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Gentoo: SMPlayer vs. SMPlayer2 vs. MPlayer vs. MPlayer2

erschienen in der Kategorie Software, am 15.02.2015
Schnatterente
Mich fragte kürzlich ein Freund (und Gentoo-Linux-Nutzer), ob ich eine gute Alternative zum VLC-Player kennen würde. Die Frage ergab sich aus dem Problem heraus, dass der VLC-Player auf seinem System Probleme mit der Wiedergabe von *.wmv-Dateien hatte (verkratzter Ton, muss wohl irgendwas mit dem WMA-Audio-Codec zu tun haben).

Ich empfahl ihm dann, mal den guten alten MPlayer auszuprobieren, denn der ist ja, was Videoformate angeht, so eine Art eierlegende Wollmilchsau.

Der einzige Haken am MPlayer ist, dass er erst einmal ohne grafische Nutzeroberfläche daher kommt. Ich selbst habe in der Vergangenheit einige Frontends ausprobiert: Gnome-MPlayer, KMplayer, SMPlayer, GMPlayer und den Gambas-basierten Xt7-Player. Am besten gefallen hat mir der SMPlayer und so habe ich diesen zur Installation weiterempfohlen.

Ich erhielt dann aber relativ schnell die Rückmeldung, dass sich der SMPlayer mittels emerge partout nicht installieren lassen will. Zudem gab es Verwirrungen bezüglich der verfügbaren Versionen.
Im Gentoo-Portage finden sich nämlich für den MPlayer und für den SMPlayer jeweils zwei verschiedene Pakete (media-video/mplayer und media-video/mplayer2 sowie media-video/smplayer und media-video/smplayer2).
Klar ist dabei: Der SMPlayer ist die GUI für den MPlayer und der SMPlayer2 die GUI für den MPlayer2. Doch für welchen MPlayer sollte man sich entscheiden?

MPlayer oder MPlayer2?

Im ersten Moment liegt natürlich die Vermutung nahe, dass der MPlayer2 die neuere und bessere Version des MPlayers ist. De facto handelt es sich aber um zwei unabhängige Software-Projekte. Der MPlayer2 war ein Fork des MPlayers (welcher immer noch gepflegt und erweitert wird). Ich schreibe hier "war", weil sich bei dem MPlayer2-Projekt schon längere Zeit nichts mehr getan hat. (Es scheint auch nicht so, als würde sich das demnächst ändern.)
Deshalb, aber auch aus einem anderen Grund würde ich den MPlayer immer dem MPlayer2 vorziehen: Letzterer bringt zwar ein paar mehr Features mit, als der althergebrachte MPlayer, dafür haben die Entwickler aber den MEncoder aus dem Quelltext entfernt, welcher genutzt werden kann, um Videodateien und -streams zu de/kodieren, also um sie z.B. in ein anderes Format umzuwandeln (zu "rippen"). Der MEncoder wird auch von einigen anderen Audio/Video-Ripper-Projekten als Softwaregrundlage genutzt. Folglich lassen diese sich mit dem MPlayer2 nicht mehr verwenden.

In Gentoo-Linux muss man sich zwischen dem MPlayer und dem MPlayer2 entscheiden, es können nicht beide Versionen parallel installiert werden (dies sollte bei den meisten anderen Distributionen auch nicht anders aussehen). Ich rate daher also zum klassischen MPlayer und in Sachen GUI folglich zum SMPlayer (und nicht zum S/MPlayer2).

Gentoo Portage Blockierung: SMPlayer will MPlayer2 mit installieren

Wir hatten uns nun also für eine Software-Variante entschieden, doch wie oben schon kurz angedeutet, ließ sich der SMPlayer auf dem PC meines Freundes nicht installieren. Das emerge-Kommando meldete immer wieder, dass sich Pakete gegenseitig blockieren.

Ich habe mich dann mal per SSH mit dem Rechner verbunden und mir selbst ein Bild von der Lage gemacht (DynDNS und Portfreigaben machen's möglich).
Der MPlayer war schon installiert und funktionierte. Das SMPlayer-Paket (also die Version für den MPlayer 1) wollte aber immer den MPlayer2 mit installieren (was ja irgendwie keinen Sinn macht). Dies erzeugte dann natürlich ein Block-Verhalten in Verbindung mit dem bereits installierten Mplayer. Auf Grund dieses Abhängigkeitskonflikts ließ sich also erst mal gar nichts installieren.

Nach längerer, anfänglich etwas verwirrter Suche und dem Studieren der Ebuilds, fand ich dann den Grund für den Konflikt: Die USE-Flag "bidi" war beim schon installierten MPlayer nicht gesetzt.

(Im Ebuild des SMPlayers ist ersichtlich, dass diese USE-Flag darüber entscheidet, ob der MPlayer oder MPlayer2 benötigt wird. Aus meiner Sicht ist das Ebuild an dieser Stelle etwas buggy - was hat der MPlayer2 überhaupt darin verloren?)

Ich erstellte also eine Datei /etc/portage/package.use/mplayer mit dem Inhalt
media-video/mplayer bidi

und kompilierte den MPlayer erneut. Danach ließ sich die SMPlayer-GUI problemlos emergen. Und der Aufwand hat sich sogar gelohnt, denn die betreffenden Videodateien lassen sich nun ohne Audioprobleme abspielen. :)


Nachtrag: Habe ich vergessen zu schreiben, ist aber vielleicht noch für jemanden interessant: Die betreffenden Paket-Versionen waren in unserem Fall media-video/mplayer-1.2_pre20130729 und media-video/smplayer-14.3.0.

Nachtrag: mpv-Player

Es gibt neben dem MPlayer und dem MPlayer2 seit geraumer Zeit auch noch den mpv-Player. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Fork des MPlayers, welcher aber unter anderem auch Verbesserungen aus dem MPlayer2-Projekt enthält.
Ich war im Artikel (und auch bei meinen Überlegungen zur Lösung des Problems meines Freundes) nicht auf den mpv-Player eingegangen, weil ich ihn selbst aus den Augen verloren hatte, nachdem ich ihn vor vielen Monaten mal getestet und für verbuggt befunden hatte (siehe Geschnatter).
Ich habe den mpv-Player jetzt (auf meinem eigenen PC) wieder installiert und es scheint so, als wären alle Probleme, die ich damals damit hatte, inzwischen nicht mehr existent.
Der Player lässt sich in Gentoo auch parallel zum MPlayer installieren. Neuere Versionen der SMPlayer-GUI sind auch zum mpv-Player kompatibel, man muss nur in der Konfiguration den Befehl "mplayer" durch "mpv" ersetzen.

Danke für eure Kommentare! :)
Grüße an Daniel

Geschnatter

8 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 2/2 > >>
Anonym, am 21.10.2015 um 11:01 Uhr
VLC und gut isses