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Playboy schafft Nacktfotos ab

erschienen in der Kategorie Satire, am 14.10.2015
Schnatterente
Wie das Männermagazin Playboy gestern bekannt gab, will man zukünftig keine Nacktdarstellungen von Frauen mehr im Heft abdrucken.

Die konsequente Neuausrichtung macht Sinn, da sich der Playboy seit jeher als ein Magazin definiert, bei dem alles thematisiert wird, was Männern Freude bereitet. So liegt der redaktionelle Fokus schon seit Anbeginn der Zeitschrift auf investigativen Interviews, intellektuell geprägten Essays und Informationen aus der Welt der Technik und Automobile.

"Die Darstellung nackter Frauen war mir von Anfang an zu wider", sagte uns Playboy-Erfinder Hugh Hefner im Interview. "Oft haben wir diese Fotos nur als Lückenfüller benutzt, damit das Heft nicht ganz so intellektuell wirkt. Durch zu viel Text auf einmal fühlt sich mancher Leser erschlagen. Die Nackedei-Bildchen waren da zur Auflockerung ganz gut geeignet, weil sie keinen nennenswerten Inhalt transportieren und sie sich deswegen sowieso keiner allzu genau anschaut. Viele Leser haben sicher nicht einmal gemerkt, dass da unbekleidete Frauen im Heft abgedruckt waren."

Dass Hefner mit seiner Aussage richtig liegt, zeigen auch Meinungserhebungen in der Bevölkerung. Befragt man Playboy-Käufer am Zeitungskiosk, so sind die meisten von der Frage peinlich berührt und geben an, sich primär für die textuellen Inhalte des Hefts zu interessieren. Besonders Männer in Partnerschaften geraten vor Fernsehkameras gerade zu ins Schwärmen darüber, was für treffende Beiträge der Playboy in Sachen Forschung und Politik veröffentlicht.
Für die meisten Playboy-Leser scheinen also tatsächlich die guten Artikel der einzige Grund zu sein, sich das Heft zu kaufen. Fragt man gezielt nach den Nacktdarstellungen, so erklären die Leser, sich dafür "überhaupt nicht" zu interessieren, dass diese "nur Nebensache" seien oder dass sie "gar nicht bemerkt" hätten, dass da solche Bilder im Heft sind.

Hefner ist sich folglich auch sicher, dass die Neuausrichtung des Magazins der richtige Schritt ist: "In der Vergangenheit mussten wir oft zu den besagten Grafiken greifen, weil sich für eine Titelstory wie Einsteins Relativitätstheorie kaum passendes Bildmaterial auftreiben ließ. Heute, in den Zeiten der Stockfotografie ist das aber vollkommen überholt und deswegen hören wir damit auf."

Außerdem merkte der 89-Jährige an: "Mir ist vollkommen unklar, warum derzeit so ein Wirbel darum gemacht wird. Es ist ja nicht so, dass sich am Playboy dadurch grundlegend etwas ändern würde. Die Beiträge bleiben die gleichen. Wir nehmen nur minimale Änderungen an unserem Image vor. Das ist wie als Nokia letztens von Gummistiefeln auf Mobiltelefone umgestiegen ist, da hat doch auch keiner einen Aufstand veranstaltet."

Der Playboy ist übrigens nicht das erste Männermagazin, das diesen Weg einschlägt. So hat die britische "Gay Times" von Anfang an gänzlich auf die Darstellung nackter Frauen verzichtet.
Dennoch hat das Handeln des Playboy eine Signalwirkung für die Branche der auf Männer fokussierten Fachzeitschriften. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Technik- und Wirtschaftsblätter Hustler, Penthouse und Praline entscheiden, auf Nacktdarstellungen zu verzichten.

Geschnatter

5 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Anonym, am 14.10.2015 um 12:54 Uhr
Ich glaube auch nicht, dass irgendeiner das Heft wegens der Bilder kauft. Das ist wie bei den Sportclips von Sport1, die schauen die Leute auch nur wegen, ..., ehm, wegen der sportlichen Inhalte.
André, am 14.10.2015 um 13:07 Uhr
:D
EJB, am 14.10.2015 um 13:58 Uhr
Gibt es eigentlich ein Sonderkündigungsrecht für Abonnenten? Die kriegen ja nun nicht mehr das, wofür sie bezahlt haben.
Anonym, am 14.10.2015 um 15:12 Uhr
angefangen hat aber die BLÖD-Zeitung!

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bild-ohne-seite-1-girl-die-letzte-haelt-die-brueste-hin-a-820310.html
Anita, am 21.10.2015 um 13:03 Uhr
Schöner Artikel. bei der Überschrift dachte ich erst, die Sache an sich sei Satire. Dass dem nicht so ist, spricht eigentlich Bände darüber, wie sich unsere Gesellschaft, was dieses Thema angeht verändert hat in den letzten Jahren. Nicht gerade zum Positiven möchte man meinen.