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DVB-C/S/T und IPTV: Vorteile und Nachteile

erschienen in der Kategorie Technik, am 17.02.2016
Schnatterente
Seit der Markt für IPTV, also das Fernsehengucken übers Internet, in Deutschland wächst, werden an mich immer mal wieder die Fragen herangetragen, was ich davon halte und ob man jetzt auf IPTV umsteigen sollte oder nicht.

In den Gesprächen ist mir dabei immer wieder aufgefallen, dass es sehr vielen Leuten schlicht am grundlegenden technischen Verständnis im Bezug auf die verschiedenen TV-Technologien mangelt. Es wird viel ferngeschaut, aber wie das Bild eigentlich auf die Mattscheibe kommt, ist für so manchen TV-Junkie vollkommen unklar. Aus diesem Grund will ich in diesem Artikel mal einen ganz groben Überblick über die verschiedenen TV-Technologien geben und zum Schluss insbesondere auf die Vor- und Nachteile von IPTV eingehen.

Digital und Analog

Die meisten TV-Technologien tragen die Buchstabenfolge "DVB" im Namen. Diese steht für "Digital Video Broadcasting", was im Deutschen so viel heißt wie "Digitaler Videorundfunk".

Hierbei fällt vor allem das Wort "digital" auf. Früher wurden Fernsehninhalte, ähnlich wie es heute noch beim UKW-Radio der Fall ist, analog übertragen. Im Laufe der Zeit wurde und wird alles auf digitale Übertragung umgestellt. Für den Anwender bedeutet die digitale Informationsübertragung eine höhere Qualität. Bei einer analogen Signalübertragung können durch verschiedene Arten von Störungen Qualitätsverluste entstehen, z. B. ein verrauschter Ton (das kennt man vom Autoradio) oder beim Fernsehen auch ein verrauschtes Bild. Dies geschieht bei der digitalen Datenübertragung nicht, hier hat man entweder ein perfektes Bild oder, falls das Signal abbricht oder zu schwach wird, gar kein Bild mehr (statt Rauschen treten dann komplette Unterbrechungen auf).

Digitale TV-Technologien: DVB-C, DVB-S und DVB-T

Das "C" im Namen "DVB-C" steht für "Cable" und dementsprechend handelt es sich bei dieser Technologie um das digitale Kabelfernsehen. Hierbei findet die Datenübertragung über das Kabelnetz statt, das ein von anderen Technologien weitestgehend unabhängiges Netz ist. Viele Kabel-TV-Provider bieten auch an, dass man über ihr Netz eine Internetverbindung bekommen kann. In diesem Fall wird die Leitung dann also für die TV- und Internetübertragung genutzt. Dies sollte man nicht mit IPTV verwechseln, auch wenn bei beiden Technologien jeweils nur eine Leitung für verschiedene Übertragungsinhalte genutzt wird, aber dazu später mehr.
Kabelfernsehen bietet den Vorteil, dass es sehr zuverlässig und wetterunabhängig funktioniert. Außerdem kann man sich beim Kabelfernsehen in der Regel die Anschaffung eines zusätzlichen Receivers sparen, da alle handelsüblichen TV-Geräte bereits entsprechend ausgerüstet sind. Nachteilig ist, dass man für Kabelfernsehen monatlich oder jährlich bezahlen muss und dass die Auswahl an empfangbaren Kanälen geringer ist als z. B. beim Satellitenfernsehen. Zudem variiert sie je nach Region und Netzbetreiber.

Bei DVB-S handelt es sich um Satellitenfernsehen. Das heißt man benötigt eine Satellitenschüssel und, falls eine entsprechende Komponente nicht bereits im Fernseher eingebaut ist, auch einen Satellitenreceiver. Der TV-Empfang via Satellit bietet den großen Vorteil, dass man nach der einmaligen Anschaffung der Geräte, die inzwischen sehr preiswert zu haben sind, keine laufenden Kosten mehr hat. Des Weiteren hat man mit dieser Technologie eine enorm große Auswahl an empfangbaren Kanälen (bei Bedarf auch ausländische Sender). Der größte Nachteil beim Satellitenfernsehen besteht darin, dass es nicht für jeden nutzbar ist, weil nunmal nicht jeder freie Sicht Richtung Südhimmel hat. Außerdem ist es gerade Mietern oft nicht erlaubt, Satellitenschüsseln auf dem Balkon oder am Haus anzubringen (wobei es inzwischen auch unauffälligere Modelle gibt, die auf den ersten Blick nicht als Satellitenschüssel erkennbar sind). Wer sich für die Satellitenvariante entscheidet, der muss auch damit leben, dass es bei sehr starkem Regen zu vorübergehenden TV-Ausfällen kommen kann, wobei dies in den meisten Regionen Deutschlands und bei einer gut ausgerichteten Schüssel nur äußerst selten vorkommt.

Das "T" in DVB-T steht für terrestrisch. Das digitale Antennenfernsehen wird ähnlich wie UKW-Radioprogramme via Funk ausgestrahlt und kann mit entsprechenden Antennen empfangen werden. Die Vorteile von DVB-T sind, dass nach der Anschaffung des Empfangsgerätes keine weiteren Ausgaben zu tätigen sind und dass es mit kleinen Empfangsgeräten (z. B. DVB-T-Sticks für Laptops) sehr gut für unterwegs geeignet ist, z. B. für Urlaube und Campingausflüge. Nachteilig ist, dass über DVB-T in der Regel nur wenige, öffentlich-rechtliche Programme ausgestrahlt werden. Außerdem ist eine ausreichende Empfangsqualität oft nur gegeben, wenn man sich in der Nähe des Senders befindet (also meist in Großstädten und in deren Umland). Zudem können über DVB-T aktuell noch keine Videosignale in HD-Qualität empfangen werden. Dies wird sich in den nächsten Jahren mit der schrittweisen Einführung des Nachfolgestandards DVB-T2 ändern. Für die neue Generation von DVB-T werden dann aber auch neue, geeignete Empfänger benötigt.

IPTV

Soweit der grobe Überblick zu den konventionellen TV-Technologien, die es in dieser und ähnlicher (auch analoger) Form schon seit Jahrzehnten in Deutschland gibt. Betrachten wir nun eine wesentlich neuere Technologie: IPTV.

IPTV, manchmal auch als Internet-TV bezeichnet, beschreibt die Möglichkeit, TV-Programme über das sogenannte Internet-Protokoll (IP) zu übertragen, welches die Grundlage nahezu aller modernen Computernetzwerke bildet. Ganz einfach ausgedrückt kommt das Fernsehprogramm also als Videostream über die herkömmliche Internetverbindung zum Fernseher. Technisch ist dies mit dem Abrufen von YouTube-Videos oder dem Anschauen von Live-Streams am Computer vergleichbar.
Zur technischen Umsetzung von IPTV wird in der Regel eine Set-Top-Box benötigt, welche man vom Provider zur Verfügung gestellt bekommt. Dabei handelt es sich, ähnlich wie beim Satellitenreceiver bei DVB-S, um ein kleines, zusätzliches Gerät, das das Videosignal für den Fernseher aufbereitet und über das man die Sender umschalten kann. Die Set-Top-Box wird hierzu mit dem TV-Gerät und mit dem Internet (also dem Modem oder Router) verbunden.
Die Vorteile von IPTV bestehen darin, dass man TV und Internet von ein und demselben Provider bekommt, was oft auch geringere Ausgaben zur Folge hat. Einige Anbieter bieten zudem (teils als kostenpflichtige Option) an, dass man nicht nur über das TV-Gerät, sondern z. B. auch über sein Smartphone oder den Tablet-PC fernsehen kann.
Nachteilig ist an der IPTV-Technologie, dass die Nutzung, wie auch beim Kabelfernsehen, monatlich oder jährlich Geld kostet und dass sie generell nur bei einer ausreichend guten Internetverbindung möglich ist. Eine 16 MBit/s-A-DSL-Leitung wird oft als minimale Bandbreite angegeben, für flüssigen HDTV-Genuss sollte es sogar eine 25 MBit/s-V-DSL-Leitung sein. Hierbei ist auch zu beachten, dass beim Fernsehen natürlich die entsprechende Bandbreite genutzt wird, was bedeutet, dass andere Internetnutzer, mit denen man sich die Leitung teilt, weniger Bandbreite zur Verfügung haben. Hat man keinen DSL-Router, der die für den TV-Stream nötige Bandbreite gezielt reserviert, so kann es auch zu TV-Ausfällen kommen, wenn beispielsweise ein Mitbewohner große Datenmengen aus dem Internet herunterlädt.
An dieser Stelle muss auch noch erwähnt werden, dass ein Ausfall der Internetverbindung, der nicht selten vorkommt und oft einige Tage bis hin zu wenigen Wochen dauern kann, im Falle von IPTV natürlich auch zur Folge hat, dass man nicht mehr fernsehen kann.
Eine weitere, für die meisten Nutzer aber weniger bedeutende Einschränkung ist im Bereich des Datenschutzes zu finden. Anders als bei den oben genannten DVB-Technologien, wird bei IPTV nicht einfach nur etwas empfangen, was von anderer Stelle aus ausgestrahlt wird. Stattdessen fragt die Set-Top-Box über das Internet gezielt den Inhalt ab, für den sich der Nutzer interessiert. Prinzipiell ist es so technisch möglich, zu erfassen, welcher Nutzer sich welche Sendungen angesehen hat. Ob dies in der Praxis tatsächlich gemacht wird, ist aber fraglich.

Welche TV-Technologie sollte ich verwenden?

Alle Technologien haben Vor- und Nachteile und letzten Endes sind für jeden Konsumenten andere Aspekte wichtig. Einem geht es darum, wenig Geld auszugeben, ein anderer will besonders viele Programme empfangen können und einem Dritten ist es vielleicht wichtig, möglichst alle Dienste von einem Anbieter beziehen zu können. Daher ist diese Frage pauschal schwer zu beantworten.

Ich persönlich schaue sehr wenig fern und will aus diesem Grund dafür auch möglichst kein Geld ausgeben, der Rundfunkbeitrag allein ist ja schon hoch genug. Ich habe mich daher für die Satellitenvariante entschieden und einmalig circa 120 Euro in die Technik investiert. Damit empfange ich nun mehrere Tausend Kanäle, von denen ich letzten Endes wohl aber ohnehin nur eine Handvoll anschaue. Hätte ich nicht das Glück, dass mein Balkon Richtung Süden zeigt, hätte ich mich wahrscheinlich für IPTV entschieden.
Und läge hier auch kein VDSL an, tja, dann würde ich wahrscheinlich nur noch die Mediatheken im Internet benutzen, denn Kabelfernsehen wäre mir zu teuer.

Geschnatter

1 Kommentar, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Anonym, am 17.02.2016 um 20:34 Uhr
Alternativ mal "SAT-IP" probieren. Fernseh-Empfang via SAT, Umwandlung dann in IP. TV-Verteilung über das lokale Netzwerk. Somit kann jedes Smartphone, Laptop, PC, Tablet, TV, Smart-TV fernsehen.

Ich habe den Selfsat IP36 in Verbindung mit dem AC-WLAN-Router und Raspberry Pi (Kodi Media Center) im Einsatz. Gibt auch SAT-IP Smartphone Apps.