Dshini.net: eine kleine Analyse und etwas Kritik

erschienen in der Kategorie Webdesign, am 16.10.2012
Schnatterente
Dshini.net ist eine Webseite und Online Community, in der man Browsergames spielen und Videos anschauen kann. Für alles was man macht, bekommt man so genannte "Dshins", eine Art virtuelle Währung. Diese Dshins kann man gegen reale Gegenstände eintauschen. Ein Euro entspricht dabei 1000 Dshins. Als User kann man sich über eingebundene Marktplätze, wie z.B. Amazon, Wunschgegenstände aussuchen und dann so lange Dshins sammeln, bis diese finanziert sind. Man kann auch Dshins in die Wünsche anderer User investieren oder an soziale Projekte spenden.

Finanziert wird das Ganze, wie sollte es auch anders sein, durch Werbung. Damit ist die Internetseite voll. Hier und da ein Werbebanner und bei jeder dritten Seite die man lädt, muss man noch ein Werbevideo über sich ergehen lassen.

Gar keine schlechte Geschäftsidee, oder? Die Autoren der Seite haben sich wohl die Frage gestellt, wie man mit Onlinewerbung richtig viel Geld verdienen kann. Das geht nur, wenn man eine große Community hat und diese an sich bindet. Und Leute an sich binden, funktioniert bekanntermaßen am besten, wenn man ihnen etwas vom Kuchen abgibt.

Doch leider bleibt der Spaßfaktor dabei doch ziemlich auf der Strecke. Sich einen Wunsch bei Dshini zu erfüllen dauert sehr lange. Es gilt nicht nur den Kaufpreis des Produktes in Dshins zu erwirtschaften, sondern noch einige Tausend Dshins extra, die einer Bearbeitungsgebühr entsprechen. Will ein Nutzer 500 Dshins an einem Tag erarbeiten, muss er dafür recht viele Aufgaben auf der Dshini Webseite lösen. Ein bis zwei Stunden gehen dabei locker drauf. 500 Dshins entsprechen 50 Cent. Ein guter Stundenlohn sieht anders aus. Dennoch reizt das Prinzip viele Leute, denn man kriegt ja am Ende etwas "geschenkt".

Als Informatiker und Webdesigner finde ich das Dshini-Projekt und dessen Umsetzung sehr interessant. Die komplette Webseite ist darauf ausgelegt, möglichst viel Werbung an den Mann zu bringen. Man hat sich ziemlich viele technische Raffinessen einfallen lassen, um dies zu erreichen. So besteht beispielsweise eine der täglichen Aufgaben darin, verschiedene Banner auf der Webseite zu finden und diese anzuklicken. Um die Aufgabe zu erfüllen, muss man sehr viele Seitenaufrufe auf Dshini auslösen, was zu vielen Werbeeinblendungen führt. Wer einen Ad- oder Flashblocker aktiviert hat, sieht die Banner zumeist nicht, man ist also gezwungen derartige Browserplugins zu deaktivieren.

Zu den täglich zu lösenden Spielen gehört unter anderem ein Memory und ein Spiel namens "Dshinzilla", bei dem man Karten aufdecken muss, unter denen entweder ein Monster oder das Dshini-Maskottchen zum Vorschein kommt. Man muss es so lange spielen, bis es einem gelingt, unter den zehn Karten sechs aufzudecken, die kein Monster enthalten. Beide Kartenspiele kommen bewusst ohne die Verwendung von Ajax aus. Bei jedem Klick auf eine Karte wird die Seite also komplett neu geladen und mit ihr auch neue Werbebanner. Dshinzilla gehört wohl aus Sicht der meisten Dshini-Nutzer zu jener Gruppe von Spielen, die einen absolut wahnsinnig machen können. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit und Hunderte von Seitenaufrufen, bis man das Spiel gewinnt und die Tagesaufgabe somit erfüllt. Entweder der Zufallsgenerator von Dshini ist nicht besonders gut, oder die Webseite gibt die passenden Karten bewusst erst dann aus, wenn man genügend Werbeeinblendungen erzeugt hat (Stichwort: CTR).

Auch an die Weiterverbreitung der Webseite hat man natürlich gedacht. Es ist möglich sich zusätzliche Dshins zu erarbeiten, indem man persönliche Links verteilt. Für jeden Klick auf einen solchen Link erhält man 8 Dshins. Pro Tag werden maximal 30 Klicks gezählt. Wer also täglich seine 240 Extra-Dshins haben möchte, muss stets dafür sorgen, dass 30 Personen (oder IP Adressen) den Link anklicken. So erreicht man neue User und die Vielzahl an verbreiteten Links wirkt sich sicherlich gut auf den Pagerank der Seite aus.

Es gibt auch Punkte, wenn man über die Webseite Flash-Spiele spielt oder Videos anschaut. Um zu verhindern, dass die Dshini-Nutzer einfach ein Video oder ein Game anwerfen und dann den Rechner Rechner sein lassen, müssen in kurzen Abständen Captchas eingegeben werden. Öffnet man die Dshini-Seite in einem zweiten Browser-Tab, um beispielsweise gleichzeitig ein Video und ein Spiel laufen zu lassen, hört die Seite auf die Punkte zu zählen.

Alles in allem hat man bei Dshini sehr viel Arbeit in die Idee gesteckt, Nutzer dazu zu bringen, jeden Tag möglichst lange auf der Internetseite zu verweilen. Sicher rechnet sich das.

Vor einigen Tagen hatte Dshini übrigens den fünften Geburtstag. Zu diesem Anlass versprach man den Nutzern neue tolle Features. Resultat dieses Versprechens ist, dass die Dshini Seite seit Tagen scheinbar vollkommen überlastet ist. Der Server antwortet oft sehr langsam oder man bekommt es gleich mit dem HTTP-Fehler 324 zu tun: "Der Server hat die Verbindung geschlossen. Es wurden keine Daten gesendet.". Am Geburtstag selbst und am Folgetag war die Seite offline, um das Update einzuspielen. Vermutlich aus Angst vor direkter Kritik, hat das Dshini Team auch die Facebookseite vorerst vom Netz genommen. Durch das Update sind einige Flash-Spiele weggefallen, die man täglich absolvieren musste. Jene, bei denen man aber in jedem Spielzug die Seite neu laden muss, sind natürlich geblieben. Überraschenderweise braucht man aber jetzt noch länger, um Dshinzilla zu lösen.

Neu ist auch, dass es nun Dshins dafür gibt, dass man irgendwelche Inhalte (Links und Bilder) über die Seite verbreitet. Dies hat für Dshini wahrscheinlich zweierlei Vorteile. Zum einen ist davon auszugehen, dass die Nutzer vorwiegend Sachen posten und kommentieren, die ihnen gefallen. Man weiß also genauer für was sie sich interessieren und kann darüber schön viele Daten sammeln, die beispielsweise nützlich sind, um kontextsensitive Werbung einzublenden. Zum anderen ist es wohl als ein Versuch anzusehen, Dshini noch stärker zu einer Facebook-ähnlichen Online-Gemeinschaft zu machen, in der man alles Alltägliche postet und mit seinen Freunden diskutiert.

Dshini ist aus meiner Sicht eine geschickte, recht gut durchdachte, aber wohl stellenweise eher mäßig implementierte Online Marketing Idee, die Usern zwar etwas zurückgibt, aber auch ihre Geduld auf die Probe stellt.


UPDATE 05.08.2013: Auf Grund der Kommentare und einiger E-Mails, die ich bekommen habe, habe ich noch einen Artikel über Dshini veröffentlicht.

Geschnatter

26 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 4/4 > >>
Thomas, am 18.02.2014 um 14:27 Uhr
Meldet euch halt einfach ab, wenn ihr nicht zufrieden seid?! NIEMAND ZWINGT EUCH DSHINI ZU BENUTZEN!
LinksspurMaus, am 16.04.2014 um 16:13 Uhr
http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/servicezeit/videovirtuellewaehrungeniminternet100.html
einspruch, am 23.04.2014 um 14:53 Uhr
Ich kann auch nach den Updates bei dshini nur noch empfehlen sich abzumelden und wo anders seine Zeit zu vergeuden.
LinksspurMaus, am 01.05.2014 um 00:45 Uhr
.....und noch besser : man meldet sich bei der staatsanwaltschaft als geschädigter,wenn man von der punkteentwertung zu weihnachten betroffen ist:

Staatsanwaltschaft Erfurt
Rudolfstraße 46,
99092 Erfurt

Aktenzeichen: 960 JS 7373/14
Tintenhexe, am 25.06.2014 um 14:34 Uhr
Ich fand früher Dshini echt toll und hab auch Sachen gekriegt aber jetzt blick ich überhaupt nicht mehr durch und finds auch nicht mehr gut..