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Microsoft veröffentlicht Windows 7 Quellcode

erschienen in der Kategorie Software, am 01.04.2018
Schnatterente
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, mit dem in der Software-Branche wohl niemand gerechnet hätte: Microsoft hat heute Morgen den Quelltext seines Betriebssystems Windows 7 veröffentlicht.

Hintergrund dieser Maßnahme ist, dass sich der Softwarekonzern aufgrund der weltweit zunehmenden Bedrohungen durch Cyberangriffe gezwungen sieht, für mehr Transparenz und Vertrauen in die eigenen Produkte zu sorgen. Gegenüber BBC World News erklärte ein Microsoft-Sprecher:

"Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die Verwendung von Closed-Source-Software in sicherheitskritischen Bereichen generell überdacht werden muss. [...] Microsoft will hier ein Zeichen setzen [...], die Veröffentlichung des Windows 7 Quellcodes wird nur der Anfang sein."

Weiterhin wurde betont, der Konzern arbeite bereits an neuen, offenen und innovativen Businessmodellen, die den Redmondern auch zukünftig eine starke Position im weltweiten Softwaremarkt sichern sollen.

Hintergrund: WannaCry, der Bundeshack und Cyberangriffe

In den vergangenen Monaten waren Microsofts Produkte immer wieder in die Kritik geraten, weil sie, teils über Jahre unentdeckte, gravierende Sicherheitslücken enthielten, welche beispielsweise den Bundeshack und die weltweite Verbreitung der gefährlichen "WannaCry"-Schadsoftware ermöglichten.
Zudem stellte sich heraus, dass einige Lücken auch von Geheimdiensten genutzt wurden, welche sie aufgrund eigener Interessen nicht publik machten und somit auch eine Gefährdung der Bevölkerung wissentlich in Kauf nahmen.

Die Veröffentlichung von Quelltexten ist laut Sicherheitsexperten der beste Weg, derartigen Vorfällen vorzubeugen, da weltweit Tausende Softwareentwickler den Code einsehen und analysieren können und Sicherheitslücken somit schneller gefunden und seltener geheim gehalten werden.

Microsoft hat den Quellcode unter einer eigenen, neuen Softwarelizenz mit Namen "Microsoft Restricted Public Code License" (MRPCL) veröffentlicht. Die Lizenz erlaubt es den Code zu lesen, jedoch sind jegliche Änderungen sowie das Erstellen eigener Software auf Basis des Codes untersagt.

Kritiker werfen dem Konzern unterdessen vor, es handle sich um eine reine Publicity-Maßnahme, da man lediglich die Quelltexte des veralteten Betriebssystems Windows 7 und nicht jene von Windows 10 veröffentlicht habe, das schon seit seinem Erscheinen in der Kritik steht, weil es ohne das Wissen des Nutzers Telemetriedaten an Microsoft überträgt. Microsoft entgegnete inzwischen auf Twitter, man habe den Windows 7 Quellcode publiziert, weil es das aktuell verbreitetste Betriebssystem sei.

Man darf gespannt sein, wie sich die Debatte weiter entwickelt. Seit dem Bundeshack wird auch in Deutschland die Forderung "Public Money, Public Code" immer lauter, welche die Politik dazu auffordert öffentliche Gelder nur noch in Software und Softwareneuentwicklungen zu investieren, welche hinterher auch frei und quelloffen für jedermann verfügbar sind.