Gefällt dir dieser Artikel?

Powerline: eine strahlungsarme WLAN-Alternative?

erschienen in der Kategorie Technik, am 15.08.2013
Schnatterente
Die meisten Leute bauen inzwischen ihr Heimnetzwerk auf Basis von WLAN auf. Dies ist wenig verwunderlich, denn alle handelsüblichen DSL-Router unterstützen die Funknetzwerke und wer hat schon Lust LAN-Kabel durch seine Wände zu ziehen.

Es gibt aber auch noch eine dritte Alternative in Sachen Netzwerkaufbau: Powerline.

Powerline (auch "PowerLAN" oder "dLAN" genannt) erlaubt es, die hauseigenen Stromkabel als Netzwerkkabel zu benutzen. Viele Hersteller bieten inzwischen entsprechende Adapter an. Man steckt diese Geräte einfach in eine Steckdose und verbindet sie unter Zuhilfenahme eines herkömmlichen Netzwerkkabels mit dem Computer. Dies macht man mit allen Geräten, die man auf diesem Wege vernetzen will, egal ob es sich um weitere Computer, einen Router oder um Switchs handelt, an denen weitere PCs hängen. Man benötigt dafür nur genügend Adapter und Steckdosen.

Die Technologie scheint so simpel wie genial. Die Netzwerkpakete wandern einfach über die Stromleitung, ohne dass deren Funktion davon beeinträchtigt wird. Vor Datenklau braucht man auch keine Angst haben, denn die Netzwerkverbindung zwischen den Powerline-Adaptern lässt sich bei den Geräten der meisten Hersteller verschlüsseln (meist symmetrisch, via AES) und spätestens am eigenen Stromzähler kommt das Signal ohnehin nicht vorbei. Doch ist Powerline wirklich eine so gute Alternative zu LAN- und WLAN-Netzwerken, oder hat die Technologie auch Schattenseiten?

Powerline - wenn die ganze Wohnung strahlt

Ja, die Technologie weist ein gravierendes Problem auf. Und das Schlimmste daran ist, viele Leute setzen Powerline ein, um genau dieses Problem zu vermeiden: die Strahlung.

Wer sich im Elektronikfachmarkt ein Powerline-Adapter-Set kauft, um die eigene Strahlenbelastung durch WLAN zu reduzieren, schneidet sich vielleicht unwissentlich ins eigene Fleisch, denn Powerline erzeugt bei weitem mehr Elektrosmog, als die meisten Leute denken. Im Grunde genommen verwandelt es alle Stromkabel in der Wohnung zu einer großen Antenne, die von allen Seiten auf einen einstrahlt.

Zum üblichen 50-Hertz-Wechselstrom, der als harmonische Sinuskurve durch die Stromleitung wandert, kommen im Falle der Power Line Communication Technologie (PLC) noch zusätzliche, hochfrequente, digitale Signale mit auf die Leitung. Die nichtharmonischen, steilflankigen Impulse (die bei digitaler Übertragung üblicherweise vorkommen) stehen im Verdacht gesundheitsschädliche Auswirkungen auf den Menschen zu haben (Studien zeigen beispielsweise, dass sie das EEG beeinflussen können). Im Falle der Powerline-Adapter wird ein Störstrahlungsnebel erzeugt, der so stark ist, dass er andere Geräte und auch die Zellkommunikation des Menschen beeinträchtigen kann. Amateurfunker laufen seit Jahre gegen die PLC-Technologie Sturm, weil ihnen die nicht abgeschirmten Stromleitungen das Funken im Kurzwellenbereich (1 MHz - 30 MHz) zunichtemachen.

Wer also mit einem Amateurfunker im Haus wohnt und keinen Ärger mit den Nachbarn haben will, sollte lieber anfangen Netzwerkkabel zu verlegen, als zu Powerline zu greifen.

Wie stark strahlen Powerline Adapter?Generell sollte man Powerline nur dann einsetzen, wenn es wirklich nötig ist. Es ist schwer abschätzbar, wie viel Strahlung man sich mit der Technologie ins Haus holt. Dies ist abhängig davon, welchen Adapter man kauft und wie die Elektro-Installation des Hauses beschaffen ist. Während die Funkwellen eines WLANs nur von der kleinen Antenne des Routers ausgehen, können bei der Powerline-Technik nahezu alle Wände der Wohnung und auch die Anschlusskabel von Elektrogeräten zu Sendern werden. Im Gegensatz zum WLAN-Signal, welches durch Ziegelwände und Betondecken wesentlich geschwächt wird, erzeugt man mit Powerline eine flächendeckende Strahlenbelastung.

Besonders in Schlaf- und Kinderzimmern sollte man das aber aus gesundheitlichen Gründen vermeiden. Im Falle von WLAN ist dies leichter umsetzbar, denn man kann den Router in einer größeren Entfernung zu den Ruheräumen positionieren, bzw. das WLAN vor dem Schlafen gehen mit einem Tastendruck abschalten (natürlich könnte man auch alle Powerline-Adapter jeden Abend vom Netz trennen - wenn man die Nerven dazu hat).

Wer mit einem schwachen WLAN-Signal kämpft, sollte aus den genannten Gründen wohl eher zu einem WLAN-Repeater greifen, anstatt sich Powerline ins Haus zu holen. Die gesündeste und auch technisch stabilste Alternative bleibt aber das Verlegen von gut geschirmten Netzwerkkabeln. Mit diesen erreicht man auch einen höheren Datendurchsatz, denn trotz der Tatsache, dass die Hersteller von Powerline-Adaptern mit Bandbreiten von bis zu 500 MBit/s werben, ist auch diese Technologie störungsanfällig. Bestimmte Geräte, wie Dimmer, Mikrowellen und Energiesparlampen können die Powerline-Verbindungen stark beeinträchtigen.

Das Powerline-Prinzip ist eigentlich eine schöne Idee, doch leider bringt es zu viele Nebenwirkungen mit sich.

Smart Meter: Powerline für jeden Haushalt?

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung, die mit Computernetzwerken gar nicht so viel zu tun hat:
Eventuell werden wir bald alle mit Powerline konfrontiert, ob wir es wollen oder nicht, denn unsere Stromzähler sollen ja zukünftig gegen sogenannte Smart Meter ausgetauscht werden. Diese übertragen dann eventuell auch Daten über die Stromkabel - mögliche Alternativen wären hier: die Übertragung von Daten via Mobilfunk (strahlt auch) oder via DSL/Kabel. Man kann nur hoffen, dass man die Wahl der Übertragungstechnologie den Verbrauchern überlässt - im Moment sieht es aber nicht danach aus.

Geschnatter

26 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/4 > >>
Anonym, am 13.09.2013 um 18:21 Uhr
Hi,

What if all the electrical wireing in the house is done using shielded cables ? the shielding should act like a Faraday cage so no electromagnetic radiation should escape.

Mircea
Antwort: Of course - well shielded cables would solve the problem. But power lines are mostly unshielded.
Anonym, am 14.09.2013 um 17:07 Uhr
Thanks for the your answer
Mircea
Anonym, am 15.09.2013 um 12:48 Uhr
Hi,

Forgot about an important detail :) If the house has electrical underfloor heating, those wires are not shielded. is there a way to isolate the underfloor heating from the other electrical installation, so that it doesn't act as a big antenna ?

Regards,
Mircea
Anonym, am 16.09.2013 um 14:44 Uhr
Hi,

Forgot to add an important detail - what happens when the house has electrical underfloor heating? These wires can't be shielded. Is there a way to isolate the heating circuit from the rest?

Regards,
Mircea
Antwort: Sorry, I know nothing about this issue.
Anonym, am 27.11.2013 um 12:06 Uhr
Hallo,

ich glaube nicht das geschirmte Kabel etwas bringen, da an den Steckdosen und allen Übergängen ungeschützt offen. Auch Verteiler und angeschlossene Geräte strahlen sicherlich wunderschön. So no way with shielded cables, too many open elements and crossovers.!
Antwort: Stimmt. Das wird wohl auch der schlichte Grund dafür sein, dass die Dinger nie geschirmt sind.
DLAN, am 09.12.2013 um 21:34 Uhr
Ein gut aufklärender Artikel.Habe mir vor kurzem auch so ein Teil bzw. Powerline angelegt und muss sagen - es funktioniert prima.
Die neuen Adapter unterstützen bereits eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von bis zu 600Mbit/s. Damit werden HD Streaming-Anwendungen zur entspannter Angelegenheit.
Dima, am 23.01.2014 um 22:37 Uhr
Vielen Dank. Super Beitrag. Ich wollte mir Powerline Adapter als WLAN- Alternative bestellen. Dein Beitrag hat mich davon abgehalten. WLAN ist aber auch nicht unbedingt gesund. Nachts immer aus, dann schläft man besser.