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Gute, preiswerte In-Ear-Kopfhörer

erschienen in der Kategorie Technik, am 14.01.2016
Schnatterente
Ich habe vor ein paar Monaten in einem englischsprachigen Tontechnikmagazin einen Testbericht zu ein paar In-Ear-Kopfhörern gelesen, die extrem gut klingen sollen, obwohl sie nicht einmal 20 Euro kosten. Damals brauchte ich gerade keine neuen Kopfhörer, habe mir die Teile aber in der weisen Voraussicht, dass sich das schnell ändern kann, auf meiner imaginären "To-Buy"-Liste notiert.
Nun war es so weit, meine alten Kopfhörer haben den Geist aufgegeben und so habe ich mir die besagten Kopfhörer bestellt. Und was soll ich sagen, ich bin beeindruckt. Wirklich beeindruckt.

Mrice E300

Die Kopfhörer heißen Mrice E300 und bieten aus meiner Sicht ein fast absurd gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Man bekommt sie derzeit für 18,55 Euro in der Normalausführung und für 20,99 Euro mit integriertem Mikrofon samt Lautstärke- und Gesprächsannahmetasten.

In dem Artikel, den ich damals gelesen hatte, schrieb der audiophile Autor, dass die Kopfhörer nicht nur viel besser klängen, als alle anderen ihm bekannten Kopfhörer in diesem niedrigen Preissegment, sondern auch besser als viele Kopfhörer, die teils über 1.000 US-Dollar kosten. Ich hatte beim Lesen meine Zweifel und hielt das erst einmal für ein ziemlich überzogenes Statement.

Jetzt habe ich die kleinen roten Ohrstöpsel aber selbst hier und bin davon doch ziemlich beeindruckt. Ob sie wirklich mit Kopfhörern für über 1.000 Dollar aufwarten können, kann ich nicht beurteilen, dazu hatte ich bisher einfach zu wenig derartige Kopfhörer auf dem Kopf. Was ich aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass sie besser klingen, als viele (auch deutlich höherpreisige) On-/Over-Ear-Kopfhörer und sogar Lautsprecher, die ich kenne, und dass sie definitiv alle In-Ear-Kopfhörer, die ich bisher besessen habe, in den Schatten stellen.

Mrice E300: Technische Daten und Klangbild

Die Impedanz der Hörer liegt bei vergleichsweise niedrigen 16 Ohm, die Empfindlichkeit bei 105 dB. Damit verbrauchen sie wenig Energie und sind super für den Gebrauch an MP3-Playern und Smartphones geeignet.
Der Hersteller gibt einen Frequenzbereich zwischen 15 Hz und 22 kHz an. Ich habe mir mal Audacity zur Hand genommen und das ausgetestet. Erstaunlicherweise decken die kleinen Kopfhörer diesen Bereich mit ihrem 9mm-CCAW-Treiber tatsächlich ab. Von 15 bis 18.500 Hz konnte ich das jedenfalls nachvollziehen, dann glitt der hohe Ton in den für mich nicht mehr hörbaren Bereich ab. Damit schlagen sie, zumindest was den Frequenzbereich angeht, auch alle mir bekannten Lautsprecher im Niedrigpreissegment (da steht oft ab 20 Hz drauf, unter 60 Hz hört man aber nichts).

Das Klangbild der Mrice-Kopfhörer ist klar. Im Vergleich zu meinen vorherigen "Quad Beat"-Kopfhörern von LG, die ich nicht gekauft, sondern als Gimmick mit zum Mobiltelefon dazubekommen habe, die aber, wenn man sie kauft, teurer sind als die E300, höre ich wesentlich mehr Details heraus.
So lassen sich Instrumente sehr deutlich unterscheiden, was ich in dieser Form bei In-Ear-Kopfhörern noch nie erlebt habe. Alle mir bisher bekannten Ohrstöpsel lieferten einen vergleichsweise matschigen Klang. Ich war immer davon ausgegangen, dass dies an der kleinen Bauform liegt und dass das für wenig Geld nicht besser machbar sei. Auch wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir für ein größeres Budget In-Ear-Kopfhörer zu kaufen, da ich stets davon ausging, dass es nur schwer möglich sei, mit so kleinen Bauteilen ein vernünftiges Klangbild zu erzeugen.
Die Mrice-E300-In-Ears belehren mich eines Besseren. Sie bieten erstaunlich klare Höhen und sehr ordentliche Tiefen. Letztere sind aus meiner Sicht leicht überbetont, was mir besonders im direkten Vergleich mit einem "Momentum"-On-Ear-Kopfhörer von Sennheiser auffiel, der Höhen, Mitten und Tiefen nahezu gleichbehandelt (wie es auch sein sollte).
Dennoch sind die Tiefen längst nicht so krass hervorgehoben, wie es heutzutage bei vielen Kopfhörern, zum Beispiel bei den "Beats" von Dr. Dre, üblich ist und wie es viele Freunde modernerer Disco-Musik wohl längst als normal empfinden. Ein Hauch mehr Bass ist wohl einfach zeitgemäß, wer sich daran stört, kann die niedrigen Frequenzen im Equalizer ein ganz kleines Bisschen nach unten ziehen.
Die Mitten werden nicht zu sehr überlagert und sind ebenfalls klar wahrnehmbar. Insgesamt entsteht so ein wirklich gutes Klangbild, das es auch ermöglicht, Klänge herauszuhören, von deren Existenz man mit schlechteren Kopfhörern gar nichts erfährt.

Um es kurz und umgangssprachlich zusammenzufassen: Für den Preis klingen die Mrice E300 Kopfhörer einfach nur sau gut. Sie wären ihr Geld auch locker wert, wenn sie 80 Euro kosten würden.

Design, Verarbeitung und Lieferumfang

Die Kopfhörer kommen mit einem roten Kabel und einem schwarzen 3,5mm-Klinkenstecker daher, dessen Kontakte vergoldet sind. Je nachdem, wofür man sich entscheidet, sind die Ohrstöpsel (und die ggf. vorhandene Kabelfernbedienung) schwarz oder weiß. Eine Besonderheit der Kopfhörer ist, dass das Kabel und auch der Stecker (und die Fernbedienung) im Querschnitt als Dreieck geformt sind. Laut den Angaben auf der Verpackung sorgt dieses eigens patentierte Dreieckskabel dafür, dass kein Kabelsalat entstehen kann und dass Kabelbrüche und Wackelkontakte vermieden werden. Soweit ich das bisher beurteilen kann, funktioniert das auch, ein Verfitzen das Kabels beim Zusammenwickeln erscheint jedenfalls kaum möglich.
Mrice E300A In-Ohr-Kopfhörer

Ich habe mich, wie man auf dem Bild sehen kann, für die Variante mit dem Mikrofon entschieden. Diese heißt "E300A" und ist quasi ein vollwertiges Headset. Die Tonqualität des Mikrofons ist durchaus in Ordnung, verglichen mit dem Mikrofon in meinem Smartphone klingt es ein klein wenig dumpf.
Die Tasten zur Lautstärkeregelung funktionieren leider nur mit Apple-Geräten und einigen MP3-Playern. Die Rufannahmetaste kann aber auch mit Android-Smartphones genutzt werden.

Mit zum Lieferumfang (siehe Foto) gehören auch eine kleine transparente, mit einem Druckkopf verschließbare Plastiktasche und zwei zusätzliche Silikon-Ohrpolster-Paare in verschiedenen Größen.

Die Verarbeitung sämtlicher Komponenten erscheint mir ordentlich. Bei den Kopfhörern wurde sogar eine Zugentlastung für das Kabel mit eingebaut. Die Plastiktasche roch nach dem Auspacken recht stark nach Gummi (wie aufblasbare Schwimmflügel), der Geruch verflog dann aber innerhalb weniger Stunden und ist nun nicht mehr wahrnehmbar. Benutzen werde ich die Tasche dennoch nicht, da es eine ziemliche Fummelei ist, die Kopfhörer da rein zu bekommen. Eine Stofftasche hätte ich als praktischer empfunden, wobei das schon Jammern auf sehr hohem Niveau ist. Für den Preis muss man sich wundern, dass überhaupt eine Tasche dabei ist.

Mrice E300: Fazit

Damit wäre eigentlich alles gesagt. In Anbetracht des wirklich sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses kann ich nur eine klare Kaufempfehlung abgeben. Ich selbst überlege derzeit noch, ob ich mir gleich noch ein Paar auf Reserve bestelle, nur für den Fall, dass es die Kopfhörer irgendwann nicht mehr zu kaufen gibt.

Geschnatter

3 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Thomas, am 14.01.2016 um 20:45 Uhr
Wie lange hast du die neuen Kopfhörer schon? In einigen Online-Bewertungen ist die Rede von einer sehr kurzen Haltbarkeit ... und dass die Dinger schon innerhalb von 14 Tagen kaputt gegangen seien. Mich würden die Kopfhörer auch interessieren - aber lang halten sollten sie beim täglichen Einsatz schon.

LG Thomas
Antwort: Hey Thomas, ich habe sie erst seit ein paar Tagen, deswegen kann ich dazu leider noch nichts sagen. Wenn sie aber sehr schnell kaputt gehen sollten, werde ich das über die Garantie abwickeln. Wenn schon etwas im ersten Monat sein sollte, greift ja sogar noch das Widerrufsrecht.
Ich denke aber, wenn man pfleglich mit den Kopfhörern umgeht, sollten sie auch entsprechend lange halten. Wie oben beschrieben, wirken sie erst einmal besser verarbeitet als die meisten anderen In-Ears.
nym, am 15.01.2016 um 09:20 Uhr
Danke für den Artikel.

Eine lange Haltbarkeit wäre mir persönlich aber auch wichtig. Ich habe keine große Lust auf eine ständige Garantieabwicklung.

Also wäre ein Folgeartikel wäre daher sehr gut.
Antwort: Wenn die Kopfhörer kaputt gehen sollten, werde ich den Artikel auf jeden Fall updaten.
Tobias, am 15.01.2016 um 12:39 Uhr
Ich habe die gleichen Kopfhörer seit fünf Monaten im Einsatz und bisher keine Probleme damit. Einziger Kritikpunkt von meiner Seite: ein abgewinkelter (90°) Stecker wäre mir lieber gewesen. Habe, um da einen Kabelbruch am Stecker zu vermeiden, einen Winkelstecker für 99 Cent dazugekauft.