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Banana Pi: Raspberry Pi mit mehr Rechenleistung

erschienen in der Kategorie Technik, am 22.08.2014
Schnatterente
Vor ein paar Wochen haben die Entwickler des Raspberry Pi ja die Version B+ vorgestellt, welche zwar ein paar mehr Anschlüsse, aber nicht mehr Rechenleistung als die Vorgängerversion bietet. Viele Leute hat das geärgert, sie hofften seit Monaten darauf, dass der neue Pi etwas mehr Leistung mitbringt.

Ich bin vor einer Weile zufällig auf einen Raspberry Pi Klon gestoßen, welcher diese Lücke zu stopfen versucht. Das Teil heißt "Banana Pi" und ist eine chinesische Entwicklung. Der Einplatinencomputer kommt mit einem Dualcore-ARM-Prozessor (A20 ARM CortexTM-A7 @ 1GHz) und 1 GB RAM-Speicher (DDR3) daher. Auch das Netzwerkinterface arbeitet schneller als beim Raspberry Pi, nämlich mit bis zu 1 GBit/s.
Banana Pi: Leistungsstärker als der Raspberry Pi

Wie man am Bild schon deutlich sieht, wurde der Bananenkuchen in der gleichen Form gebacken, wie der Himbeerkuchen. Die Entwickler haben sich beim Platinendesign am alten Raspberry Pi in der Version B orientiert. Unterschiede gibt es aber dennoch, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass der Banana Pi über mehr Anschlüsse verfügt als der Raspberry Pi.

So kann man an den Banana Pi eine SATA-Festplatte anschließen. Zu diesem Zweck verfügt der kleine Rechner neben dem SATA-Anschluss auch noch über einen Stromversorgungsport, welcher genug Energie liefert, um eine 2,5"-Festplatte zum Laufen zu bringen.

Ansonsten finden sich auf der kleinen Platine noch ein Mikrofon, ein Infrarot-Empfänger, drei Hardware-Taster (An/Aus, Reset und Uboot) und ein zweiter Micro-USB-Port (OTG). Mit einem passenden Adapter-Kabel hat man also drei USB-Ports zur Verfügung.

Die sonstigen, Raspberry-Pi-typischen Anschlüsse sind natürlich auch vorhanden: HDMI, Composite, Audio-Ausgang (3,5er Klinke), SD-Karten-Slot und Display-Anschluss (LVDS und Touchscreen).

Laut Herstellerangaben soll das Gerät weitestgehend kompatibel zur verfügbaren Raspberry-Pi-Software sein. Auch die GPIO-Pins sollen sich in gleicher Art und Weise und mit der gleichen Belegung ansteuern lassen. Allerdings habe ich schon in einigen Foren gelesen, dass das doch nicht so ganz gegeben sein soll. Einige Leute haben wohl Probleme mit den GPIO-Pins. Da ich mir selbst keinen Banana Pi gekauft habe, kann ich leider nicht nachvollziehen, ob die sich nur zu dumm anstellen oder ob die China-Hardware verbuggt ist.

Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass der Abstand zwischen GPIO-Pins und Composite-Anschluss geringer ist als beim Raspberry Pi. Folglich lassen sich manche Aufsteckplatinen, die für den Raspberry Pi entwickelt wurden, nicht mit dem Banana Pi verwenden, da man sie einfach nicht auf die GPIO-Pins stecken kann, ohne mit anderen Komponenten zu kollidieren.

Auch der DSI-Port verwirrt etwas, der ist nämlich breiter als beim Raspberry Pi. Ob sich daran dennoch die üblichen Displays betreiben lassen, weiß ich leider nicht.

Unterm Strich ist der Banana Pi sicher keine schlechte Sache. Er bringt mehr Leistung mit und bietet mehr Anschlussmöglichkeiten als der Raspberry Pi. Natürlich benötigt der kleine Rechner dafür auch mehr Strom, der Hersteller empfiehlt ein 5V/2A-Netzteil zu verwenden (der Raspberry Pi B kommt mit 750 mA aus, die Version B+ mit 600 mA).

Noch toller wäre das Gerät natürlich, wenn es zu allen für den Raspberry Pi verfügbaren Hardwarekomponenten kompatibel wäre. Die Verbesserungen aus der Raspberry Pi Version B+ (Micro-SD-Karte statt SD-Karte und vier "richtige" USB-Ports) fehlen dem Banana Pi aus meiner Sicht auch noch.

Für den Raspberry Pi (und gegen den Banana Pi) spricht aus meiner Sicht, dass er in England und nicht in China gefertigt wird. Ich finde außerdem, dass es gegenüber dem Raspberry-Pi-Projekt einen bitteren Beigeschmack hat, wenn man zur nächstbesten China-Hardware wechselt.

Kurzum: Der Banana Pi bringt Vor- und Nachteile mit und ist aus meiner Sicht noch nicht das Ende der möglichen Weiterentwicklung. Das Teil kostet circa 50 Euro.


Nachtrag: Ich habe gerade gesehen, dass der Banana Pi auch im Computerclub 2 vorgestellt wurde. Auch hier werden Probleme mit den GPIO-Pins kurz erwähnt.

Geschnatter

5 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Anonym, am 22.08.2014 um 15:19 Uhr
Als Alternative kann ich den Cubietruck empfehlen.

Kasten, am 22.08.2014 um 15:26 Uhr
Hmm, der Raspberry Pi war nie dafür ausgelegt, besonders schnell zu sein. Als einfacher Server reicht er vollkommen aus. Ich hatte bisher noch nicht das Bedürfnis nach mehr Power.
Wiefreak, am 22.08.2014 um 17:13 Uhr
Was ist das denn für ein schwarzer Knubbel neben dem HDMI-Port?
Manuel, am 22.08.2014 um 17:30 Uhr
@Wiefreak: Das ist der SATA-Anschluss.
Mathias , am 13.09.2014 um 19:11 Uhr
Nja wenn der Preis unter 40€ fällt hole ich mir eine Banane. Als Media Client fürs Wohnzimmer.