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Viel Geld verdienen mit Facebook

erschienen in der Kategorie Alltag, am 12.08.2014
Schnatterente
Bei Facebook gibt es unzählige Seiten, die den Anschein erwecken, sie wöllten ihre Nutzer mit lustigen Bildern, Videos und Links unterhalten. Doch worum es den Betreibern wirklich geht, ist in der Regel Geld.

Solche Seiten haben oft mehrere Hunderttausend oder gar Millionen Likes und tragen sehr einfallsreiche oder witzige Namen. Ihre Aufmachung vermittelt meist den Eindruck, sie würden von ein paar Privatpersonen hobbymäßig nebenbei betrieben werden.

Viele dieser Projekte wurden anfänglich mit dem Ziel aufgebaut, der reinen Unterhaltung zu dienen. Im Zuge des schnellen Wachstums (das bei einigen Seiten sicher auch durch gekaufte Likes bedingt war) ergaben sich für die Betreiber dann aber ungeahnte Möglichkeiten aus ihren Seiten Profit zu schlagen. Sie fingen an bei Amazon und eBay nach witzigen Artikeln zu suchen oder selbst kuriose Auktionen ins Netz zu stellen, die sie dann über ihre Seiten verbreiten konnten. Auch Werbedeals mit Betreibern anderer Webseiten wurden geschlossen.

Seitdem spielt die Unterhaltung der Massen nur noch eine untergeordnete Rolle. Links an den Mann bringen, das ist das neue Ziel.

Viele Facebooknutzer liken derartige Seiten, um stets mit neuen lustigen Videos, Bildern und Texten versorgt zu sein. Von den ständigen Links zu sinnlosen oder sexuell anzüglichen Amazon- und eBay-Artikeln sind sie schnell genervt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Tatsache, dass sich die Seitenbetreiber immer wieder neue Sachen einfallen lassen, um die Leute zum Klicken zu motivieren. So werden vermeintlich witzige Rezensionen bei Amazon verfasst, auf die man dann verweisen kann oder zensierte bzw. beschnittene Produktfotos bei Facebook hochgeladen. Wer mehr sehen will, muss den Link anklicken.
Werbelinks auf Facebook
Liest man die Kommentare unter solchen Beiträgen, wird schnell deutlich, dass ein großer Teil der Nutzer gar nicht versteht, was es mit derartigen Links auf sich hat. Es wird geflamed was das Zeug hält. Die Seitenbetreiber werden beschimpft und immer wieder darauf hingewiesen, dass dieser ganze Kram überhaupt nicht lustig sei. Den Dislike-Button scheinen die zornigen Nutzer aber dennoch nicht zu finden - oder sie wollen es auch gar nicht, weil Flamen doch irgendwie Spaß macht?

Amazon & eBay: Das Geschäft mit den Werbelinks

Es gibt eine ganz einfache Antwort auf die Frage, warum die Betreiber großer Facebookseiten andauernd Links zu Amazon und eBay posten. Sie verdienen damit Geld.
Schaut man sich die Amazon-Links mal näher an, wird man feststellen, dass diese immer eine Angabe "tag=..." enthalten. Dies ist ein Hinweis auf Amazons Partner-Programm, bei welchem sich die jeweiligen Facebookseitenbetreiber angemeldet haben.

Klickt ein Facebooknutzer so einen Link an, wird in seinem Browser für 24 Stunden ein Cookie gespeichert. Bestellt der Nutzer in dieser Zeit etwas bei Amazon, so bekommt derjenige, der den Link erstellt hat, zwischen fünf und zehn Prozent des Gewinns von Amazon gutgeschrieben - ein Geschäftsmodell, das sich durchaus lohnt, denn irgendwie bestellt ja fast jeder hin und wieder etwas bei Amazon.

Hat man es geschafft eine Facebookseite aufzubauen, auf der täglich 10.000 Nutzer aktiv sind, kann man es durch häufiges Posten von Amazonlinks durchaus schaffen, mehrere Tausend Euro im Monat zu verdienen.

Ähnlich sieht es mit den eBay-Links aus, welche immer das Tag "clk_rvr_id=..." enthalten und somit auf eBays "Partner Network" verweisen. Klickt man so einen Link an, werden dem Ersteller ein paar Cent gutgeschrieben (soweit ich weiß bis zu 18 Cent). Ein paar Cent mal viele Klicks macht dann viele Euros. Und so klingelt die Kasse weiter.

Kombiniert man Amazon und eBay und macht zudem noch ein paar Werbeverträge mit Webseitenbetreibern, die gern mehr Traffic haben wollen (das sind dann meist die Links zu diesen sinnlosen Seiten, die nur ein YouTube-Video enthalten, das man auch einfach so hätte verlinken oder einbetten können), kann man mit einer stark frequentierten Facebookseite sehr, sehr viel Geld verdienen. Und für diesen Job braucht man nicht mal eine Ausbildung. (Bei manchen Seiten hat man ohnehin den Eindruck, dass die Betreiber schon so ihre Probleme mit Lesen und Schreiben haben ...)

Naive Facebooknutzer, Unverständnis und gesetzliche Grauzonen

Liest man ein paar der vielen Tausend Kommentare, die täglich auf den verkappten Werbelinkseiten geschrieben werden, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass die meisten Facebooknutzer sehr naiv sind und dass sie Vieles von dem, was so im Internet geschieht, überhaupt nicht verstehen.
(Vermutlich trügt dieser Eindruck aber auch ein wenig, weil die klügeren Nutzer sich entweder gar nicht auf solchen Seiten tummeln oder sich schlicht darüber belustigen, was andere da so treiben, ohne selbst einen Kommentar zu hinterlassen.)

Den Seitenbetreibern kann man eigentlich nicht einmal vorwerfen, etwas falsch zu machen. Wenn sich auf so eine einfache Art und Weise derartig viel Geld machen lässt, warum sollte man die Gelegenheit nicht nutzen?

Das einzige Problem an dieser Geschäftspraktik besteht in der Tatsache, dass vielen Facebooknutzern eben nicht klar ist, dass sie es mit Werbung zu tun haben.

Hier fehlt es, wie so oft in Sachen Internet, an Aufklärung. Würden die Menschen die Geschäftsidee verstehen, die hinter solchen Facebookseiten steckt, wären sie auch eher in der Lage die Inhalte besser einzuordnen.

Dies wird ihnen bisher vor allem dadurch erschwert, dass die Betreiber der Werbelinkseiten die jeweiligen Einträge nicht explizit als Werbung kennzeichnen. Laut deutschem Recht müssten sie das eigentlich tun. Nun stehen die Facebookserver aber nicht in Deutschland und somit bewegt man sich in einer gesetzlichen Grauzone.
Ihrer Impressumspflicht kommen viele der Werbelinkseiten hingegen nach. Hierbei zeigt sich auch, dass hinter den meisten Seiten irgendwleche PR- und Marketingfirmen stecken und keine Privatpersonen.
Diese Firmen machen auf Facebook ihren Reibach. Würden Sie noch explizit darauf hinweisen, dass ein großer Teil ihrer Inhalte aus Werbelinks besteht, wäre das Vorgehen wohl (abgesehen von evtl. verletzten Facebook-AGBs) rechtlich sauber. Doch in der Regel praktizieren sie genau das Gegenteil und verwenden URL-Verkürzungsdienste, um das Ziel ihrer Links und die enthaltenen Werbetags zu verschleiern.

Und so wird es wohl auch munter weitergehen, mit steigenden Gewinnen, immer sinnloseren Inhalten und noch mehr flamenden Usern.
Ich hoffe dieser Beitrag trägt bei dem einen oder anderen dazu bei, das Wie und Warum besser zu verstehen.


P.S.: Klickt doch mal hier und bestellt dann was bei Amazon! ;-)

Geschnatter

9 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/2 > >>
Anja, am 12.08.2014 um 19:14 Uhr
Was für Seiten sind das denn?
Kasten, am 12.08.2014 um 20:06 Uhr
Anja, da gibt's viele von und es werden täglich mehr. Such mal bei Facebook nach:

- "gefällt das nicht."
- "ob du behindert bist hab ich gefragt"
- "Hör auf damit, wir müssen jetzt seriös wirken"
- "Sinnlos, aber geil - Ich MUSS es haben."

Die bringen alle andauernd Werbelinks.
Franz, am 12.08.2014 um 20:20 Uhr
Gleich mal ne eigene Facebookseite aufmachen! :D
Anonym, am 12.08.2014 um 20:31 Uhr
Selbst Schuld, wer jeden Mist anklickt.
Anonym, am 12.08.2014 um 22:19 Uhr
@Karsten, den Besten haste vergessen:

"PRINZ MARCUS VON ANHALT"

Das isn Bordellbetreiber, der sich nen Adelstitel gekauft hat. Derzeit sitzt der wohl wegen Steuerhinterziehung im Knast. Auf seiner Facebookseite hatter 1,5 Millionen Likes und am laufenden Band kommt da Werbung drüber.
Wenn man aufs Impressum klickt, sieht man dass da eine Schweizer Medienfirma dahinter steckt. In den Comments denken aber alle er würde den ganzen Kram posten. Beschimpfen ihn alle kräftig. Die machen bestimmt gutes Geld mit der Nummer.

Ohne Mist, les da mal die Comments, besteste Realsatire was da abgeht.
Sören, am 13.08.2014 um 07:38 Uhr
*g* was da bei Facebook passiert erinnert mich an den "Rattenfänger von Hameln". Menschen sind so leicht zu manipulieren ...
M.E., am 13.08.2014 um 16:03 Uhr
spitzen artikel, werd ich ab jetzt unter jedem derartigen eintrag verlinken.