gutes Geschäft. Ein beliebtes Musikvideo hat schnell mal 10 Millionen Klicks, das wären dann mal eben 60.000 Euro. Und es gibt bekanntermaßen viele beliebte Musikvideos.

Durch das politische Wirrwarr um die Piratenpartei, ist in Deutschland auch eine Diskussion um die Urheberrechte losgebrochen. Fakt ist, dass sich die bisherigen Formen des deutschen Urheberrechts nicht so wirklich mit den Freiheiten des World Wide Web vereinen lassen.

Hierfür muss eine neue Lösung her. Diese kann aber nicht sein, die Urheberrechte gänzlich abzuschaffen. Musiker leben von ihren Ideen und Werken. Und wenn sie noch nicht zum Mainstream geworden sind, ist es oft ein beschwerliches Leben, das nicht wirklich von Reichtum gezeichnet ist. Wirft man die Urheberrechte über den Haufen, könnte man auch allen Ingenieuren ihre Patente streitig machen. Kurzum: Reformen müssen her, Abschaffen ist aber keine Lösung.

Im Kampf zwischen der GEMA und Youtube verlieren aus meiner Sicht im Moment alle. Die GEMA wird aus öffentlicher Sicht zum "Buh-Mann" und Spielverderber, weil Millionen Internetnutzer täglich auf Youtube lesen müssen, dass dieses oder jenes Video nicht angeschaut werden darf, weil die GEMA es untersagt. Ein Imageschaden, der auch entsteht, weil die Bevölkerung zu wenig über die Problematik Urheberrechte weiß. Kinder bekommen beigebracht, dass man sich fair verhalten soll und dass Diebstahl ein schweres Verbrechen ist. Über Urheberrechte erfahren sie von ihren Eltern nichts und in der Schule steht das Thema wohl auch nicht auf dem Lehrplan.

Auch den Musikern schadet die aktuelle Situation. Ihre Videos sind bei Youtube gesperrt und wer nicht auf Youtube verfügbar ist, existiert in der heutigen Welt wohl nur so halb. Sie generieren keine Einnahmen und bekommen keine neuen Fans. Amerikanische Größen gewinnen hingegen an Einfluss, weil ihre Videos durch andere Formen von Urheberrechten gesichert sind. Ein doppelter Schaden also, für die hierzulande ansässigen Künstler.

Dass das Ganze für die Youtube-Nutzer ärgerlich ist, die einfach nur ein bisschen Musik hören wollen, muss ich wohl nicht weiter diskutieren und auch Google verliert durch den Rechtsstreit Marktanteile, Nutzer und Werbeeinnahmen.

Ich gehe davon aus, dass dieser Kampf noch über Jahre weiter gehen wird, zum Leidwesen aller Beteiligten.

Geschnatter

1 Kommentar, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
G. K. , am 13.05.2012 um 16:05 Uhr
Dein Beitrag ist nicht exakt. Ingenieure haben in DE, als Angestellte, schon längst keine Urheberrechte mehr. Das was du in der Arbeitszeit erschaffst gehört deinem Arbeitgeber. Und auch deine Progrämmchen in der Freizeit, die du unter GPL stellst, sind schon eingeklagt worden. So sieht die Freiheit für die Masse in DE aus. Du darfst dann aber jede Arbeit ab 5 € annehmen, das ist zumutbar meinen unsere Obersten Richter. Aber so einen würde ich dann massig verklagen wen er im Netz was saugt. ( ich vermute mal es wird dabei nicht viel Herüberkommen. Aber macht weiter so . Inzwischen sind es 11 mio. Menschen die unter der Pfändungsgrenze leben. In ein paar Jahren hat sich das dann sowieso erledigt.
Antwort: Hallo, ich geb dir in allen Punkten recht, auch was das geistige Eigentum angeht. Der Teilsatz mit den Ingenieuren war eher darauf bezogen, dass es ja auch Tüftler und Erfinder gibt, die sich firmenunabhängig etwas ausdenken und entwickeln und dann patentieren lassen.