Gefällt dir dieser Artikel?

Microsoft: Lizenzen und CALs

erschienen in der Kategorie Software, am 09.03.2013
Schnatterente
Ich will mal, bezogen auf Produkte der Firma Microsoft, auf ein paar Fragen rund um das Thema Software-Lizenzierung eingehen. Was muss man beim Kauf von Microsoft Software beachten, wenn man die Lizenzbedingungen einhalten will? Was sind CALs und wie viele davon muss man erwerben? Wie prüft Microsoft, ob man die Lizenzbestimmungen eingehalten hat? All diese Fragen sind vor allem für Firmen interessant, die Microsoft Produkte einsetzen, die sich an Geschäftskunden richten, also z.B. Windows Server oder Microsoft Exchange.

Das sind alles sehr heikle Fragen und in den Weiten des Internets findet man teils nur sehr ungenaue Informationen dazu. Auch auf der Webseite von Microsoft wird oft nur kurz und oberflächlich erklärt, wie die Lizenzmodelle funktionieren.

Microsoft wird aber nicht müde zu betonen, wie einfach die Lizenzierung doch aufgebaut ist. Ob sie wirklich einfach und transparent gelöst ist, kann man sich damit beantworten, dass dieser Talk bezüglich, der Lizenzmodelle des Windows Server 2012, eine Stunde und 22 Minuten lang ist.

Ich selbst benutze vorwiegend Linux und freie Software. Daher tangiert mich dieses Problem im privaten Umfeld oder bei der Arbeit, die ich am eigenen Rechner verrichte, kaum. Aber ab und an helfe ich Firmen beim Aufbau von Netzwerken und da kommt man um die Thematik nicht herum. Ich bin sicher kein Microsoft-Lizenz-Experte, mein Wissen zu diesem Thema ist nicht allzu tiefgründig, dennoch will ich hier kurz auf ein paar Stolpersteine eingehen, die schnell sehr teuer werden können.

Server Lizenzen

Will man einen Windows Server einsetzen, braucht man für diesen natürlich eine Lizenz. Es gibt verschiedene Windows Server Versionen, die unterschiedlich viel kosten. Gemein haben sie jedoch, dass sie nur für zwei CPUs gültig sind. Wer also einen Server betreiben will, indem vier Prozessoren stecken, braucht zwei Lizenzen. Bei sechs CPUs braucht man drei und so weiter. Unklar ist hierbei oft, ob es um die in den Server gesteckten Prozessoren geht oder um die Anzahl der Kerne. Braucht mal also für zwei CPUs mit jeweils vier Kernen schon vier Windows Lizenzen?

Nein braucht man nicht. Gezählt werden die Prozessoren, die man aufs Board gesteckt hat.

Es ist nicht erlaubt, die Lizenzen aufzusplitten. Will man also auf zwei Rechnern, mit je einem Prozessor, einen Windows Server installieren, kann man dafür nicht nur eine Lizenz benutzen.

Vorsichtig muss man auch sein, wenn man Virtualisierung betreiben will. Hier muss man ganz genau prüfen, wie viele virtuelle Maschinen man mit der oder den erworbenen Windows Lizenz/en betreiben darf. Beispielsweise berechtigt einen eine Windows Server 2012 Standard Lizenz dazu, zwei virtuelle Maschinen zu betreiben. Hat man einen Server mit ein oder zwei Prozessoren, braucht man eigentlich nur eine Lizenz. Will man auf diesem aber mehr als zwei virtuelle Maschinen installieren, braucht man trotz der CPU-Anzahl weitere Lizenzen. Es gibt auch unabhängig von den Server-Produkten Regelungen zur Virtualisierung, zum Beispiel wenn man Windows XP in einer virtuellen Maschine in Windows 7 betreiben will. Auf all diese Sonderregelungen kann ich hier aber nicht eingehen. Wer etwas Derartiges vorhat, sollte sich genau informieren!
Nachtrag 12.03.2015:
Die Regelung bzgl. der Windows-Server-Lizenzen und der erlaubten Anzahl von virtuellen Maschinen bezieht sich wohl nur auf virtuelle Windows-Server. Lest dies bezüglich mal den Kommentar von Oskar. (Danke, Oskar!)

Client Access License (CAL)

Die Client Zugriffs-Lizenzen werden ebenfalls dort benötigt, wo Server-Software von Microsoft zum Einsatz kommt. Denn was nützt ein Server, auf den niemand zugreift? Microsoft unterscheidet hier zwei Arten von "CALs". Es gibt Device-CALs und User-CALs. Man muss sich am Anfang entscheiden, ob man lieber eine Lizenz je zugreifendem Nutzer oder eine Lizenz je zugreifendem Gerät erwerben möchte. Hat man beispielsweise 20 Mitarbeiter, die mit 40 verschiedenen Geräten (Computer, Smartphones, Netzwerkdrucker, etc.) auf den Server zugreifen, kommt man kostengünstiger weg, wenn man zu User-CALs greift. Hat man hingegen 20 Mitarbeiter, die mit fünf Geräten auskommen, sollte man zu den Device-CALs greifen.

Man muss sich für ein Lizenzmodell entscheiden und zu jedem Zeitpunkt ausreichend erworbene Client-Lizenzen vorweisen können. Die CALs müssen auch erworben werden, wenn der Server nur für sehr simple Funktionen wie Dateifreigaben oder ähnliches genutzt wird. Weiterhin sollte man wissen, dass die Anzahl der Nutzer-CALs abhängig ist, von der Anzahl der Menschen die auf den Server zugreifen und nicht nur von der Anzahl der auf dem Server vorhandenen Benutzeraccounts. Man kommt also nicht billiger davon, wenn alle Mitarbeiter den gleichen Account benutzen.

Wenn man sich eine neue Server-Version installiert, muss man auch neue CALs kaufen. Wer also z.B. einen Windows Server 2008 R2 betreibt und auf Windows Server 2012 umsteigen möchte, muss auch neue CALs erwerben (es sei denn man hat die Microsoft Software Assurance abgeschlossen, auf die ich später zu sprechen komme).

Wie werden die CALs installiert?

Eine CAL wird überhaupt nicht installiert, aktiviert oder in irgendeiner Form freigegeben. Es ist keine Seriennummer oder etwas Vergleichbares. Es handelt sich schlicht um ein Papier-Dokument, dass man kaufen und sicher verwahren sollte.

Mancher mag sich jetzt fragen, ob dieses Lizenzmodell dann funktioniert, denn wenn die CALs nicht geprüft werden, verleitet es ja dazu, weniger davon zu kaufen, als vielleicht nötig wären?!

Niemand hat gesagt, dass die CALs nicht geprüft werden. ;) Microsoft prüft die Einhaltung der Lizenzbedingungen in sogenannten "Audits"

Microsoft Audits

Microsoft, Partnerfirmen oder von der Firma beauftragte Wirtschaftsprüfer führen sogenannte Audits in Firmen durch. Das bedeutet, dass Leute in die Firma kommen und sich ein detailliertes Bild vom Firmennetzwerk und der eingesetzten Software machen. Allein Microsoft selbst schreibt jeden Monat über 300 Firmen an, Tendenz steigend. In der Regel enden diese Audits für die Firmen sehr teuer. Und das nicht einmal, weil sie bewusst gegen Lizenzbedingungen verstoßen hätten, sondern zumeist aus Unwissenheit heraus.

Der Admin hat vergessen Lizenzen nachzukaufen. Es sind neue Mitarbeiter hinzugekommen, die Dienste benutzen, ohne dass die IT-Abteilung überhaupt davon weiß. Der Admin wusste nicht, dass er auch für den auf dem Windows Server laufenden Exchange Server eine extra CAL anschaffen muss. Oder man hat irgendetwas anderes im Kleingedruckten von Microsofts Lizenzvertrag übersehen. Kurzum: Es findet kein Lizenz-Management in der Firma statt.

Im Bereich Mittelstand enden Lizenz-Audits nicht selten mit Kosten zwischen 150.000 und 300.000 Euro. Diese Zahlen sollte man sich vor Augen halten, wenn man gerade vor der Entscheidung steht, wie viele CALs man erwerben möchte. Kommt der Audit im falschen Moment, und man hat nur so viele CALs gekauft, wie dauerhafte Mitarbeiter vorhanden sind, kann einem der sonst so kostengünstige Praktikant schnell einen Strich durch die Rechnung machen.

Wenn man darüber informiert wird, dass ein Lizenz-Audit durchgeführt werden soll, sollte man versuchen den Software-Großhändler seines Vertrauens zu erreichen. Oft hat dieser Lizenz-Spezialisten, die von Microsoft zertifiziert wurden und die somit Lizenz-Audits durchführen dürfen (es gibt in Deutschland nur um die 100 Personen, die dies können). Beauftragt man einen solchen Mitarbeiter mit der Durchführung des Audits, kostet dies im Schnitt 5.000 bis 15.000 Euro. Das ist zwar auch eine stolze Summe, wenn aber Microsoft selbst bei einem aufschlägt, um das Audit durchzuführen, kann es wesentlich teurer werden. Selbst in Firmen, die versuchen alle Lizenzbedingungen zu erfüllen, finden die Prüfer meist noch irgendetwas, was sie zu Geld machen können. Es gibt einfach zu viele Details und Unterpunkte in den Lizenzverträgen, die man als Admin in der Regel nie liest, sondern einfach akzeptiert, weil die Höhe der Scrollbar vermuten lässt, dass man mit dem Lesen drei Arbeitstage lang beschäftigt wäre.

Wird der Audit nicht von Microsoft selbst durchgeführt, hat man den Vorteil, dass man mehr Verhandlungsspielraum mit dem Prüfer hat. Er steht ähnlich wie ein Steuerberater vor dem Finanzamt und zwischen dem zu prüfenden Unternehmen und Microsoft. Er erfasst den Lizenzbestand, nimmt einige Korrekturen vor und stellt einem ein Zertifikat aus, das man Microsoft vorlegen kann. Der Software Konzern akzeptiert es, bläst die eigene Prüfung ab und man hat mindestens ein Jahr Ruhe.

Microsoft Software Assurance

Die meisten Lizenzen muss man nur einmal erwerben und hat sie dann. Es gibt aber auch noch Microsofts "Software Assurance" eine Wartungs-Lizenz, die man wahlweise abschließen kann und dann für einen bestimmten Zeitraum bezahlen muss. Diese erlaubt es einem, im gültigen Zeitraum, kostenlos Upgrades auf neue Software Versionen zu erhalten.

Das Paket beinhaltet aber noch mehr als eine Upgrade-Versicherung. Will ein Unternehmen zum Beispiel die "Enterprise Edition" von Windows 7 einsetzen, geht dies nur, wenn es eine Windows 7 Professional Software Assurance abgeschlossen hat.

Wer sich für eine Software Assurance interessiert, sollte auch beachten, dass es große Unterschiede zwischen akademischen und gewerblichen Lizenzverträgen gibt.


Schlusswort

Es gibt noch viele weitere Punkte, die man hier diskutieren könnte und zu denen es viele recht abstruse Regelungen gibt (ich sag nur Downgrade-Rechte). Das würde aber sicher den Rahmen sprengen und ich verbreite hier (selbstkritisch formuliert) ohnehin nur gefährliches Halbwissen. Daher sei gesagt, dass ich keine Haftung für die Korrektheit der aufgeführten Informationen übernehme. Das Ziel dieses Artikels sollte es schlicht sein, für Neueinsteiger in diese Thematik einige Informationen bereitzustellen und sie auf die vielleicht manchmal unterschätzte Problematik der Software-Lizenzierung aufmerksam zu machen.

Wer detailliertere Informationen sucht, sollte sich an jemanden wenden, der sich wirklich damit auskennt. Dies ist natürlich mit zusätzlichen Kosten verbunden. Wem das alles zu viel und zu teuer wird, der kann sich immer noch nach Open-Source Lösungen für sein Problem umschauen und muss sich dann keine Gedanken mehr über Lizenzbedingungen und deren Einhaltung machen. Teure Software muss nicht gut sein und kostenlose Software muss nicht schlechter sein als kommerziell vertriebene Produkte.

Geschnatter

9 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 2/2 > >>
Anonym, am 09.08.2016 um 00:14 Uhr
Lieber LuiB, leider habe ich Schwierigkeiten Deinem "Geschnattere" zu folgen.

Allerdings hat Oskar die Lizenzpolitik einwandfrei erklärt.
Du darfst ein Windows Server 2012 (R2) Standard sowohl als Hyper-V Host mit zwei weiteren VMs mit jeweils einem Windows Server 2012 (R2) Standard (+ andere lizensierte Betriebssysteme( verwenden.
Als Hyper-V Host darf keine andere Funktion ausgeübt werden, als die Verwaltung beider VMs.

Alternativ ist auch ein Kombi-Betrieb möglich - Server mit Hyper-V Funktion und einer VM.

Oder man installiert die Lizenz auf zwei Baremetals. Das aber nur bei Einzelprozessorensystemen (nie die Anzahl CPUs ausser Acht lassen!).
timo, am 13.10.2016 um 10:00 Uhr
das interessiert sowiso niemanden .. ich lizenziere nichts, auch kein OS .. wiso auch, das Risiko kontrolliert zu werden ist klein, ausserdem finden die sowiso nicht alle esx Server ... sowiso viel zu kompliziert und teuer die Lizenzen von MS