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GingerDX: Android Gingerbread auf dem Xperia X8

erschienen in der Kategorie Android, am 07.03.2013
Schnatterente
Als ich vor etwas mehr als zwei Jahren, im Zuge einer Handy-Vertragsverlängerung, zur Gruppe der Smartphone-Nutzer stieß, wusste ich recht wenig über die Materie. Googles Betriebssystem Android war mir vom Namen her bekannt, mehr aber auch nicht. Ich hatte auch keine Lust allzu viel Geld für ein Handy zu lassen und so entschied ich mich für das damals kostengünstig erhältliche Sony Ericsson Xperia X8, auch als Modell E15i bezeichnet.

Das Gerät ist sehr klein und verschwindet somit schnell in der Tasche. Manchmal wünscht man sich aber, das Display (3", 480x320 Pixel) wäre einen Hauch größer, gut Tippen lässt es sich auf dem Teil nur, wenn man es quer hält (und am besten noch eine "Swype"-Tastatur benutzt). Auch in Sachen Leistungsfähigkeit ist das Gerät nicht gerade der Burner. Ein 600MHz "starker" ARM 11 Prozessor namens Qualcomm MSM7227 kommt neben einer Adreno 200 GPU und 168 MB RAM sowie 128 MB internem Speicher zum Einsatz. Ausgeliefert wurde das Handy damals mit Android 1.6. Leider bot Sony Ericsson auch nur Updates bis zur Version 2.1 an.

Wirklich gut benutzbar war das Gerät mit dieser Ausstattung nicht. App2SD (Speichern von Anwendungen auf der SD-Karte) gab es in Android 2.1 noch nicht, also war der Speicher dauernd voll. Das Allernervigste war aber, dass man beim Telefonieren manchmal nicht auflegen konnte, weil das Gerät durch das laufende Gespräch schon so ausgelastet war, dass es sich geweigert hat, das Display wieder anzuschalten.

Der aufmerksame Leser hat sicher schon vernommen, dass ich über diesen Zustand in der Vergangenheit schreibe. Natürlich habe ich mir das nicht über mehrere Jahre angetan. Ich war nicht der einzige Nutzer dieses Geräts, dem Sony Ericssons Aussage, es gäbe keine Updates mehr, missfiel. Einige fähige Leute taten sich zusammen und begannen Android 2.3 Gingerbread für das Xperia X8 zu portieren. Somit entstand GingerDX, ein ROM, der auf der "CyanogenMod" basiert. Inzwischen ist das Projekt bei Version 30 (Android 2.3.7) angekommen. Es ist ein wirklich brauchbares Android entstanden, mit allen Features, die man sich so wünscht. Besonders schnell läuft die Bude, wenn man auch noch den Linux Kernel gegen einen etwas Besseren austauscht.

Mein Handy läuft jetzt schneller, App2SD funktioniert wunderbar (habe eine schnelle 16GB Micro-SD-Karte drin) und es gibt sogar (Fake-) Multitouch-Support (je nachdem was für einen Digitizer man in seinem E15i verbaut hat, hat man echtes Multitouch oder eine simulierte Variante, die aber auch ganz gut funktioniert). Sehr schön ist auch, dass die Facebook-App und die ganzen sinnlosen, speicherfressenden Spiele-Demos nicht mehr vorinstalliert sind. Kurzum, mein Smartphone ist sicher nach wie vor nicht das schnellste, aber es lässt sich jetzt im Alltag gut gebrauchen und ich verspüre nicht mehr den Wunsch, es in die Tonne zu werfen, wenn ich damit telefoniere.

Das Xperia X8 wurde recht häufig verkauft, ich sehe auch des Öfteren Leute in der Straßenbahn oder in der Stadt, die das Gerät benutzen. Daher habe ich mich entschieden, diesen Artikel zu schreiben, um verzweifelten X8 Nutzern zu zeigen, dass man auch mehr aus dem Low-Budget-Smartphone rausholen kann.

Ich will mal grob erklären, wie man es hinbekommt, GingerDX zu installieren und Android 2.1 für immer loszuwerden. Dies soll aber nur ein Leitfaden sein, wie man vorgehen kann. Im Netz findet man viele Anleitungen, die die einzelnen Schritte näher erläutern. Wenn also etwas unklar sein sollte: Googlen oder Fragen.

GingerDX und Alfs Kernel installieren

Zuerst sei einmal gesagt, dass diese Modifikationen am Handy ein bisschen Vor- und Grundlagenwissen erfordern. Wer keinen Spaß daran hat, mit Elektronik rumzuspielen, ein bisschen zu basteln und zu experimentieren, der sollte es lieber lassen. Es kann durchaus vorkommen, dass sich das Gerät nicht mehr starten lässt, wenn man etwas falsch macht oder bei der Installation etwas schief läuft (ist mir auch schon passiert). In der Regel lässt sich das aber auch wieder beheben. Dennoch bleibt ein Restrisiko, dass man sein Gerät zerstört. Aber genug der mahnenden Worte. Ich denke es hat jeder verstanden, dass er selbst dafür verantwortlich ist, was er mit seinem Handy anstellt.

Bevor man überhaupt loslegen kann, muss man prüfen, ob sich der Bootloader des Handys überhaupt knacken lässt. Dazu nimmt man den Akku raus und sucht auf dem Aufkleber im Batteriefach nach dem Herstellungsdatum, z.B. "10W23" (heißt: Kalenderwoche 23 im Jahr 2010). Steht da "11W29" oder ein noch späteres Datum, lässt sich der Bootloader nicht freilegen. Man sollte es in diesem Fall auch nicht versuchen, denn das Telefon könnte dabei kaputt gehen. (Die neuen Geräte weisen eine Sicherheitslücke nicht mehr auf, die benötigt wird, um das neue System zu installieren.)

Falls das Handy eher produziert wurde, ist alles gut und man kann loslegen. Als Vorbereitung sollte man das Telefon noch laden und auf den aktuellen Stand bringen, indem man über Sony Ericssons PC Compansion Suite alle verfügbaren Update installiert. Wenn man sich in den Telefoneinstellungen die Versionsinformationen anzeigen lässt, sollte die "Baseband-Version" auf "015" enden (nicht auf "006").

In den USB-Einstellungen des Smartphones muss noch das USB-Debugging aktiviert werden. Auch die Einstellung für "unbekannte Herkunft und Entwicklung" bekommt ein Häkchen. Ist das erledigt, kann der eigentliche Spaß beginnen.

Zuerst einmal sollte man sich die benötigte Software herunterladen:

Man installiert den ADB Treiber und entpackt die X8 Toolbox. Die GingerDX Zip-Datei sowie die GAPPS und die Datei "LibSensors_patch_for_MiniCM-7.zip" werden unentpackt auf der SD-Karte des Handys platziert. Das Flashtool wird erst später gebraucht, man kann es aber ruhig schon installieren.

Jetzt schließt man das Handy an und tippt bei der Nachfrage, ob man per USB auf die Daten zugreifen will, auf "Nur laden". Nun startet man die X8 Toolbox, indem man die Datei "x8toolbox.cmd" ausführt. Es erscheint eine Eingabeaufforderung mit dem folgenden Menü.
X8 Toolbox


Unter dem Menüpunkt "1. Root / Unroot" kann man das Telefon, wie der Name schon sagt, rooten. Dabei folgt man einfach den Anweisungen des Programms. Es kann mehrfach vorkommen (auch bei den späteren Sachen die man mit der Toolbox macht), dass das Programm das Telefon identifizieren möchte. Dazu poppt ein zweites Fenster mit einem "Identify" Button auf. Diesen klickt man jedes Mal und folgt stupide den Befehlen der Software, egal ob man das Gefühl hat, dass man das Handy gerade zum zwanzigsten Mal identifizieren lässt. ;)

Es wird ein Programm namens "Superuser" installiert, welches es anderen Programmen ermöglicht, Rootrechte zu erhalten. Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, schließt man die X8 Toolbox, zieht das USB-Kabel ab und startet das Handy neu.

Es stehen noch weitere Operationen mit der Toolbox an. Man verkabelt das Handy wieder und startet das Programm erneut, gibt die Option 50 ein, um den Bootloader freizulegen und macht dabei einfach wieder alles, was die Anwendung von einem verlangt.

Ist auch dies erledigt, schaltet man sein Handy aus und zieht den USB-Stecker ab. Am PC installiert man nun das Flashtool (falls noch nicht geschehen), mit dem man den neuen Linux Kernel auf das Telefon bringen kann.

Im Programmverzeichnis des Flashtools (liegt standardmäßig direkt unter C:\), findet man einen Ordner "firmwares". In diesen entpackt man das heruntergeladene Kernel Image (die Datei endet auf .ftf). Dann öffnet man das Flashtool und klickt auf den Button mit dem Blitz. Beim nächsten Fenster wählt man "Flashmode" und gelangt zu einem Dialog, der die Auswahl des zu flashenden Kernels erlaubt. Man wählt den heruntergeladenen Kernel aus und klickt auf OK. Man wird dazu aufgefordert, das ausgeschaltete Handy zu nehmen, die Zurücktaste gedrückt zu halten und es währenddessen via USB zu verbinden.
Flashtool


Das Flashtool kopiert den neuen Kernel dann auf das Telefon. Sobald das Flashen abgeschlossen wurde, steht in der Konsole des Programms, dass man das Handy abziehen und anschalten soll. Die Zurücktaste kann man übrigens loslassen. ;)

Wenn man das Handy nun anschaltet, kommt als Erstes nicht mehr der Sony Ericsson Schriftzug, sondern das Logo des neuen Bootloaders. Wenn man direkt nach dem Anschalten (während das Bootloader-Logo zu sehen ist) auf die Zurücktaste drückt, gelangt man in die "ClockWorkMod", welche mit dem neuen Kernel installiert wurde.

Dieses tolle Programm kann man benutzen, um das Betriebssystem (den ROM) des Telefons auszutauschen. Man kann auch jederzeit ein komplettes Backup des Systems erstellen (wird als Zip-Datei auf die SD-Karte gespeichert) und es später wieder herstellen. Bedient wird es mit den Lautstärketasten und der Home-Taste des Telefons.
ClockWorkMod (CWM)

Unter dem Menüpunkt "backup and restore" kann man erst einmal ein Backup, des bisherigen Systems erstellen, wenn man das gern möchte. Danach sollte man im Hauptmenü "wipe data/factory reset" auswählen, was alle Daten vom Handy löscht (nicht die Inhalte der SD-Karte). Installiert man später neue Updates für GingerDX, ist das vollständige Löschen nicht nötig, aber beim Update von Android 2.1 auf 2.3 ist es empfehlenswert. Unter dem Menüpunkt "Install zip from sdcard" sucht man sich das GingerDX Zip-Archiv auf seiner SD-Karte und startet die Installation. Ist diese abgeschlossen, installiert man die GAPPS und das LibSensors Patch auf die gleiche Art und Weise.

Herzlichen Glückwunsch! Wenn nichts schief gelaufen ist, hat man nun Android 2.3.7 und einen recht flotten Linux Kernel auf seinem Handy. In der ClockWorkMod klickt man auf "reboot system now" woraufhin das Telefon neu starten sollte, ohne die CWM erneut zu laden. Nach dem Logo des Bootloaders sollte eine Bootanimation von GingerDX erscheinen. Bleibt das Handy beim Bootloader hängen, hat etwas nicht funktioniert. Der erste Start des neuen Systems kann ein bisschen dauern.

Dann sollte aber irgendwann die Android Oberfläche erscheinen.

Holo Launcher

Standardmäßig ist meines Wissens der Holo Launcher installiert. Dieses kostenlose Tool zur Desktopverwaltung ist wirklich toll (der beste kostenlose Launcher, den ich kenne).

Man sollte nicht zu viele Holo-Desktops einrichten, ich habe zumindest das Gefühl, das macht das System langsamer (ich habe nur zwei eingestellt). Man kann aber auch auf wenigen Desktops viele App-Verknüpfungen unterbringen, indem man sie auf die gleiche Position schiebt, wodurch der Holo Launcher sie in einem "Ordner" zusammenfasst. Dies geht auch in der Leiste am unteren Rand des Bildschirms, welche man unabhängig von eingestellten Desktops nach rechts und links scrollen kann.

In den Einstellungen des Holo Launchers kann man auch festlegen, dass dieser möglichst im Speicher gehalten werden soll (sinnvoll).

Ein paar Hinweise zu GingerDX

Man sollte das "Kernel Samepage Merging" (KSM) aktivieren (Einstellungen → Performance), dies wirkt sich positiv auf die Leistung des Smartphones aus. Im gleichen Menü kann man auch App2SD (A2SD) anschalten. Damit dies geht, muss die Micro-SD-Karte aber eine ext-Partition enthalten. Mithilfe der ClockWorkMod kann man die SD-Karte entsprechend partitionieren und formatieren.

Um die ClockWorkMod aufzurufen, muss man nicht jedes Mal den Zurückbutton nach dem Anschalten drücken. Man kann auch den On/Off-Knopf (im Betrieb) einen Moment lang gedrückt halten, woraufhin ein Menü eingeblendet wird, welches die Option "Neu Starten" enthält. Dort kann man auch auswählen, dass das Handy die ClockWorkMod starten soll.

Wenn man sich alles so eingerichtet hat, wie es einem gefällt, lohnt es sich, in der ClockWorkMod ein Backup zu erstellen - somit ist man auf der sicheren Seite, wenn mal irgendetwas nicht funktioniert. Man macht dann einfach schnell einen "Restore" über die CWM und hat wieder den alten Zustand des Systems parat. (Regelmäßige Backups kann man lohnen sich!)

Das Telefon startet wesentlich schneller, wenn man die Boot-Animation abschaltet (ebenfalls im Performance Menü)

Wenn es ein neues GingerDX Update gibt, informiert einen das System automatisch darüber (Internetverbindung vorausgesetzt). Das Update lässt sich dann einfach wieder als Zip-Datei downloaden und wird gleichermaßen über die CWM installiert. Dabei gehen keine Daten oder Einstellungen verloren.

Danke an die Entwickler von GingerDX

Abschließen will ich diesen Beitrag mit einem herzlichen Dankeschön, an die GingerDX Entwickler sowie an Alf und Nils, die den Kernel gebaut haben. Die Jungs machen echt gute Arbeit. Wer sie mal kennenlernen oder mit nervigen Anfängerfragen terrorisieren will, sollte den Freenode Channel #gingerdx besuchen.

Geschnatter

26 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 4/4 > >>
Oliver, am 25.01.2014 um 14:54 Uhr
An so einem alten Smartphone rumzudoktorn ist doch Quatsch. Kauft euch halt mal ein ordentliches Gerät.
Christian, am 19.02.2014 um 16:07 Uhr
Ich habe Android 2.3.7 (Xperia X8), und jetzt kann ich selbstgedrehte Videos nicht öffnen (Die Anwendung Musik (Prozess com.android.music) wurde unerwartet beendet). Hast Du eine Ahnung warum, und was man dagegen tun kann?
Danke.
Druiler, am 04.06.2014 um 23:37 Uhr
Hallo ich habe folgendes problem ich kann mnit dem x8 toolbox mein handy nicht rooten folgender fehler taucht auch

running psneuter exploit on device...
unable to chmod/data/local/tmp/psneuter: No such file or directory
device not exploitet !!!
Pfriemler, am 16.06.2014 um 11:10 Uhr
Auf dem Screenshot ist CWM 5.0.2.8 zu sehen, die Toolbox.Final (ein wirklich geniales Tool, besser gehts kaum noch) hat aber nur 4.0.1.5 draufgespült. Damit kann ich die SD nicht mal eben für A2SD partitionieren.
Hab ich was übersehen oder hast Du CWM irgendwann mal nachgeupdatet? Ich such mir grad'n Wolf.
Heinz, am 29.12.2014 um 21:04 Uhr
Hey, das war ja mal eine gute Anleitung...vielen Dank. Das Schätzchen wird meiner Tochter nun eine Menge Spaß bereiten. :)

Vielen Dank!