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Defektes Mainboard: kaputte Elkos und BIOS-Chips

erschienen in der Kategorie Technik, am 03.11.2014
Schnatterente
Wenn man nicht zu den Leuten gehört, die sich alle ein bis zwei Jahre einen neuen Rechner kaufen, obwohl die alte Hardware eigentlich noch gut läuft, kennt man das Problem: Irgendwann geht jeder Rechner mal kaputt, egal wie viele Jahre er schon tapfer lief.

Neben Arbeitsspeicher, Netzteilen und Grafikkarten, sind es vor allem Mainboards, die beizeiten anfangen zu streiken. Das Fehlerbild kann dabei sehr vielfältig sein. Der Rechner kann im Betrieb einfach abstürzen oder der Bildschirm friert plötzlich ein. Wenn man ganz viel Pech hat, fährt der PC aber gar nicht mehr hoch. Dann bleibt der Monitor schwarz und die Suche nach der Fehlerursache gestaltet sich schwierig. Hat man noch etwas Glück im Unglück, gibt das wenigstens BIOS ein paar Piepsignale von sich, welche einen Hinweis auf die Fehlerquelle liefern können.

Damit es aber nicht zu einfach wird, kann es auch sein, dass einen das Mainboard in die Irre führt: Beispielsweise hat mir mal ein defektes Motherboard gemeldet, die Grafikkarte sei defekt, obwohl diese einwandfrei funktionierte. Man sollte eben keiner Fehlerdiagnose eines Gerätes vertrauen, welches selbst defekt ist.

Wenn man sich dann aber endgültig sicher ist, dass das Motherboard die Wurzel allen Übels ist, steht fest, was zu tun ist: Ein neues Board muss her!

Oder doch nicht?
Wenn man vor dem Defekt mit der Rechenleistung des kaputten PCs zufrieden war, sollte man nicht sofort zu einem neuen Motherboard greifen, denn manchmal lassen sich diese Komponenten preiswert reparieren.

Bei Mainboards gibt es zwei sehr häufige Todesursachen: defekte Elektrolytkondensatoren, kurz "Elkos", und defekte BIOS-Schaltkreise. Beide Probleme lassen sich unter Umständen (mit ein bisschen Bastelei) beheben.

Defekte Kondensatoren erkennen und austauschen

Auf diesem Bild kann man einige Elektrolytkondensatoren sehen. Die Form dieser Bauelemente kann variieren, auf den meisten Mainboards findet man aber Elkos, die diesen hier sehr ähnlich sehen.
defekte Elektrolytkondensatoren

Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, haben die Kondensatoren an der Oberseite meist eine Sollbruchstelle. Mit zunehmendem Alter und Verschleiß kann es passieren, dass sich die Oberfläche eines Elkos nach außen wölbt und/oder einreißt.

Die Oberfläche eines intakten Elkos ist ganz flach und weist keinerlei Verschmutzung auf. Dies trifft hier nur noch auf den oberen Kondensator am linken Bildrand zu. Alle anderen Elkos sind bereits verbeult oder es sind sogar schon die getrockneten Reste des ausgetretenen Elektrolyts sichtbar (die Farbe der Flüssigkeit kann variieren).

Findet man Elkos in diesem Zustand auf seinem Mainboard vor, kann man sich daran machen, die Teile zu auszutauschen. Wenn alles gut läuft, funktioniert das Mainboard danach wieder.

Für den Austausch benötigt man einen Lötkolben und eine Entlötpumpe oder Entlötlitze. Mit dem Lötkolben verflüssigt man die Lötstellen des Elkos an der Unterseite des Mainboards und entfernt dann das Lötzinn mit der Entlötpumpe oder der Entlötlitze. Danach lötet man einen neuen, baugleichen Elektrolytkondensator ein. Diesen findet man im Elektronikfachhandel, die technischen Daten können am defekten Elko abgelesen werden. Bei allen Lötvorgängen ist darauf zu achten, dass man die Temperatur des Kolbens nur so hoch einstellt, wie es unbedingt nötig ist. Außerdem sollte man die empfindlichen Halbleiterbauteile immer nur kurz mit dem Kolben berühren, um keine neuen Schäden zu verursachen. Vorm Entfernen des alten Elkos sollte man sich noch mal dessen Polung notieren oder ein Foto machen. Der Minuspol ist in der Regel durch einen langen Strich auf dem Kondensator gekennzeichnet. Der neue Kondensator muss dem entsprechend eingelötet werden.

Natürlich erfordert diese Operation am offenen Herzen des PCs ein wenig Fingerspitzengefühl und grundlegende Lötkenntnisse. Aber wenn alles glatt läuft, bekommt man sein Mainboard so wieder zum Laufen und zu verlieren hat man ja sowieso nichts mehr.

Defekte BIOS-Chips tauschen

Nicht immer sind defekte Elkos schuld, wenn ein Motherboard den Geist aufgibt. Manchmal geht auch schlicht das BIOS kaputt. (Dies kann bei älteren Boards auch passieren, wenn beim Flashen während eines BIOS-Updates etwas schiefgeht.)

ein Phönix-BIOS-Chip Zwar kennen die meisten Leute das BIOS nur als blaues oder schwarzes Fenster, mit dessen Hilfe man die grundlegenden Rechnerfunktionen konfigurieren kann, doch die Annahme, dass es sich beim BIOS nur um eine Software handelt, ist falsch. In den meisten Fällen ist das BIOS eines PC ein eigenständiger Hardwarebaustein auf dem Mainboard, welcher sich sogar ganz ohne Lötkolben austauschen lässt, weil er nur in einen Sockel gesteckt ist.

Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass man ein Mainboard mit BIOS-Defekt meist nicht wegwerfen muss. Ein Austausch des BIOS-Chips sorgt dafür, dass das Mainboard wieder läuft.

Den passenden Mainboard-BIOS-Chip kann man zum Beispiel hier bestellen. Das Ersetzen des Bausteins ist zumeist so einfach, dass man den Eingriff auch mit zwei linken Händen und E-Technik-Kenntnisse durchführen kann.

Geschnatter

1 Kommentar, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
W_K_, am 10.02.2016 um 15:20 Uhr
Ich bin erleichtert, dass zum Schluss erwähnt wird, dass der Austausch eines BIOS-Chips NUR E-Technik-Kenntnisse voraussetzt. :P