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Schnatterente
Ich habe hier ja schon einige Male geschrieben, dass ich Gnome 3 nicht mag und trotz guten Willens mit dem neuen Desktop nicht warm werde. In Version 3.8 haben sich die Entwickler entschieden, den Fallback-Modus abzuschaffen. Somit ist das gute, alte Gnome 2 wohl endgültig tot.

Oder doch nicht? Der Open Source Community sei Dank, lebt der klassische Gnome Desktop doch noch ein bisschen weiter, denn ein paar (ebenfalls mit Gnome 3 unzufriedene) Entwickler haben einen Gnome 2 Fork namens "Mate" erschaffen, welcher Freunden der altbewährten Desktop-Oberfläche das Leben erleichtert.

Der Mate Desktop sieht aus wie Gnome 2 und er fühlt sich auch so an. Alles läuft wie gewohnt. Das Einzige, woran man sich gewöhnen muss, sind die neuen Anwendungsnamen. Um sich vom Gnome-Projekt abzugrenzen, war es nötig die meisten Programme umzubenennen. So wurde aus dem Nautilus Dateimanager Caja, der PDF-Viewer Evince heißt jetzt Atril, gedit ist pluma und das Gnome-Terminal heißt - na, wer errät es? - Mate-Terminal.

Auf meinem Gentoo Linux ließ sich der Mate Desktop recht einfach installieren. Es gibt ein Layman-Overlay namens "mate", welches alle benötigten Ebuilds enthält. Wer eine andere Distribution benutzt, wird dafür sicher auch eine gute Installationsanleitung im Netz finden.

Das Kompilieren des Mate-Desktops war schneller und einfacher zu bewältigen, als die Deinstallation meines ACCEPT_KEYWORDS-verseuchten Gnome 3.6/3.8 Mischmaschs, mit all den im Laufe der Zeit kaputt gegangenen Paket-Abhängigkeiten (Gentoo Nutzer wissen wovon ich rede).

Problemlösung: Compiz-Fusion mag Mates Alt+F2 Kommando nicht

So richtig gemütlich fand ich Gnome ja schon immer erst, wenn man noch Compiz Fusion drauf gepackt hat. Somit war ich auch sehr erfreut, als ich sah, dass sich Compiz problemfrei unter Mate starten lässt.

Doch wie das immer so ist - ich habe mich einen Moment zu früh gefreut - denn als ich mittels der Tastenkombination Alt+F2 den Dialog zum Ausführen einer Anwendung öffnen wollte, passierte (nach dem Compiz-Start) gar nichts mehr. Der Grund dafür ist ganz einfach. Compiz-Fusion ist als Window Manager für die Tastenkombinationen zuständig. Für den Gnome-Desktop gibt es ein Plug-in, welches die Verwendung der Gnome-Shortcuts ermöglicht, für den Mate-Desktop gibt es aber keins.

Da ich die besagte Tastenkombination öfter benutze als jede andere, musste ein Bugfix her. Glücklicherweise gelang es mir, das Problem mit einfachen Mitteln zu lösen.

Im Compiz-Einstellungs-Manager (ccsm) findet man ein Plug-in namens "Commands", welches es dem Nutzer erlaubt, eigene Tastenkürzel anzulegen. Man kann bis zu 12 Kommandos definieren und diesen anschließend beliebige Tastenkombinationen oder andere Auslöser zuweisen. Um den Ausführen-Dialog wieder flott zu machen, muss man also nur eine Aktion für den Alt+F2 festlegen.

Mit einem Befehl ist es leider nicht gemacht, also habe ich ein kleines Bashskript geschrieben, welches ich unter /usr/local/bin/mateCompizRunDialog abgelegt und ausführbar gemacht habe. Der Dateiinhalt sieht so aus:
#!/bin/sh
mate-panel --run-dialog &
sleep 0.2
wmctrl -a "Anwendung ausführen"


Was tut dieses Skript?
Der erste Befehl öffnet den gewünschten Ausführen-Dialog. Leider ist dieser dann aber noch nicht fokussiert und so müsste man ihn jedes Mal erst anklicken, bevor man etwas ins Eingabefeld schreiben kann. Weil das nervt, gibt es die letzte Zeile. Mit dem Programm wmctrl, das man eventuell erst installieren muss, kann man das aktive Fenster festlegen. Hier geschieht dies anhand des Fenster-Titels ("Anwendung ausführen"). Der Sleep-Befehl zwischen den zwei Operationen sorgt dafür, dass das Fenster erst fokussiert wird, wenn es wirklich schon eingeblendet wurde - der wmctrl-Aufruf wird schlicht um 200 Millisekunden verzögert. Falls dieser Puffer bei jemandem nicht ausreicht (was man daran erkennt, dass der Dialog aufpoppt aber man ihn erst anklicken muss), kann der Wert entsprechend angepasst werden.

Im Compiz-Einstellungs-Manager gibt man das erstellte Skript einfach als Befehl an und die Sache läuft.

Geschnatter

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