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Neuer PC: Windows 10 und vorinstallierte Software

erschienen in der Kategorie Software, am 21.12.2015
Schnatterente
Ein Freund von mir will seinem dreizehnjährigen Sohn zu Weihnachten ein Notebook schenken. Also hat er ein Gerät rausgesucht (einen Acer), es bestellt und mich darum gebeten, es in einen sauber eingerichteten, gebrauchsfertigen und nach Möglichkeit auch kindersicheren Zustand zu bringen ...

Ich habe natürlich zugesagt, das zu machen, auch weil ich davon ausging, dass das nicht allzu lange dauern würde. Windows und die benötigten Treiber sind ja schon vorinstalliert, also muss ja nur eine Antivirensoftware, ein annehmbarer Browser und eine Jugendschutzsoftware installiert werden. Sollte fix gehen, dachte ich mir. Außerdem ist es auch eine gute Gelegenheit sich mal dieses Windows 10 anzuschauen, als Linuxnutzer ging das bisher vollkommen an mir vorbei, als Informatiker will ich aber auch, was das Thema angeht, auf dem Laufenden bleiben.

Jetzt steht die Kiste neben mir auf dem Schreibtisch. Seit geschlagenen vier Stunden. Und damit auch schon deutlich länger als mir lieb ist.

Windows 10 - die Datenkrake

Der Laptop kam in der versiegelten Originalverpackung bei mir an. Ich habe ihn vorsichtig ausgepackt, angeschlossen und angeschaltet. Da stand dann als Erstes, dass Windows 10 vorbereitet wird und dass das einige Minuten dauern kann. Soweit kein Problem, auch wenn mir nicht einleuchtet, warum man das Gerät nicht mit einem fertig installierten Betriebssystem ausliefert.

Nach circa zehn Minuten und zwei selbstständigen Neustarts tauchte dann ein Menü zur Ersteinrichtung auf, das ganz offensichtlich eher für die Verwendung auf einem Tablet gestaltet wurde, als für Benutzer von Maus und Tastatur. Hat Microsoft denn aus dem Windows-8-Debakel gar nichts gelernt? Warum wird dem PC-Anwender immer noch diese furchtbare Klickibunti-Oberfläche mit den riesigen Buttons vorgesetzt? Egal, das Leben ist zur kurz um sich über schlecht durchdachte GUIs zu ärgern.
Was einen hingegen wirklich aufregen kann, sind die Fragen, die einem während der Ersteinrichtung gestellt werden. Die zielen nämlich irgendwie alle darauf ab, dass Windows das eigene Nutzungsverhalten überwachen und Haufenweise Daten an den Microsoft-Server schicken möchte. Natürlich alles nur aus Gründen der eigenen Sicherheit und so …
Für mich ist das ein absolutes No-Go, weil die Ausschnüffelfunktionen ab Werk alle aktiviert sind. Das heißt, man schaltet sie nicht auf eigenen Wunsch an, sondern muss sie abschalten, falls man sie nicht mag. Und wer bei der Ersteinrichtung einfach die Standardeinstellungen lädt, anstatt alle Fragen händisch zu beantworten, der wird gar nicht darüber informiert, dass er ausspioniert wird.

Nach der Ersteinrichtung wurde ich erst einmal wieder ausgesperrt. Die Performanz der Hardware musste noch überprüft werden, wofür auch immer. Der Vorgang dauerte einige Minuten. Glücklicherweise wurde mir danach endlich der Zugriff auf den Windows Desktop gewährt. Der erste positive Eindruck, hervorgerufen durch den wieder vorhandenen Start-Knopf in der Ecke, zerschlug sich bei mir recht schnell. Wenn man die von vielen Nutzern abgelehnte Metro-Oberfläche einfach nur verkleinert und in das Startmenü packt, dann ist das Startmenü am Ende des Tages immer noch fast genauso unbrauchbar, wie die Menüführung in Windows 8 war. Eine intuitive, übersichtliche Möglichkeit auf installierte Programme zuzugreifen, fehlt mir hier nach wie vor. Da müssen wohl auch weiterhin Zusatzprogramme wie "Classic Shell" herhalten, damit sich Windows 10 halbwegs gut bedienen lässt.
Leider ist Microsoft auch dabei geblieben, zwei Konfigurationsoberflächen anzubieten. So gibt es neben der klassischen Systemsteuerung ein weiteres Einstellungsmenü, das ebenfalls eher für die Tabletbedienung ausgelegt ist und zum Teil gleiche, aber eben auch viele unterschiedliche Konfigurationsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. So weiß man als Nutzer nie, wo eine bestimmte Einstellmöglichkeit zu finden ist und kann dementsprechend lange suchen. Übersichtlich ist anders.

Mehr Worte will ich zu Windows 10 gar nicht verlieren. Wenn man sich einarbeitet, ist es vielleicht brauchbar, die meisten Anwender "klassischer" Windows-Systeme wird es wohl aber in ähnlicher Weise überfordern, wie die Vorgängerversion Windows 8.
Ich für meinen Teil bin froh, dass ich meinen Mate+Compiz-Desktop habe und dass, der Open Source Community sei es gedankt, ich nicht davon ausgehen muss, dass die Entwickler sämtliche bewährte Konzepte von einem Tag zum nächsten über den Haufen werfen. (Und wenn doch, gibt es den nächsten Fork.)
Windows 10 und ich, wir werden vermutlich keine guten Freunde, aber damit hatte ich auch nie gerechnet.

Vorinstallierte Software auf neuen Notebooks

Nun zu dem eigentlichen Grund, warum ich diesen Artikel schreibe. Ich muss mir mal Luft machen.
*tief durchatme*
Es geht um diesen verfluchten Haufen an sinnloser vorinstallierter Software, den man heutzutage mit jedem Laptop oder Komplett-PC vorgesetzt bekommt, obwohl man den Mist gar nicht haben will. Es macht mich wahnsinnig. Ehrlich. Warum muss man als Käufer mehrere Hundert Euro für ein Gerät bezahlen, dass offenbar schon komplett durch Werbung finanziert wurde?

Ich habe über zwei Stunden gebraucht, um diesen Schrott zu deinstallieren, weil immer nur eine Deinstallation gleichzeitig laufen kann. Dabei waren unter anderem eine Testversion der Antivirensoftware von McAffee und Microsofts Office 2013. Zusätzlich gab es noch um die 30 Spiele und irgendwelche Acer- und Werbepartner-Cloudanwendungen. Im Windows poppten wiederholt Fenster auf, die einen dazu einluden, sich hier und da zu registrieren oder irgendetwas zum absoluten Superdupersonderrabattpreis zu kaufen. Besonders krude fand ich aber, dass einige dieser Programme nicht mal in richtiges Deutsch übersetzt waren - zumindest die Deinstallationsroutinen nicht, die eigentlichen Anwendungen habe ich nicht ausprobiert. So hatte ich Dialoge vor mir, in denen deutsche und englische Sprache gemischt vorkamen. Das Highlight war aber ein Programm, das mich wortwörtlich fragte: "Mächten Sie der Deinstallation wirklich Anwendung?".

Ich finde, das ist alles eine riesige Sauerei. Wenn ich mir einen nagelneuen Computer kaufe, will ich nicht, dass er zugemüllt bei mir ankommt und auch nicht, dass ich mich fühle, als würde ich gerade werbefinanziertes Privatfernsehen anschauen.
Viele der vorinstallierten Programme tragen kryptische Namen und selbst als erfahrener Anwender verliert man in der Softwareliste schnell den Überblick, was weg kann und was ein wichtiger Gerätetreiber ist. Der durchschnittliche Nutzer sieht in diesem ganzen Chaos nicht durch und ist der Werbesoftware hilflos ausgeliefert. Und gerade bei der Wahl des Office-Pakets oder der Antivirensoftware sollte meiner Ansicht nach eine gesetzliche Regelung her, die es den Herstellern verbietet, derartige Kooperationen zu vereinbaren. So wie man Microsoft in der EU verboten hat den Internet Explorer als Standardbrowser vorzuinstallieren, ohne den Nutzer nach seiner Meinung zu fragen, sollte es auch verboten werden, ihm Microsoft Office oder McAffee vorzusetzen. Die Entwickler kostenfreier Open-Source-Software, wie zum Beispiel der Office Suite LibreOffice, haben nicht die finanziellen Mittel um sich in gleicher Weise ihren Platz auf dem PC zu sichern und somit ist das doch irgendwie ein ungerechter Wettbewerb.

Zu all dem Ärger kam am Ende auch noch dazu, dass sich zwei Programme, darunter auch die Antivirensoftware, nicht wirklich sauber deinstallieren ließen. Ich durfte dann alle Reste händisch aus dem Dateisystem und der Windows Registry entfernen, was für ein Spaß.

Ich bin froh, wenn er wieder weg ist

Tja und nun sitze ich hier, neben diesem nagelneuen Gerät und warte darauf, dass es endlich mal mit den Windows-Updates fertig wird. Die benötigten Programme habe ich inzwischen alle installiert. Abgesehen von der Jugendschutzsoftware "JuSProg". Die lief unter Windows 7 und Windows 8 super, unter Windows 10 lässt sie sich auch problemlos installieren, sorgt dann aber leider dafür, dass sich überhaupt keine Webseiten mehr aufrufen lassen. (Das ist konsequenter Jugendschutz!) Die Anwendung scheint also zu Windows 10 nicht kompatibel zu sein, was sicher alle Leute ärgert, die sie installiert und sich für ein Windows Upgrade entschieden haben.
Als Lösung für das Problem werde ich empfehlen, den Jugendschutzfilter in der Fritz!Box zu aktivieren, der setzt auf der gleichen Filterliste auf.

Und beim nächsten Laptop, den sich irgendjemand kaufen will, werde ich vorschlagen einfach einen ohne Betriebssystem zu nehmen. Da kommt dann ein Linux drauf und der Käufer kann sich freuen, dass er Geld gespart hat. Falls es unbedingt Windows sein soll, dann geht eine Neuinstallation letztendlich schneller über die Bühne als diese Aufräumaktion.

Ich bin froh, wenn dieser Laptop unterm Baum liegt, raus aus meinem Sichtfeld.

Geschnatter

8 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/2 > >>
Heinz, am 21.12.2015 um 20:49 Uhr
Viele Spionagefunktionen kannst du gar nicht so abschalten, sondern nur mit Drittsoftware, wie O&O ShutUp10, oder hohem Aufwand.
Drittsoftware ist übersichtlicher und komfortabler.
Muhinator, am 21.12.2015 um 20:53 Uhr
Finde mal einen Laptop ohne Betriebssystem, ist äußerst selten in der Kombination mit rel. guter Hardware zu finden. Aber evtl. sind meine Ansprüche auch einfach zu hoch. Gebraucht sind sie noch recht häufig, das wird sich aber dank der im UEFI eingebrannten Seriennummer sicher auch bald ändern.

Allerdings kann man der eingebrannten Seriennummer auch etwas positives abgewinnen: Windows lässt sich relativ unproblamtisch in einer unbelasteten Version neu installieren und genau das kann ich an dieser Stelle nur anraten, anstatt einer Deinstallation der ganzen zusätzlichen Tools.
Ravenbird, am 21.12.2015 um 21:40 Uhr
Also die Kacheln sind gar nicht so schlecht. Das Problem ist viel mehr das die meisten Leute (sowohl die Windows User die von Windows 7 und früher kommen als auch die Linux User) gewohnt sind das System so nutzen wie es ihnen hingestellt wurde. Bei Windows 10 geht das jedoch genauso wenig gut wie bei einen Android Tablet bei dem man die Startbildschirme so lässt wie sie der Hersteller bereitstellt. Sprich man muss es schon anpassen und das geht recht schnell. Klar muss man ein wenig umlernen, aber hey ist das so schwer. Ich habe bei meinen Bruder einen Windows 10 Rechner einrichten wollen. Er hat das selbst gewollt also habe ich einiges hin gebogen und auch einige Hardware die er nicht mehr zum laufen bekam zur Mitarbeit überredet. Nachdem die Programme die er wollte installiert waren, habe ich nur wenige Minuten gebraucht um alle Apps aus den Kacheln herauszuwerfen und dort nur die Programme rein zu setzen die er wollte. Auch habe ich dafür gesorgt das z. B. bei Bildern nicht standardmäßig die App zum anschauen geöffnet wird, sondern die weiterhin mitglieferte Windows Fotoanzeige. In Sachen Datenschutz habe ich mir Windows 10 mit W10Privacy (http://www.winprivacy.de) angeschaut.

Und nein ich bin kein Windows User. Ich nutze Privat nur Linux. Aber ich finde das Konzept mit den Kacheln gar nicht so schlecht. Die Übersicht über alle installierten Programme fand ich freilich bei Windows 8/8.1 wesentlich besser.
chris_blues, am 21.12.2015 um 22:24 Uhr
Ich würde mir auch keinen Computer mehr "am Stück" kaufen. Laptop kommt mir auch nicht in die Tüte. Die haben meist so murkelig kleine Bildschirme, daß man auf dem Handy bald mehr sehen kann, und wenn das Ding so groß ist wie mein Desktopmonitor, dann frag ich mich, wie man das Ding durch die Gegend schleppen soll. Und wenn man dann noch ne vernünftige Tastatur und Maus dran hat kann mich sich auch gleich ne richtige Kiste hinstellen. Die kann man dann nämlich auch schön selbst zusammenstellen und -bauen, und vor allem, wenn man da ne Festplatte/SSD dazu kauft, dann ist die leer.

So'n Murks tu ich mir auch nie wieder an!
medprofiler, am 21.12.2015 um 22:56 Uhr
@Muhinator:
Ich habe ein Notebook mit neuem i7, 32GB RAM, 2TB HDD, GeForce GTX 980 mit 4GB VRAM ohne Betriebssystem gekauft.

Leider hat die werbeverseuchte Hardware im "Markt des Wuchers" einen Beigeschmack.
Durch die Werbeverträge kann auch die Hardware "günstiger" angeboten werden.
So kostet ein Notebook mit obigen Specs etwa 2k.
Man muss allerdings auch sagen, dass es bei dem Hersteller auch günstigere Modelle gibt und man dafür wirklich saubere Hardware bekommt.
Selbst wenn man die Option eines vorinstallierten Windows wählen sollte, so kommt das fertig konfiguriert und OHNE Bloatware.
Auch das UEFI-kompatible BIOS kommt sehr aufgeräumt und nur mit den nötigsten Funktionen daher. Sehr schön.

http://tuxedocomputers.com war der Anbieter, falls man das hier so sagen darf.
Karsten, am 21.12.2015 um 23:06 Uhr
Wer Qualität und Hochwertigkeit sucht, der kauft keinen Acer. Acer baut solide Consumergeräte. Und das mit einem ziemlich hohen Absatz. Und ein großer Absatz lässt sich halt ideal zu Geld machen, wenn man für jede Installation dieser oder jener Software ein paar Euro bekommt.
Steff, am 22.12.2015 um 08:17 Uhr
"Kannste mal eben schnell" kenne ich: Dauert 2-3 Abende, etliche Neustarts, Update-, Deinstallationsorgien und Registry-Anpassungen. Teilweise lässt sich die 3rd Party-Software nicht vollständig entfernen, was mich auch jedes Mal auf die Palme bringt. Man würde am liebsten den ganzen Kram mit einer Linux-Installation abkürzen, stattdessen recherchiert mit man einem Zweitrechner stundenlang, welche Dienste und Autostart-Programme man bedenkenlos abschalten kann. Was mich bei den Windows-Büchsen mit neueren Betriebssystemen so nervt, ist die zunehmende Entmündigung. Der User als Konsument soll auch bitte maximal "OK" klicken. Der Computer als Universalwerkzeug, ist etwas was gerade in der Windowswelt immer mehr wegfällt. Ein Trend der durch den Cloud-Trend (z. B.Office365, Adobe Creative Cloud ...) verstärkt wird und die Betriebssysteme zu thin-Clients degradiert.

So damit es nicht zu traurig wird noch 2 Tipps bezüglich Deinstallation von 3rd-Party Software:
"Autoruns" (https://technet.microsoft.com/de-de/sysinternals/bb963902) hilft ungemein unerwünschte Software auf die Schliche zu kommen. Mark Russinovich Systeminternaltools sind zu empfehlen.

Adobe Acrobat Reader entferne ich immer gegen Sumatra-pdf http://www.sumatrapdfreader.org/free-pdf-reader-de.html.