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BenQ W700 Reparatur: Flecken im Bild loswerden

erschienen in der Kategorie Technik, am 26.03.2019
Schnatterente
Es ist so ziemlich genau fünf Jahre her, dass ich mir bei eBay einen (damals vom Händler generalüberholten) BenQ W700 Beamer gekauft habe. Das Gerät hat mir all die Jahre gute Dienste geleistet und macht dies immer noch, auch wenn die HD-Auflösung (1.280x720) und die 120 Hz 3D-Funktion nicht mehr ganz dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Aber, auch um der Nachhaltigkeit willen, will ich das Gerät noch nicht ersetzen. Der BenQ tut's ja noch.

Leider hat sich in den letzten Monaten aber ein Problem eingeschlichen, das ich, so lange es irgendwie ging, ignoriert habe. Nun wurde der Leidensdruck dann aber doch so groß, dass ich Hand anlegen musste.

Typisches BenQ W700 Problem: Fleckiges Bild durch Staub in der Beamer-Optik

Das Problem war, dass das Bild meines Beamers seit anderthalb Jahren zunehmend fleckiger wurde. Bei hellen Bildern hat man das gar nicht gesehen, bei dunklen Videosequenzen dafür umso mehr. Die hellen Flecken wurden mit der Zeit immer mehr. Hier mal ein Beispielbild vom BLANK-Modus des Projektors, bei dem dieser nur Schwarz an die Wand wirft:
Unscharfe weiße Flecken im Bild

Man sieht auf dem Foto, dass die Flecken selbst recht unscharf sind und auch außerhalb der eingestellten Projektionsfläche auftauchen. Somit passen sie nicht so recht zur eingestellten Brennweite und kommen wohl eher irgendwo aus dem Bereich der optischen Bauteile als vom Eingangssignal oder der Elektronik.

Von dieser Grundüberlegung ausgehend, habe ich dann mal im Netz recherchiert und musste feststellen, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin. Im Gegenteil, das Fleckenproblem scheint ein sehr typischer Fehler des BenQ W700 zu sein. In einigen Foren spricht man von Konstruktionsfehlern, mancher nennt es sogar geplante Obsoleszenz, weil das Problem bei so vielen Geräten nach dem Ablauf der Garantie auftritt. Ein paar Nutzer berichten, sie hätten ihre Projektoren zum BenQ Support geschickt, wo das Problem behoben worden wäre – bei den meisten kamen die Flecken aber nach einigen Monaten wieder zurück.

Was ich den Diskussionen entnehmen konnte, ist, dass die Ursache der Flecken wohl ist, dass die Optik des BenQ W700 nicht gut genug abgedichtet ist, wodurch Staub ins Innere gelangen kann. Das ist im Wesentlichen auch, was ich schon vermutet hatte.

Da die Gewährleistung für meinen W700 schon seit Jahren abgelaufen ist, war der BenQ Support für mich keine Option. Mit den Flecken leben allerdings auch nicht mehr. Also habe ich mich entschieden, die Sache selbst anzugehen. Wie schwierig kann es schon sein, ein bisschen Staub zu entfernen. ;-)

Und für alle, die mit dem gleichen Problem kämpfen, folgt hier nun mein Disassembly-Abenteuer als bebilderte Anleitung.

BenQ W700 zerlegen und reinigen

Du brauchst für diese OP:
  • einen Satz Schraubendreher, am besten mit magnetischer Spitze (zudem sollten sie nicht zu kurz sein, da einige Schrauben recht tief liegen und somit schwer erreichbar sind)
  • eine kleine Zange, mit der man kleine Bauteile gut und fest greifen kann
  • Druckluftspray oder einen kleinen Kompressor oder einen Mini-Staubsauger mit geringer Saugleistung
  • etwas zum Schreiben, damit du dir während des Zerlegens notieren kannst, welche Schraube an welcher Stelle war (ich kann das nur empfehlen, da BenQ hier viele unterschiedliche Schrauben verbaut hat)
  • ein bis zwei Stunden Zeit (je nach Fingerfertigkeit und Übung im Zerlegen von elektrischen Geräten)

Na dann, auf geht's:

Um zu den optischen Bauelementen des Beamers vorzudringen, muss natürlich erst einmal die Abdeckung ab. Bevor man diese abschrauben kann, muss die Lampe ausgebaut werden. Man findet sie unter dem kleinen Deckel an der Oberseite:
unter der Abdeckung unten links findet man die Lampe des Projektors
Die zugehörige Schraube versteckt sich an der Vorderseite zwischen den Lüftungslamellen:
Schraube zum Lösen der Lampenabdeckung
Die Schraube so weit locker drehen, wie es geht (sie fällt nicht heraus, sondern ist fest mit dem Bauteil verbunden), danach kann man die Abdeckung nach vorn schieben und herausheben:
Öffnen der Lampenabdeckung
Nun hat man freie Sicht auf die Lampe. Die zwei mit den Pfeilen markierten Schrauben löst man ebenfalls (auch diese kann man nicht ganz herausdrehen). Danach einfach die Lampe an deren Griff herausheben. Der Griff ist unter einer kleinen Plastiknase eingeklemmt und kann einfach durch Ziehen (mit leichtem Druck nach rechts) aufgestellt werden.
Lampe ausgebaut
Glückwunsch, du hast die Lampe ausgebaut. Jetzt weißt du schon mal, wie das geht, falls du sie mal tauschen musst. ;-)

Jetzt noch die zwei Schrauben entfernen, die den Gehäusedeckel des Beamers fixieren (unten links und unten rechts im Bild):
Schrauben lösen
Weiter geht's auf der Unterseite des Beamers. Da sind noch vier Schrauben, die ebenfalls die obere Abdeckung fixieren: oben links, oben rechts, unten links und in dem schwarzen Loch in der Mitte des Beamers.
Schrauben auf der Unterseite lösen

Jetzt kannst du die obere Abdeckung des Beamers abnehmen. Sie ist mit ein paar Kunststoffhäkchen gesichert, die aber nicht allzu fest sitzen und quasi von selbst nachgeben. Natürlich sollte man trotzdem aufpassen, dass nichts kaputt geht und ggf. mit dem Fingernagel oder einem Schraubendreher nachhelfen.
Deckel abnehmen
Beim Abheben des Deckels kommt ein Flachbandkabel zum Vorschein, dass mit dem Mainboard verbunden ist und das der Anbindung der Knöpfe an der Oberseite des Beamers dient. BenQ war sehr großzügig, was die Kabellänge angeht, sodass man den Deckel recht bequem abheben kann.
Achtung, Flachbandkabel
Das Kabel ist festgeklemmt. Die Klemme löst du, indem du sie (um 90°) nach oben klappst. Das sollte ohne Gewalt recht gut mit einem Fingernagel zu machen sein. Pass auf, dass du weder das Kabel noch die Klemmvorrichtung beschädigst. Geöffnet sieht die Klemme dann so aus:
geöffnete Klemme für das Flachbandkabel
Später beim Zusammenbauen muss das Kabel einfach wieder bis zum Anschlag in die geöffnete Klemme geschoben werden, danach klappt man diese wieder zu.

Jetzt soll die schwarze Front des Beamers entfernt werden. Hier kommt der Punkt, wo sich ein langer Schraubendreher mit magnetischer Spitze lohnt. Die Schraube sitzt etwas versteckt unten in der Mitte des Beamers:
Fixierungsschraube der Front
Das war die einzige Schraube, mit der dieses Teil befestigt ist. An den Rändern sind aber noch Kunststoffhaken, die es festhalten und die möglichst unbeschädigt bleiben sollten. Ich habe den auf der rechten Seite des Gerätes vorsichtig mit dem Schraubendreher nach innen gedrückt und die Abdeckung dann nach vorn abgezogen. Auf dem Bild ist der Haken zu sehen:
Kunststoffhaken
Nachdem man die Front abgenommen hat, ist sie noch mit einem Kabel mit dem Mainboard verbunden. Dabei handelt es sich um den Infrarotempfänger der Fernbedienung. Damit uns das Teil nicht weiter im Weg ist, ziehen wir den Stecker einfach raus (auf dem Foto der linke Stecker).
Infrarot-Kabel entfernen
Hierzu ein genereller Hinweis: Merk dir (oder fotografiere), wie rum die Stecker angebracht waren, die du abziehst, falls sie nicht schon (wie bei meinem Beamer) eine entsprechende Markierung im Werk bekommen haben.

Jetzt steht der Beamer ohne Frontabdeckung vor dir. Ich habe diesen Moment für erste kleine Reinigungsarbeiten mittels Druckluftspray genutzt. Kann man aber auch später machen.
Beamer ohne Front
Eine kleine Anmerkung:
Nachdem die Frontblende entfernt war, habe ich (etwas übereifrig) versucht, direkt die Optik auszubauen, um mir diese näher anzusehen. Deshalb habe ich deren Schrauben und Anschlusskabel schon an diesem Punkt entfernt. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass man die Optik nicht ausgebaut bekommt, ohne zuvor auch das Mainboard und die darunterliegende graue Metallplatte zu entfernen.
Man könnte die im folgenden gezeigten Schritte zum Lösen der Optik also auch erst später angehen, wenn die betreffenden Teile entfernt sind. Damit meine Fotos aber noch zur Beschreibung passen, zeige ich alles in der Reihenfolge, in der ich den Beamer weiter zerlegt habe. Das Ergebnis ist am Ende das gleiche.


Die Optik ist mit drei Schrauben fixiert, deren Position man den folgenden zwei Fotos entnehmen kann:
Optik: Schrauben lösen
Optik: Schrauben lösen
Vier Kabel verbinden die Optik mit dem Mainboard. Die zwei Flachbandkabel sind wieder mit Klemmen gesichert. Diese werden aber nicht nach oben aufgeklappt, sondern (wie es auf dem Foto bei der rechten, schon geöffneten Klemme zu sehen ist) geöffnet, indem man den äußeren Kunststoff ein Stückchen herauszieht. Mit dem Fingernagel geht das ganz gut.
Klemme geöffnet
Die anderen beiden Stecker sind wirklich nur hereingesteckt und können vorsichtig herausgezogen werden (ja, auch das braune Flachbandkabel).
Stecker herausgezogen
Ich habe als Nächstes noch die zwei Schrauben gelöst, die die Optik mit der grauen Metallplatte verbinden. (Da sich dann, wie oben geschrieben, herausgestellt hat, dass man die Optik so noch nicht ausbauen kann, könnte man diese aber auch später entfernen, wenn man die Platte abschraubt.)
zwei Schrauben lösen
Um an die Optik zu gelangen, müssen das Mainboard sowie dessen Schutzhaube und die graue Metallplatte unter dem Mainboard entfernt werden. Wir beginnen mit der Schutzhaube, welche mit drei Schrauben fixiert ist (eine in der Mitte, zwei unten am Rand).
Schutzhaube entfernen
Jetzt hast du freie Sicht auf das Mainboard und kannst erst einmal alle noch verbundenen Stecker ziehen. Ein geklemmtes Flachbandkabel ist auch wieder dabei:
alle Stecker abziehen
alle Stecker abziehen

Jetzt kann das Mainboard ausgebaut werden. Es wird von den drei im Bild markierten Schrauben gehalten.
Mainboard abschrauben
Nachdem du diese entfernt hast, wirst du dann merken, dass da noch zwei weitere Schrauben sind, mit denen du zuvor nicht gerechnet hast. Und zwar geht es um die kleinen Halteschrauben am VGA-Port, an denen man das VGA-Kabel fixieren kann. Um diese herauszudrehen, habe ich einfach eine kleine Zange benutzt, da ich keinen so kleinen Außensechskantschlüssel zur Hand hatte.
VGA Halteschrauben
Wenn man jetzt versucht das Mainboard anzuheben, merkt man, dass da noch etwas an der anderen Seite zieht. Der Stromversorgungsstecker muss noch gelöst werden. Der saß bei meinem W700 relativ fest, ließ sich aber mit ein bisschen Gefühl dann doch gut abziehen.
Stromversorgung abziehen
Fast geschafft, jetzt muss noch die graue Metallplatte ab. Die zwei Schrauben vorn bei der Optik hatte ich ja zuvor schon entfernt, somit bleiben nur noch die drei am hinteren Rand.
drei Schrauben lösen
So, jetzt haben wir freie Bahn und können die (zuvor schon von den Schrauben befreite) Optik einfach herausnehmen. Im Inneren dieses Corpus Delicti wartet die Ursache der weißen Fleckenbildung auf uns.
ausgebaute Optik
Um die Optik zu öffnen, müssen drei Schrauben gelöst werden, an welche man herankommt, indem man den Zoom- und Schärferegler jeweils so verdreht, dass man freie Sicht auf die Schrauben hat. Bei mir ließen sich zwei der drei Schrauben nicht ganz herausdrehen, zum Zerlegen ist dies aber auch nicht notwendig.
drei Schrauben lösen
drei Schrauben lösen
Nach dem Öffnen offenbart sich uns im hinteren Bereich des Teils ein kleiner Spiegel, welcher bei näherer Betrachtung einige ganz kleine Staubansammlungen aufweist. Dieser Staub ist es, den wir als Flecken an der Wand sehen.
Ich würde davon abraten, die Reinigung dieser empfindlichen Teile mit irgendwelchen Putzmitteln, Tüchern, Wattepads, Wattestäbchen oder Ähnlichem anzugehen. Hier ist Luft das Mittel der Wahl, entweder ein schwacher Staubsauger oder Druckluft. Ich habe ein Druckluftspray verwendet, dass ich aber mit einigem Abstand eingesetzt habe, um mit dem starken Luftstrom nichts zu beschädigen.
Der Feind heißt Staub
Nachdem der Staub weggepustet ist, kann man alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen. Beim Zusammensetzen der Optik sollte man vorsichtig sein, um den Dichtungsgummi nicht beschädigen, sonst hat man später noch mehr Staub in der Optik als zuvor. Und ja nicht zu viel neuen Staub aufzuwirbeln, der dann direkt wieder im Inneren landet! Denn jedes verdammte Staubkorn wird man wunderbar sehen, wenn man es in millionenfacher Vergrößerung an die Wand wirft. ;-)


In meinem Fall war die Aktion übrigens ein voller Erfolg. Sämtliche Flecken sind weg. Ich hoffe, dass das lange so bleibt. Und ansonsten habe ich ja jetzt auch eine Anleitung zur Hand, um die OP beliebig oft zu wiederholen. Mit ein bisschen Übung schaff ich das bestimmt auch in 30 Minuten …

Geschnatter

4 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
M.L., am 26.03.2019 um 16:46 Uhr
Auch wenn ich keinen Beamer habe: Danke für das tolle Tutorial. Wenn es mehr solcher Seiten im Netz gäbe und die Menschen sich die Zeit nehmen würden, ginge es dem Planeten besser.
Rayman, am 26.03.2019 um 19:47 Uhr
Sehr spannender Beitrag. Ich besitze den BenQ W1060, also das gleiche Modell wie der W700 nur als Full-HD-Ausführung. Und bei mir nehmen die Staubflecken seit zwei Jahren langsam zu. Noch ist es bei weitem nicht so schlimm wie bei Deinem Gerät. Und man sieht es wie gesagt nur bei dunklen Stellen. Dennoch nervt mich das, manchmal. Mit dem Öffnen werde ich aber noch eine ganze Weile warten. Jetzt habe ich ja zumindest mal eine Anleitung. Vielen Dank dafür.

Es macht aber schon den Eindruck, dass BenQ hier „bewusst“ bei der Abdichtung spart.
Anonym, am 03.04.2019 um 16:11 Uhr
HUNDERTTAUSEND DANK für dieses Tutorial. Ich habe damit gerade meinen W700 gereinigt, nachdem ich seit VIER JAHREN mit den Flecken gelebt habe.

Hammergeil!
Anonym, am 12.04.2019 um 12:56 Uhr
Super, Danke!