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XMPP: GMX, Web.de und 1und1 schalten Jabber ab

erschienen in der Kategorie Alltag, am 16.11.2014
Schnatterente
Eigentlich bräuchte das Blog neben der Alltags-Kategorie noch einen Bereich namens "Shit Happens", aber dann wüsste ich wohl bei den meisten Einträgen nicht mehr, wo ich sie hinpacken soll.
Meine persönliche Negativschlagzeile der vergangenen Woche ist die hier: "MultiMessenger: United Internet schaltet XMPP/Jabber-Server ab".

Ganz ehrlich, das ist doch gequirlte Mäusekacke. Dass Microsoft MSN eingestampft hat und dass keine Sau mehr ICQ benutzt, fand ich ja immer ganz gut. Aber, wenn sich die großen Konzerne überlegen Jabber kaputtzumachen, dann ist das aus meiner Sicht eine absolut besch(.*|eiden)e Entwicklung.

In gewisser Weise war ja absehbar, dass das irgendwann kommen wird, nachdem Google seinen XMPP-Dienst bereits im vergangenen Jahr vom Netz genommen hat. Dennoch habe ich immer gehofft, dass die deutschen Provider Jabber noch möglichst lang am Leben halten.

Zwar braucht man de facto weder GMX noch 1und1 oder Web.de um Jabber zu benutzen - man kann ja beispielsweise auch den Server des CCC nehmen oder einfach seinen eigenen XMPP-Dienst aufsetzen - dennoch halte ich diese Entwicklung für ziemlich schädlich. Sie führt nämlich dazu, dass über kurz oder lang nur noch Nerds über Jabber erreichbar sein werden - eben jene Leute, die wissen, was die Vorzüge von Open-Source-Software und -Protokollen sind und denen man nicht mehr erklären muss, warum es eine gute Idee ist, die Verbindung mittels OTR oder PGP zu verschlüsseln.
Zweifelsfrei kann es seine Vorzüge haben sich mit seinesgleichen zu unterhalten, doch ich habe in der Vergangenheit an Jabber vor allem auch geschätzt, dass ich zu Freunden und Bekannten ohne ausgeprägten IT-Background sagen konnte: "Benutz es doch einfach! Du brauchst dich dafür nirgends zu registrieren, das funktioniert einfach mit deinem bereits existierenden Mailaccount."

Auf diesem Weg habe ich eine ganze Menge Personen dazubekommen, MSN und ICQ durch Pidgin und What's App durch Xabber zu ersetzen. In Zukunft wird das wohl weit schwieriger.

Langsam aber sicher fällt wieder einer der besseren Kommunikationswege weg und dies führt dazu, dass man dann bald nur noch die Wahl hat zwischen sozialer Selbstausgrenzung oder der Verwendung von What's App oder dem Facebook-Chat. (Fast schon paradox ist ja die Tatsache, dass bei den kommerziellen Diensten fast überall modifizierte XMPP-Varianten zum Einsatz kommen.)

Kurzum: Wir steuern also auch in diesem Punkt auf eine Welt zu, in der ich später mal meinen Kindern erzählen muss, dass früher manches besser war. Ich glaube das nennt man Rückschritt.


Nachtrag 11.01.2015: 1und1 hat seinen Jabber-Server wider Erwarten doch nicht abgeschaltet. (GMX und Web.de haben es aber eiskalt durchgezogen.)
Nachtrag 01.02.2015: 1und1 hat wohl einfach nur den Ausschalter nicht gleich gefunden - der Server ist nun auch offline.

Geschnatter

11 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/2 > >>
postlet, am 17.11.2014 um 08:32 Uhr
Besonders geärgert hatte mich deren Begründung für die Abschaltung, wie im verlinkten heise-Artikel erwähnt. Wie du ja selber schon richtig festgehalten hast, bedeutet die aktuelle Verlagerung auf mobile Endgeräte mit WhatsApp oder FB-Chat ja gerade, dass verstärkt auf XMPP gesetzt wird. Und gerade deswegen ist der klassische Messenger eigentlich wieder ganz groß im Geschäft. Die tun bei United Internet auch so, als wenn die Pflege dieses Dienstes so ein unglaublicher Aufriss wäre.

Ich bin inzwischen übrigens soweit mich im Bezug auf die digitale Welt mehr und mehr der sozialen Ausgrenzung hinzugeben. Mach ich lieber mit unter 40 schon auf störrischen Senioren und kann dafür nachts ruhig schlafen.
Mirco, am 17.11.2014 um 08:36 Uhr
Die Verdummung des Internets.
Jabber? Ne, gibt doch WhatsApp. RSS? Ne, die Leute sollen im facebook und Google+ Feed Neuigkeiten lesen. Ich warte nun auf die Einstellung der meisten großen E-Mail-Server, denn Nachrichten kann man ja auch in facebook schreiben und die meisten Leute bekommen es sowieso nicht auf die Reihe, ihrer E-Mails Herr zu werden (wie man immer mal wieder liest).
Internet ist irgendwann in einigen Jahren wahrscheinlich nur noch eine Leitung, über die die "Smartphone-Apps" kommunizieren :-(
Thoys, am 17.11.2014 um 09:59 Uhr
Hei,

tja, man kann damit kein Geld verdienen also raus damit.

ach und Trend ist es auch gerade nicht.

Schade....
Karsten, am 17.11.2014 um 10:44 Uhr
"Wie du ja selber schon richtig festgehalten hast, bedeutet die aktuelle Verlagerung auf mobile Endgeräte mit WhatsApp oder FB-Chat ja gerade, dass verstärkt auf XMPP gesetzt wird. Und gerade deswegen ist der klassische Messenger eigentlich wieder ganz groß im Geschäft."

Naja, aber bringt ja keinen Vorteil. Ich meine wer will schon seine Nachrichten über die Server von Facebook und What's App schicken?!
afk, am 17.11.2014 um 14:44 Uhr
Whatsapp gehört doch zum Facebook-Konzern.
postlet, am 18.11.2014 um 09:20 Uhr
@Karsten, ich bezog das eher darauf, dass ich die Aussage von United Internet für Quatsch halte. Die meinen ja, dass das Interesse an XMPP bzw. einem klassischen Messenger rückläufig wäre, während FB-Chat und WhatsApp a) das gleiche Protokoll verwenden (wenn auch in einem geschlossenen Netz) und b) klassische Messenger sind.

Dass man über deren Server keine Daten senden möchte, steht zumindest für mich gar nicht zur Diskussion.
Daniel, am 09.12.2014 um 11:40 Uhr
Ich kann ja verstehen, dass sie die Kosten scheuen weiterhin ihren Messenger zu betreuen. Aber deshalb muss man ja nicht gleich noch die zugehörigen XMPP Server abschalten, oder? Das ist doch kein Aufwand sowas zu betreiben, wenn man sowieso erstmal 1und1 Kunde sein muss.

Jetzt bin ich nämlich nicht mehr unter meiner E-Mail erreichbar....