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Videoschnitt-Programme für Linux

erschienen in der Kategorie Software, am 19.03.2014
Schnatterente
Ich habe ja für den Artikel zum Wanzenfinder ein kleines Video gemacht und bei YouTube hochgeladen. Das letzte Mal, dass ich mich mit dem Thema Videobearbeitung auseinandergesetzt habe, ist schon einige Jahre her. Damals musste ich mit irgendeiner kommerziellen Windows-Software arbeiten, die von der Uni gestellt wurde.

Diesmal waren die Ansprüche ans Video nicht besonders hoch und ich habe nach einer kostenlosen Open-Source-Videoschnitt-Software für Linux gesucht, mit der sich schnell und einfach etwas zusammenschneiden lässt. Überblenden zwischen den Filmschnipseln und das Einfügen von Titeln bzw. Grafiken ins Video, waren die einzigen Anforderungen, die ich an die Software gestellt habe. Ich denke das sind auch die Stilmittel, mit denen die meisten Heimanwender schon halbwegs glücklich sind.

Auf der Suche nach passenden Programmen bin ich erst bei Kino und dann bei OpenShot hängen geblieben. Beide Programme bieten den gewünschten Funktionsumfang und bringen darüber hinaus noch ein paar nette Videofilter mit (so Sachen wie Sepia, Schwarz/Weiß, Blur-Effekte, Bild spiegeln, Wasserzeichen, etc.).

Kino Videoschnittsoftware

"Kino" ist eine Videoschnittsoftware, die primär auf das Verarbeiten von Videos aus ist, welche direkt aus der Digitalkamera kommen. Importiert man bereits vorhandenes Videomaterial, wird es erst einmal für die weitere Verarbeitung ins *.dv-Dateiformat umgewandelt. Somit braucht man für größere Projekte schon recht viel Speicherplatz, bevor die eigentliche Bearbeitung überhaupt losgehen kann. Die Bedienung von Kino könnte aus meiner Sicht intuitiver sein, wenn man aber einmal drin ist, kommt man mit der Software gut klar.
Kino Video Editor
Das Exportieren (Rendern) der fertigen Filme funktioniert mit Kino recht sauber und die Resultate können sich je nach eingestelltem Codec sehen lassen.

Allerdings hatte ich beim Ausprobieren mehrfach das Problem, dass ich gar nicht bis zu diesem Punkt kam, weil Kino beim Bearbeiten einfach mal so abstürzte.
Es kann gut sein, dass dies an der von mir verwendeten Version oder an irgendwelchen Abhängigkeiten lag, und auf anderen Computern nicht passiert. Letzten Endes führte es aber dazu, dass ich mich dann noch nach einer Alternative umgesehen habe.

OpenShot Video Editor

Ich stieß auf das Programm OpenShot, was mich direkt durch die intuitive Benutzeroberfläche überzeugte. Die Software sieht aus wie ein typischer Video-Editor, mit einer Ablage für die zur Verwendung stehenden Filmschnipsel und Dateien sowie einer Übersicht der Videospuren, in der man Medien einfach mittels Drag & Drop aneinanderreihen kann.
OpenShot Video Editor
Die Software arbeitet bei mir sehr sauber und flüssig. Effekte lassen sich einfach anwenden. Einige Einstellungen kann man vornehmen, indem man einen Rechtsklick auf die Videoschnipsel in der Spuren-Ansicht macht. Hier könnte man in Sachen Darstellung noch etwas nachbessern. Stellt man beispielsweise für einen der Clips ein, dass er am Ende langsam auf Schwarz blenden soll, ist dies hinterher nicht in der Übersicht ersichtlich. Nimmt man also aus Versehen eine solche Änderung vor, merkt man es im schlimmsten Fall erst nach dem Rendern des Videos, was je nach Projektgröße und CPU-Leistung ja viel Zeit kosten kann.

Zum Einfügen von Schriften ins Video stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung. Es gibt "Titel" und "Titelanimationen". Über das Titel-Menü erstellt das Programm *.svg-Vektor-Grafiken, welche man hinterher einfach in eine der Spuren ziehen kann. Diese erfüllen ihren Zweck, sehen aber eher schlicht aus. Zum Verwenden der weitaus schickeren Titelanimationen muss man vorher noch die 3D-Software Blender installieren. Darauf habe ich verzichtet, weil das Kompilieren von Blender auf meinem Gentoo-System beim letzten Mal eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat. Stattdessen habe ich die Schriften einfach mit dem Zeichenprogramm Gimp erstellt und als transparente *.png-Grafik gespeichert. Wer etwas Skalierbares möchte, kann auch mit Inkscape Vektorgrafiken erstellen.

Ein Haken des Programms ist aus meiner Sicht die Exportfunktion. Zwar findet die Anwendung alle auf dem Rechner installierten Codecs und stellt diese auch flexibel zur Verfügung (für wenig versierte Nutzer gibt es zahlreiche, vorkonfigurierte Profile), leider funktioniert die Video-Erstellung auf meinem System aber nicht mit all diesen Profilen bzw. Codecs. Ich habe fünf Anläufe mit verschiedenen Einstellungen gebraucht, bis OpenShot ein vernünftiges Video gerendert hat. Bei den ersten Versuchen enstanden immer Videodateien, die sich entweder nicht abspielen ließen oder nur die Tonspur enthielten. Einen Fehler gab die Software nicht aus (auch nicht in der Konsole). Nachdem ich dann aber eine passende Einstellung gefunden hatte, gab es keine Probleme mehr.

Unterm Strich sind sowohl Kino als auch OpenShot gute Video-Editoren. Bei beiden Programmen ist aus meiner Sicht noch etwas Feinschliff nötig, um sie anwenderfreundlicher zu machen.

Geschnatter

4 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Arne, am 20.03.2014 um 01:30 Uhr
Ich habe auch ein wenig mit Video-Editoren herum probiert. Leider sind mir OpenShot und Avidemux immer abgestürzt. Ich bin jetzt bei Flowblade gelandet.
Userone, am 10.05.2015 um 18:16 Uhr
Um es mal rundum zu sagen, solange man nicht HD schneidet gibt es eine Reihe diverse Tools. Bei HD höhrt es aber auf.
Möchte Vor und Nachspann und etwas Werbung rausschneiden, kommt man um Windows nicht herum. Derzeit kann meines Wissens nur TSDoctor unter Windows ohne Neukodieren HD vernünftig schneiden. Überhaupt: Warum müssen alle Schnittprogramme unter Linux (außer dvbcut) transkodieren? Ich will nur im Quellformat exportieren und dann mit einem beliebeigen Encoder mein Wunschformat wählen(z.Bsp: Handbrake). Es gibt für ambitionierte Linux-Programmierer also noch viel zu tun, um Windows das Wasser abzugraben.
benediktg, am 18.10.2015 um 17:12 Uhr
Hast du dir eigentlich auch schon mal Kdenlive oder Pitivi angeschaut?
Antwort: Nope. Empfehlenswert?
Torsten, am 19.11.2016 um 22:21 Uhr
Tja, mit Videoschnitt-Software ist es unter Linux ähnlich wie mit Grafik-, Webdesign- und SEO-Software: Die Auswahl ist deutlich geringer als unter Windows, insbesondere im Bereich der Programme für den professionellen Bereich. Trotzdem will ich nie wieder zu Windows zurück. Mal schauen, ob ich brauchbare Videoschnitt-Programme finde, die auch stabil laufen.

[Der Admin hat den Rest des Beitrags entfernt]
Antwort: Hey Torsten, bzgl. deiner Kritik zur Werbung im Blog, du kannst sie hier abschalten.