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Schnatterente
Man benutzt seinen Computer, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr und nimmt die funktionierende Technik als natürliche Gegebenheit hin. Und dann, irgendwann, knallt es. Die Festplatte ist im Eimer. Ganz plötzlich. Einfach so.

Sch**ße! Konnte ja keiner ahnen, dass so etwas passieren kann. Und natürlich hat man von den vielen wichtigen Fotos und Daten in all den Jahren nie eine Kopie erstellt.

Tja und dann stehen sie da. Bei uns auf der Matte. Bei uns Informatikern. Mit ihrem Hundeblick. So ging es mir jedenfalls schon fünf Mal dieses Jahr.

Wenn man konsequent wäre, würde man wohl einfach sagen "Mit einem Backup wär das nicht passiert" und die Tür zuschlagen. Aber man ist ja hilfsbereit …

Und weil dem so ist, will ich in diesem Beitrag mal kurz zusammenfassen, welche Arten von Festplattenproblemen der durchschnittliche Nerd zu Hause ganz gut lösen kann und an welcher Stelle es, zumindest für Leute, die keinen Reinraum in ihren Keller gebaut haben, knifflig wird.

Es folgt nun also eine Sammlung von Tipps und Erfahrungswerten, die man, wenn das Kind mal wieder in den Brunnen gefallen ist, gern aufgreifen darf. Ich setze dabei voraus, dass man in der Lage ist, eine Linux-Kommandozeile zu bedienen. Auf kommerzielle Klickibunti-Software werde ich nicht weiter eingehen. Die kann in der Regel auch nichts, was die im Folgenden genannte Open-Source-Software nicht auch könnte. Und damit das hier nicht als Roman endet, werde ich auch nur einige wenige Anwendungsfälle aufzeigen und versuchen dabei die wichtigsten Tools zu benennen. Die meisten Programme können weit mehr, als das, was hier gezeigt wird. Lest die Manpages oder sucht im Internet nach ausführlicheren Anleitungen für euren Problemfall!

Ich fange mal bei gelöschten Dateien an und arbeite mich dann über Dateisystemfehler zu "echten" Hardware-Defekten vor. Let's go.

Vorbereitung: Datenträger-Image mit dd erstellen

Ich empfehle für die meisten Datensicherungsmaßnahmen, aber insbesondere wenn man es mit Festplatten zu tun hat, die am Rande des technischen Versagens stehen, ein Image des Datenträgers anzulegen und die Datenrettung mit diesem durchzuführen, anstatt die echte Festplatte zu verwenden. Somit geht man der Gefahr aus dem Weg, (aus Versehen) auf die Festplatte zu schreiben und damit vorher gelöschte, aber auf dem Datenträger noch vorhandene Daten endgültig zu vernichten, indem man sie überschreibt. Im Falle von Festplatten, die kurz vor dem Totalausfall stehen, verschafft man sich damit auch die benötigte Zeit, um sich das Fehlerbild in Ruhe anzusehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können. Denn je länger sie laufen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Tod eintritt.

Ein Datenträgerabbild erstellt man zum Beispiel mit dd:
dd if=/dev/sdb of=/home/user/sdb.img bs=64K conv=noerror,sync status=progress

Das Kommando kopiert den kompletten Datenträger /dev/sdb in das Abbild /home/user/sdb.img.

Eine wichtige Datei gelöscht - wie reagieren?

Kein physischer Festplattenschaden, aber dennoch ein häufiges Problem: Irgendwer – meist war es jemand anderes (!) – hat eine wichtige Datei gelöscht.

Oft lassen sich gelöschte Dateien wiederherstellen, denn die meisten Betriebssysteme löschen sie nicht wirklich vom Datenträger, sondern entfernen lediglich die zur Datei gehörenden Verwaltungsstrukturen aus dem Dateisystem. Das heißt die Datei liegt noch unverändert auf dem Datenträger, wird im Betriebssystem aber nicht mehr angezeigt.
Solange dieser Zustand besteht, ist die Wiederherstellung der Datei meist problemfrei möglich. Problematisch wird es dann, wenn das Betriebssystem eine neue Datei schreiben will und sich dafür jene Stelle aussucht, an der die zuvor gelöschte Datei liegt. Durch das (ggf. auch nur teilweise) Überschreiben dieses (aus Betriebssystemsicht freien) Speicherbereiches wird die Wiederherstellung unmöglich gemacht.

Daher gilt: Je weniger freier Speicherplatz verfügbar ist, je mehr Zeit zwischen dem Löschen der Datei und dem Wiederherstellungsversuch liegt und je mehr Anwendungen man zwischenzeitlich benutzt hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Datei retten lässt.
Wenn man merkt, dass man gerade eine wichtige Datei gelöscht hat, sollte man folglich sofort reagieren, um die Chance zu erhöhen, dass sie sich wiederherstellen lässt. Der Rechner muss schnellstmöglich abgeschaltet werden. Den Computer, auch ohne offene Anwendungen, laufen zu lassen, kann sich schnell rächen, denn auch Betriebssysteme und im Hintergrund ausgeführte Programme schreiben hin und wieder Daten auf die Festplatte. Kommt Windows beispielsweise auf die Idee, mal eben ein größeres Update herunterzuladen, kann es das schnell gewesen sein mit der erfolgreichen Datenrettung.
Was die Art des Abschaltens angeht, scheiden sich die Geister. Ich selbst bin da tatsächlich ein Freund der Zieh-den-Stecker-Variante, denn auch beim Herunterfahren schreiben Betriebssysteme oft Daten auf die Festplatte. Allerdings kann sich das natürlich rächen – zum Beispiel wenn man dem Computer genau in dem Moment den Strom wegnimmt, in dem er etwas auf die Festplatte schreibt. Wie bei allen Tipps auf dieser Webseite gilt daher: Nachmachen auf eigene Gefahr!
Ein etwas "softerer" Ansatz ist, den Rechner in den Stand-By-Modus zu versetzen und dann den Stecker zu ziehen. Aber ACHTUNG: Mit Stand-By meine ich hier Suspend-to-RAM. Wer Suspend-to-Disk aktiviert, schreibt erst mal fleißig Daten auf die Platte – eine ganz schlechte Idee.

Gelöschte Dateien wiederherstellen

Um einzelne gelöschte Dateien wiederherzustellen, bietet sich die Verwendung von testdisk an.
# testdisk /dev/sdb

startet Testdisk und beschränkt die Festplattenauswahl im Menü auf den Datenträger /dev/sdb. Das ist ganz ratsam, wenn man vermeiden möchte, aus Versehen mal auf der falschen Festplatte zu arbeiten. Natürlich kann man hier auch auf das vorher kopierte Datenträger-Image verweisen.

Testdisk
Testdisk selbst bedient man einfach mit den Pfeil-, der Enter- und ggf. weiteren in der Oberfläche angegebenen Tasten.

Nach der Auswahl des Datenträgers und der Art der Partitionstabelle (die in der Regel korrekt vorausgewählt ist), navigiert man ins "Advanced"-Menü und markiert mit den vertikalen Pfeiltasten jene Partition, auf der man zuvor versehentlich die gesuchte Datei gelöscht hat. Mit den horizontalen Pfeiltasten geht man zum Menüpunkt "Undelete" und bestätigt die Eingabe mit der Enter-Taste.

Nun erhält man, je nachdem um was für ein Dateisystem es sich handelt, eine Auflistung aller gelöschten Dateien samt vollständiger Dateipfade oder man sieht die Inhalte des Wurzelverzeichnisses der Partition und kann sich, wie in einem herkömmlichen Dateibrowser, frei durch die Verzeichnisse bewegen. Im zuletztgenannten Fall sind auch nicht gelöscht Dateien sichtbar, die gelöschten Files sind an ihrer roten Farbe zu erkennen.

Hat man gefunden, wonach man sucht, drückt man, wie im unteren Bereich der Oberfläche angegeben, auf die "c"-Taste, woraufhin Testdisk einen bittet, das Zielverzeichnis für die Dateirettung anzugeben. Also navigiert man zu diesem und bestätigt die Eingabe erneut mit der "c"-Taste, woraufhin Testdisk die Datei (oder das was davon übrig ist) in den gewählten Ordner kopiert.

Natürlich kann Testdisk auch mehrere Dateien auf einmal retten, dazu einfach die Anmerkungen innerhalb der Programmoberfläche beachten.

Gelöschte Partition oder Partitionstabelle wiederherstellen

Na wer hat denn da versehentlich den falschen Datenträger gelöscht? :-)

Testdisk hilft auch bei verloren oder kaputtgegangenen Partitionen. Unter dem Menüpunkt "Analyse" kann man den Datenträger nach verloren gegangenen Partitionen durchsuchen und diese, falls sie denn aufgefunden werden, wieder in die Partitionstabelle schreiben lassen. Bevor man ein "Quick Search" und danach gegebenenfalls auch noch ein viel länger dauerndes "Deeper Search" laufen lässt, sollte man aber ein Backup der aktuellen Partitionstabelle erstellen.

Ob man mit dieser Funktion wieder an seine Daten kommt, hängt sehr davon ab, was man zuvor angestellt hat. Wer die Partitionstabelle seines Datenträgers kaputtgemacht hat, wird damit wahrscheinlich Erfolg haben. Wer unter Windows seine NTFS-Partition formatiert hat, eher nicht.

Dateien von formatierter Festplatte retten

Hat man seine Festplatte "schnell" formatiert und will seine Daten wieder haben, dann empfehle ich PhotoRec zur Wiederherstellung. (Wer den Datenträger richtig formatiert, also komplett mit Nullen überschrieben, hat, dem ist nicht mehr zu helfen. ;-))

PhotoRec ist aus meiner Sicht das Tool zur Datenwiederherstellung. PhotoRec stellt nämlich so ziemlich Alles wieder her, was sich irgendwie wiederherstellen lässt – sogar Daten, die es zuvor nie gegeben hat!

Dazu nimmt sich PhotoRec den Datenträger her und untersucht ihn einmal komplett von vorn bis hinten. Jedes einzelne Byte der Festplatte schaut sich die Software dabei an. Sie sucht nach Resten von Dateisystemen und nach bekannten Dateistrukturen (Header, Footer, etc.), mit deren Hilfe sich Dateien wiederherstellen lassen. Das Programm, das ursprünglich für die Rettung gelöschter Bilder konzipiert wurde, kennt inzwischen über 200 Dateiformate.

Das Vorgehen von PhotoRec ist hocheffektiv und null effizient. ;-)
Soll heißen: PhotoRec braucht im Zweifelsfall mehrere Tage um die Daten von einer mehreren Terabyte großen Festplatte wiederherzustellen – dafür hat man dann aber meist auch alle Dateien zusammen, die sich auf dem Datenträger noch finden ließen.

Je nach Dateisystem und mit viel Glück stellt PhotoRec dabei sogar noch einige Dateinamen wieder her. In der Regel erhält man als Ergebnis der Datenrettung aber eine Vielzahl an Ordnern, welche die wiederhergestellten Daten einfach in jener Reihenfolge enthalten, in der sie auf dem Datenträger zum Vorschein kamen. In Abhängigkeit davon wie und wie lange man die Festplatte zuvor benutzt hat, ist man also mit einem großen Datenchaos konfrontiert. Die früheren Dateinamen und die Ordnerstrukturen sind meist nicht mehr vorhanden.
Das Chaos wird auch noch dadurch verstärkt, dass PhotoRec natürlich nicht zwischen kürzlich versehentlich und früher absichtlich gelöschten Dateien unterscheiden kann. Somit findet man unter den wiederhergestellten Dateien auch solche, die man vor längerer Zeit entfernt hat und möglicherweise auch Duplikate oder frühere Versionen aktueller Dateien. Einige der Files werden sich auch nicht mehr öffnen lassen, da hiervon nur noch Fragmente übrig waren. Und, wie oben schon angedeutet: Der Datensalat enthält meist auch Dokumente, die es nie gab. Diese entstehen, wenn PhotoRec beim Scannen der Festplatte zufällig Informationen auffindet, die so aussehen, als würden sie zu einer Datei gehören, obwohl dem gar nicht so ist.

Wer PhotoRec zur Datenrettung benutzt, der erhält meist alle Daten wieder, die noch auf der Festplatte liegen. Allerdings können das enorm viele sein und man sollte sich eine geeignete Strategie überlegen, um den Datenwust zu sortieren. Ein geschickter Umgang mit der Suchfunktion des Datei-Explorers ist da schon einmal ein guter Anfang.
Wer die Festplatte mit seinen Fotos gelöscht hat und diese gern wieder in die richtige Reihenfolge bringen würde, dem kann zudem das Programm AmoK Exif Sorter 2 helfen, welches die Fotos anhand der Zeitstempel in den EXIF-Daten sortieren kann – vorausgesetzt natürlich, die Kamera hat solche gespeichert.

PhotoRec wird genau wie TestDisk von CGSecurity entwickelt und lässt sich in ähnlicher Art und Weise bedienen:
# photorec /dev/sdb

Über das Programm-Interface hat man beispielsweise die Möglichkeit, einzuschränken, welche Dateitypen man wiederherstellen möchte. Zur Chaos-Minimierung sollte man diese Funktion auf jeden Fall nutzen.


Es gibt auch noch eine Alternative zu PhotoRec: Foremost. Foremost arbeitet ähnlich wie PhotoRec, legt die gefundenen Dateien aber nach Dateitypen sortiert ab. Die Anwendung unterstützt nicht ganz so viele Dateiformate wie PhotoRec, dafür ist das Wiederherstellungsergebnis etwas aufgeräumter.

Der Befehl
# foremost -t all -i /dev/sda1

durchsucht die Partition 1 des Datenträgers /dev/sda nach wiederherstellbaren Dateien und kopiert diese in das Verzeichnis "output", welches Foremost in jenem Ordner anlegt, in dem man sich innerhalb der Bash gerade befindet.


Zuguterletzt sei auch noch auf das Programm HFS+ Rescue hingewiesen, das sich auf die Datenwiederherstellung von Apples HFS+-Partitionen spezialisiert. Mit diesem schafft man es in mehreren Schritten meist auch, die Dateinamen und Verzeichnisstrukturen zu retten.


Im Wesentlichen waren das die wichtigsten Eckpunkte, die mir spontan zur Wiederherstellung von Daten von funktionierenden Datenträgern einfallen. Im Folgenden will ich noch kurz aufzeigen, wie so die Chancen stehen, wenn man es wirklich mit einem Hardwaredefekt zu tun hat.

Festplattendefekte früh erkennen

Oben habe ich bereits angeführt, dass man besonders vorsichtig im Umgang mit Festplatten sein sollte, die kurz vorm Totalschaden stehen. Dabei bin ich euch aber die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, woran man denn überhaupt erkennt, dass eine Festplatte bald ablebt.

In vielen Fällen kündigt sich der Festplattentod durch seltsame Geräusche an, die durch die bereits geschädigte Mechanik im Inneren verursacht werden, beispielsweise "hakende" oder "klackende" Geräusche, Motoren, die mehrere Anläufe brauchen, um zu starten, oder die im Betrieb einfach ausgehen und dann wieder anlaufen. Natürlich sind diese akustischen Phänomene oft auch mit Zugriffsproblemen verbunden. Ein-/Ausgabe-Fehler treten auf, Dateien lassen sich nicht öffnen oder speichern oder die Zugriffe dauern sehr lang, weil sie erst nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen funktionieren.

Unabhängig davon lohnt sich natürlich auch immer ein Blick in die S.M.A.R.T.-Daten des Datenträgers. In diesen speichert die Festplatte einige statistische Informationen zum eigenen Gesundheitszustand. Um schnell und ohne längere Testläufe einen Hinweis darauf zu bekommen, ob es der Festplatte technisch noch gut geht, verwendet man das Kommando smartctl (aus den smartmontools) mit dem -H-Parameter:
# smartctl -H /dev/sdb

Im besten Fall steht dann in der Ausgabe:
=== START OF READ SMART DATA SECTION ===
SMART overall-health self-assessment test result: PASSED


Weitere Informationen zur Verwendung von smartctl findet man zum Beispiel hier, in der Dokumentation der Linux-Distribution Ubuntu.

ACHTUNG: Die S.M.A.R.T.-Daten lassen sich nicht über USB-SATA-Brücken auslesen. Das heißt, man sollte die zu untersuchende Festplatte nicht in einem externen Festplattengehäuse über USB, sondern direkt via Serial-ATA anschließen.

Hardwaredefekt: Im Zweifelsfall Profis ranlassen

Ist die Festplatte wirklich defekt, muss man sich erst einmal die Frage stellen, wie wichtig einem die Daten sind, die auf ihr liegen. Lautet die Antwort unermesslich wichtig, sollte man selbst eher die Finger von ihr lassen, weil man, bei allem was man tut, auch die Gefahr eingeht, dass sich die Lage noch verschlimmert. Professionelle Datenrettungsfirmen sind in der Lage defekte Festplatten im Reinraum zu öffnen und die Daten auszulesen. Das kostet natürlich ordentlich viel Geld, dafür hat man aber auch die höchste Chance, seine Daten wiederzusehen.

Ein-/Ausgabe-Fehler beim Kopieren

Beschädigte Festplatten neigen zu I/O-Fehlern, die dazu führen, dass sich Daten nicht mehr kopieren lassen. Meist bricht dadurch auch der komplette Kopierbefehl ab. Um wenigstens jene Daten zu kopieren, die sich noch irgendwie kopieren lassen, kann man folgenden Copy-Befehl nutzen:
cp -Rfv Quelle Ziel

Es empfiehlt sich mit den wichtigsten Dateien anzufangen und sich zu den weniger wichtigen vorzuarbeiten, da man nie wissen kann, ob und wann die Festplatte den Geist aufgibt.

Wer versuchen will den ganzen Datenträger noch zu kopieren, sollte dafür nicht dd verwenden, sondern ddrescue:
# ddrescue /dev/sdb sdb.img log.log

Der Befehl erstellt ein Image sdb.img vom Datenträger /dev/sdb und erstellt eine Logdatei für den Kopiervorgang namens log.log.

Der Unterschied zwischen dd und ddrescue besteht darin, dass ddrescue extra dafür entwickelt wurde, mit Ein-/Ausgabe-Fehlern umgehen zu können und diese so gut es nur geht zu korrigieren. Wie dd kann man natürlich auch ddrescue dafür benutzen, nur einzelne Dateien zu kopieren, statt des gesamten Datenträgers.

Festplatten-Controller defekt (PCB Tausch)

Wenn die Festplatte gar nicht mehr vom PC erkannt wird und/oder keine Geräusche mehr von sich gibt, dann liegt oft kein mechanisches Problem vor, sondern ein Schaden des Festplatten-Controllers, dem sogenannten PCB (Printed Circuit Board), auf dem das BIOS der Festplatte untergebracht ist. Diese kleine Platine an der Unterseite der Festplatte, an der sich auch die Anschlüsse befinden, lässt sich in einigen Fällen tatsächlich im Alleingang zu Hause reparieren. Gegebenenfalls setzt dies aber Lötkenntnisse voraus.

Das Erste, was man ausprobieren kann, um die Festplatte wieder zum Leben zu erwecken, ist die Platine abzuschrauben und zu überprüfen, ob die Kontakte zwischen Platine und Festplattengehäuse korrodiert sind. Manchmal führt dies zu Fehlern. Zur Entfernung der Platine benötigt man in der Regel einen Torx-Schraubendreher. Auf der Platine sind meist kleine, flache, silberfarbene Flächen zu sehen, die am Festplattengehäuse befindliche Kontakte berühren. Diese Flächen kann man vorsichtig mit einem Radiergummi polieren. Danach baut man die Platine wieder an die Festplatte und überprüft, ob diese nun wieder funktioniert. In ganz seltenen Fällen führt dieser kleine Trick tatsächlich schon zum gewünschten Erfolg.

Ist dies nicht gegeben, so gilt es zu prüfen, ob man die Platine austauschen kann.
Bei recht alten Festplatten von Fujitsu, Maxtor, Hitachi, Samsung und Seagate (Barracuda) kann man das PCB-Board einfach austauschen und die Festplatte sollte wieder funktionieren. Solche Festplatten sind allerdings kaum noch im Umlauf.
Bei Festplatten von Western Digital, Toshiba sowie neueren von Samsung, Hitachi, IBM und Seagate (F3) kann man die Platine austauschen, muss aber den oder die ROM-Chip/s vom alten Board herunter- und auf das neue Board auflöten.
Bei noch neueren Festplatten (vor allem von Toshiba und Western Digital) fehlt der ROM-Chip, weil er mit in den Controllerchip integriert wurde. In diesem Fall kann einem nur noch eine Datenrettungsfirma helfen.

Wenn man wirklich einen Austausch des PCBs vornehmen will, dann braucht man hierfür erst einmal ein möglichst identisches Spenderlaufwerk. Man sollte (zum Beispiel bei eBay oder speziellen PCB-Shops) nach einer Festplatte suchen, die mit der gleichen Firmware-Version daher kommt. In der Regel ist dies bei Festplatten gegeben, die aus dem gleichen Werk kommen und deren Produktionsdatum dicht beieinanderliegt. Die entsprechenden Daten stehen in der Regel auf dem Aufkleber des Datenträgers.

Ich habe das erst kürzlich mit einer Festplatte von Western Digital gemacht, deswegen kann ich sogar ein paar Bilder liefern. (Zum Öffnen der Galerie bitte auf das Foto klicken.)

In diesem Fall war es ein PCB mit aufgelötetem ROM-Chip. Da dieser wichtige Informationen enthält, ohne die die Festplatte nicht lauffähig ist, muss man den Chip, wie schon geschrieben, vom alten Board entfernen und auf das neue Board auflöten. Den ROM-Chip erkennt man in der Regel an seinen acht Beinen und daran, dass er mit einer Kennzeichnung markiert ist, die mit der Zahl "25" beginnt.

Zum Ablösen des Chips von der alten Platine empfiehlt sich der Einsatz einer Heißluftpistole und einer Pinzette. Damit geht's wesentlich einfacher als mit dem Lötkolben. Mit den gleichen Mitteln kann man den Chip auch wieder verlöten, wobei das wiederum mit dem Lötkolben präziser machbar ist.

Defekte Mechanik und andere Hardwareschäden

Wenn es nicht gerade das PCB-Board ist, das einen Defekt hat, kann man eigentlich fast nichts mehr machen, um seine Daten zu retten. Fehler der Mechanik lassen sich nur beheben, indem man die Festplatte auseinanderbaut und dafür braucht man einen Reinraum und das entsprechende Fachwissen.
An diesem Punkt muss man sich entweder damit abfinden, dass die Daten weg sind oder ein paar Hundert (bis Tausend) Euro in die Hand nehmen und Leute beauftragen, die sich hauptberuflich mit Datenrettung beschäftigen.

Defekte Festplatte im Gefrierfach

Wenn keine der genannten Methoden zur Wiederbelebung der defekten Festplatte funktioniert und man kein Geld für die Datenrettung ausgeben will, dann hat man auch nichts mehr zu verlieren. In diesem Fall – und wirklich nur in diesem Fall – kann man die Gefrierfach-Methode anwenden. Sie ist in der Regel zur Datenrettung von älteren Festplattenmodellen nützlich, welche noch vom PC erkannt werden, aber nicht mehr sauber anlaufen und nur noch klackende Geräusche von sich geben.
Man nehme die Festplatte, packe sie in zwei fest verschlossene, luftdichte Gefrierbeutel und lege sie für mindestens zwölf Stunden ins Gefrierfach. Danach holt man die Festplatte wieder heraus und schließt sie möglichst schnell an den PC an. Mit ein bisschen Glück läuft sie nun an und man kann seine Daten kopieren. Dabei sollte man, wie immer, mit den wichtigsten Dateien anfangen, denn in der Regel wird die Festplatte wieder den Geist aufgeben, wenn sie eine gewisse Temperatur erreicht hat. Falls es funktioniert, kann man den Vorgang so oft wiederholen, bis der Datenträger entweder völlig hinüber ist oder man selbst irre von der Aktion wird. ;-)
Dieser Ansatz kann funktionieren, muss er aber nicht. Und im schlimmsten Fall kann es sein, dass man die Festplatte damit noch mehr kaputtmacht. Ich habe euch gewarnt.


So, das war nun die Kurzfassung dessen, was mir spontan zum Thema Datenrettung einfällt. Wer Fragen zum Thema hat, möge sie gern stellen und wer noch weitere gute Tools kennt, möge seine Tipps ebenfalls gern in einem Kommentar loswerden!

Geschnatter

3 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Peter Freising, am 18.11.2017 um 12:43 Uhr
Hallo Schnatterente!
Ich verfolge dein Blog seit einigen Monaten und wollte einfach einmal Danke sagen, für die vielen ausführlichen und informativen Beiträge. Auch wenn ich gerade keine Festplatte zum Reparieren da habe, war es äußerst informativ diesen Beitrag zu lesen.

Also vielen Dank und weiter so.

Grüße
Peter
Antwort: Vielen Dank für die netten Worte und viele Grüße zurück.
Jutta, am 18.11.2017 um 23:59 Uhr
Hallo Schnatterente,

was für ein Zufall. Eigentlich hatte ich gar keine Hoffnung, die selbst geschrotteten Dateien wieder herzustellen. Aber gewurmt hat es halt doch.
Und als ich mich nun doch noch nach Hinweisen zur Datenrettung umsehen wollte, kam promt dieser tolle Artikel von Dir.

Ganz dickes Dankeschön. Hat prima geklappt.
cu
Jutta
Freak, ey, am 23.11.2017 um 09:14 Uhr
Datenrettungstools ok, aber an der Festplatte rumlöten? Das ist schon ganz schön abgespaced.