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Test: TechniSat Satelliten-Receiver mit SmartTV / HbbTV

erschienen in der Kategorie Technik, am 07.05.2017
Schnatterente
Ich habe letztens bei einem Bekannten einen neuen Satelliten-Receiver aufgestellt und eingerichtet. Da mich das Gerät dabei recht positiv überrascht hat, habe ich mich entschieden, hier einen kurzen Testbericht dazu zu veröffentlichen.

TechniSat TechniStar S3 ISIO

Der besagte Receiver hört auf den Namen "TechniStar S3 ISIO" und kommt aus dem Hause TechniSat. TechniSat ist ein deutscher Hersteller, der aber auch im Ausland produzieren lässt.

Angeschafft wurde das Gerät nach längerer Suche nach einem Satelliten-Receiver, welcher auch Smart-TV-Funktionen bietet. Im Gegensatz zu den meisten handelsüblichen Fernsehgeräten kann man da im Bereich der Sat-Receiver eine ganze Weile suchen. Die Auswahl ist äußerst begrenzt.

Der TechniStar unterstützt dabei nicht nur klassisches Smart-TV, also das Abrufen verschiedener Mediatheken (ARD, ZDF, usw.) sondern auch Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV). Mit dieser Funktion können Live-TV-Inhalte mit Internetangeboten verknüpft werden. Drückt man während des Fernsehens auf die rote Taste der Fernbedienung, so erscheint für den jeweiligen Sender ein Menü, über das sich nicht nur dessen Mediathek, sondern auch andere Onlineinhalte abrufen lassen. Dies können zum Beispiel Wetterberichte, Untertitel, Programminformationen oder Gewinnspiele sein.
Technisat TechniStar S3 ISIO Satellitenreceiver mit Smart-TV Funktion

Satellitenreceiver mit übersichtlicher Menüführung und Smart-TV

Sofort gefallen hat mir an dem Receiver, dass er eine klare Menüführung in deutscher Sprache bietet. Das macht das Gerät aus meiner Sicht auch für ältere und weniger technikaffine TV-Konsumenten gut nutzbar. Wenn ich daran denke, dass mich mein polnischer Ferguson-Receiver jedes Mal mit den Worten "Erfolgreich eine IP-Adresse" begrüßt, muss ich sagen, dass TechniSat das eindeutig besser hinbekommen hat.

Ebenfalls gelungen ist die Smart-TV-Umsetzung. Man erhält schnellen Zugriff auf die Mediatheken sehr vieler Sender. Erstaunlicherweise sind auch eine ganze Menge Regionalprogramme von kleinen lokalen Sendern vertreten, die außerhalb ihrer Ausstrahlungsorte wohl kaum jemand kennt.

Wenn man dies möchte, kann man die Angebote der Mediatheken auch über TechniSats hauseigenes Medienportal "ISIOlive" abrufen. Ich stehe derartigen Eigenentwicklungen per se skeptisch gegenüber. Aber auch in diesem Fall hat mich TechniSat positiv überrascht. Die Anwendung lässt sich nicht nur flüssig und übersichtlich bedienen, die programmeigene Suche kennt tatsächlich auch eine ganze Menge Inhalte, von denen ich nicht erwartet hätte, dass ich sie so einfach finden würde.
Ich habe es mit einigen Podcasts versucht, die zum Teil in größeren aber auch in kleinen regionalen Radioprogrammen laufen. ISIOlive fand sie fast alle und erlaubte einen schnellen, unkomplizierten Zugriff. Offenbar wird die dem ISIOlive-System zugrunde liegende Datenbank regelmäßig aktualisiert und ordentlich gepflegt. Sehr schön.

ISIOlive ist meiner Ansicht nach also tatsächlich ein brauchbares Feature. Klar, das könnte man jetzt als eine Selbstverständlichkeit auffassen, aber ich habe in den letzten Jahren so viele wirklich furchtbar schlecht programmierte und halbherzig entwickelte Geräte gesehen, dass ich inzwischen eigentlich gar nichts mehr erwarte, wenn ich mich mit bezahlbarer Consumer-Hardware auseinandersetze.

Die Performanz des Gesamtsystems ist übrigens auch recht gut. Einige wenige Mediatheken könnten für meinen Geschmack ein bisschen schneller auf Eingaben reagieren. Das liegt aber zum größten Teil an der Programmierung der jeweiligen Apps und nur bedingt im Einflussbereich von TechniSat.

Fernsehen

Was das Thema Fernsehen angeht, kann ich keine allzu ausschweifenden Aussagen zur Funktionalität machen, weil ich das nur kurz angetestet habe.
Bei der Einrichtung des Gerätes hat man die Wahl einen Satellitensuchlauf zu machen, der verhältnismäßig schnell abläuft, oder eine fertige Senderliste von TechniSat herunterzuladen.
Danach kann man auch schon durch die Kanäle zappen. Das Umschalten der Sender geht verhältnismäßig schnell (ich kenne Sat-Receiver, die mal eben 5 bis 10 Sekunden für einen Senderwechsel brauchen). Die Bildqualität ist auch sehr gut, aber da sollte es im Zeitalter des Digitalfernsehens auch keine nennenswerten Unterschiede mehr geben.

Wer Bezahlfernsehen konsumieren möchte, kann die CI+-Schnittstelle des Receivers nutzen. Getestet haben wir das mit einer HD+-Karte. Idealerweise sollte das Modul schon bei der Ersteinrichtung im Gerät stecken, damit die Senderliste nicht nachträglich sortiert werden muss.

Steuerung per App und Internetzugang

TechniSat stellt eine App bereit, mit der man den Receiver fernsteuern kann. Ich habe diese nur ganz kurz getestet. Aus meiner Sicht braucht man so eine App nicht wirklich, man hat ja die Fernbedienung.

Sinnvoll ist der App-Einsatz wohl dann, wenn man häufig Texte eingeben will, da dies mit der normalen Fernbedienung etwas beschwerlich ist. Das ist vorwiegend dann gegeben, wenn man mit dem Receiver im Internet surfen will.
Eine entsprechende Browser-Funktion ist tatsächlich vorhanden. Da mich interessiert hat, was da auf dem Gerät läuft, habe ich mir den Netzwerkverkehr gleich mal mit Wireshark angesehen und dabei festgestellt, dass auf dem linuxbasierten Betriebssystem eine recht veraltete Version des Opera-Browsers installiert ist.

Ich würde aus Sicherheitsgründen eher davon abraten, den Receiver ernsthaft zum Surfen zu verwenden.
Da die Web-Performanz aber ohnehin nicht mit der eines Smartphones oder Tablets mithalten kann, wird das wahrscheinlich auch niemand ernsthaft in Erwägung ziehen – zumal man das besser geeignete Gerät ja bereits in der Hand hält, wenn man den Receiver via App fernsteuern will.

DVR und DLNA

Der Receiver verfügt über zwei USB 2.0 Anschlüsse. Schließt man eine Festplatte an, so kann man das DVR-System nutzen und Sendungen aufzeichnen. Automatische Mitschnitte zu bestimmten Uhrzeiten lassen sich auch problemlos planen.

Mittels UPnP und DLNA kann man den TechniSat Receiver mit anderen Geräten im Heimnetzwerk verbinden und diesen steuern bzw. mit Audio- und Videostreams versorgen. So gelangt der auf dem Smartphone gespeicherte Film kabellos auf den Fernsehbildschirm. Getestet habe ich diese Funktion allerdings nicht.

WLAN-Adapter für den TechniSat Receiver: hier kann man Geld sparen

Wer kein Netzwerkkabel verlegen will, der kann den Receiver auch via WLAN mit dem heimischen Router verbinden. Hierfür ist allerdings ein USB-WLAN-Stick nötig, da leider kein WLAN-Adapter im Gerät integriert ist. TechniSat stellt dafür den "Teltronic ISIO USB-WLAN-Adapter" bereit. Der Stick funktionierte im Test ganz wunderbar, offen gesagt empfinde ich den Preis von knapp 34 Euro aber als eine Unverschämtheit.

Ich habe den Stick deswegen mal an meinen Laptop angesteckt und mir die Device-ID notiert:
148f:3070 Ralink Technology, Corp. RT2870/RT3070 Wireless Adapter

Wer Geld sparen will, probiert es mal mit einem WLAN-USB-Stick eines anderen Herstellers, welcher ebenfalls den Ralink RT3070 Chip nutzt. Vermutlich sollten auch alle Sticks mit den Ralink Chips RT27xx, RT28xx und RT30xx funktionieren, da diese ebenfalls den gleichen Linuxtreiber nutzen. Und dieser muss ja auf dem System installiert sein, damit der hauseigene Stick von TechniSat funktioniert.
Je nachdem, was die Entwickler bei TechniSat beim Kompilieren des Kernels eingestellt haben, könnten auch weitere WLAN-Sticks funktionieren. Leider hatte ich keine Gelegenheit das weiter auszuprobieren.

Mein Kauftipp wäre der "TL-WN727N" WLAN-Stick von TP-Link. Dieser hat nämlich genau die gleiche Geräte-ID wie der Stick von TechniSat. Somit sollte er auf jeden Fall funktionieren. Der Stick kostet derzeit 20 Euro weniger als der von TechniSat.

"SiehFern INFO" und "watchmi" - Axel Springer in deinem Wohnzimmer

Der TechniStar Receiver hat auch ein Feature an Board, das mir nicht zugesagt hat. Glücklicherweise kann man dieses aber gänzlich abschalten.
Es heißt "SiehFern INFO" und integriert Inhalte aus dem Hause Axel Springer in den Receiver. Damit kann man sich zum Beispiel Programminformationen der "TV DIGITAL"-Redaktion ansehen. Als ich das ausprobiert habe, startete sich direkt beim ersten Aufruf des Menüs irgendein Werbekurzfilm der Automobilindustrie. Irgendwie muss sich so ein "kostenloses" Feature ja auch rechnen.

Zu SiehFern INFO gehört auch noch "watchmi". Hierbei handelt es sich um eine Software, welche sämtliche Sendungen trackt, die man sich anschaut und die die erfassten Informationen dann an Axel Springer überträgt.
Wenn man mal nicht weiß, was man sich ansehen soll, kann man dann watchmi fragen, was einem gefallen könnte. Je mehr Daten das System zuvor über einen gesammelt hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass man tatsächlich einen Tipp für eine Sendung bekommt, die einem gefällt.

Für diesen Luxus bezahlt man mit seinen Daten. Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, ob er seine Interessen an die Firma übermitteln möchte, die auch für den seriösen Journalismus der Bild-Zeitung zuständig ist. Wer die Funktion aber aktiviert, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die eigenen Daten sicher nicht nur dafür genutzt werden, einem personalisierte TV-Tipps zu präsentieren.

Fazit

Der TechniSat TechniStar S3 ISIO ist meiner Ansicht nach ein guter Satelliten-Receiver mit ausgereiften Smart-TV-Funktionen und vielen weiteren Features. Einige davon erscheinen mir nicht wirklich nutzenswert, aber da haben verschiedene Anwender wohl auch verschiedene Ansichten. Die datenschutzkritische "SiehFern INFO" Funktion ist glücklicherweise nur dann aktiv, wenn man sie bei der Ersteinrichtung anschaltet.
Wer sich das Gerät zulegt und es per WLAN vernetzen möchte, kann ein paar Euro sparen, indem er zu einem preiswerten WLAN-Stick greift.

Geschnatter

1 Kommentar, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Linux Receiver, am 22.05.2017 um 20:57 Uhr
Ein schönes Gerät habe ihn mir auch gekauft, bin sehr zufrieden damit . Für das Schlafzimmer habe ich mir einen Linux Receiver geholt Dreambox 900 UHD diese ist jetzt mein neuer Favorit.