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Gebrauchtes Notebook: ThinkPad W530 von GreenPanda im Test

erschienen in der Kategorie Technik, am 23.12.2017
Schnatterente
Diejenigen von euch, die mein Blog schon seit Längerem verfolgen, wissen, dass ich versuche meinen eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten – zumindest an jenen Stellen, an den sich das mit einem vertretbaren Aufwand machen lässt.

Dazu gehört für mich auch, dass ich beim Kauf von Technik und Hardware genau hinschaue, was ich da kaufe, und versuche die Geräte dann möglichst so lange zu benutzen, bis es nicht mehr geht. Gerade als Informatiker wird man da natürlich oft schief angeschaut, auch von Kollegen, die sich jedes Jahr mit der neuesten Hardware eindecken. Aber auf eine Diskussion über das Klima, faire Arbeitsbedingungen und seltene Erden aus Kriegsgebieten haben sie dann auch keine Lust. Schön ist das Leben in der Ersten Welt …

Vor nunmehr sieben Jahren habe ich mir meinen Dell Vostro 3700 Laptop gekauft, ein Business-Notebook mit allerlei Anschlussmöglichkeiten und einem Intel Core i5 Moblie Prozessor der ersten Generation. Das 17 Zoll große Gerät war von Anfang an eher als Desktop-PC-Ersatz gedacht, viel umhergetragen habe ich es nie.

Nach all den Jahren läuft die Kiste immer noch, doch gerade wenn man Gentoo Linux verwendet und alle Programme selbst kompiliert, merkt man der CPU doch sehr deutlich an, dass sie nicht mehr wirklich up to date ist. Dazu kommt noch, dass kürzlich ein paar Plastikhaken im Displaygehäuse gebrochen sind. Nun löst sich der Rahmen vom Display und beim Auf- und Zuklappen ist immer ein wirklich bösartig klingendes Knackgeräusch zu hören.

Bei aller Liebe zur Nachhaltigkeit, da muss dann wohl doch mal wieder etwas Neues her.

Ein neues Notebook?

Nein, ganz so drastisch vielleicht dann doch nicht. ;-)

Nach längerer Überlegung, welches Modell denn mein neues Notebook werden könnte, kam mir der Gedanke, dass ich ja nun jahrelang mit veralteter Hardware gearbeitet habe und damit eigentlich ganz gut zurecht kam. Warum also nicht auf Technik zurückgreifen, die zwar neuer ist als der sieben Jahre alte Dell-Laptop, aber eben auch nicht ganz aktuell? Wenn man sich den Preisverfall moderner Rechnertechnik so anschaut, ist doch ohnehin fraglich, wie sinnvoll es ist, Neuware zu kaufen. Nach einem Jahr ist die ja oft nur noch die Hälfte wert. Und wenn man ohnehin schon mit Nachhaltigkeit argumentiert, ist es da nicht der logischste Schritt eben kein neues Gerät zu kaufen?

Wie das Leben manchmal so will, entstand genau in dieser Phase der Überlegungen zufällig ein Kontakt zu einem Mitarbeiter von GreenPanda.de. Das ist der Online Shop der GSD Remarketing GmbH & Co. KG aus Sulzemoos bei München. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, gebrauchte Hardware anzukaufen, sie zu überprüfen, zu reinigen und sie dann wieder an Endkunden zu verkaufen.
Nun gibt es so einige Firmen auf dem deutschen Markt, die diesem Konzept nachgehen und mit gebrauchten Notebooks ist es ein bisschen wie mit gebrauchten Autos: Wenn man nicht die Katze im Sack kaufen will, muss man sehr gut aufpassen. Ich habe in der Vergangenheit immer mal wieder Geschichten von unseriösen Hardwarehändlern mitbekommen, die vollkommen abgerockte Geräte ausliefern und diese dann nicht mehr zurücknehmen oder reparieren wollen. Genau wegen solcher Storys sollte man sich vorm Kauf von Refurbished-Hardware ganz genau anschauen, was für Qualitäts- und Garantieversprechen die Händler machen.
Bei den grünen Pandas sehen die aber ziemlich gut aus. Man bekommt ein ganzes Jahr Garantie (statt wie üblich nur Gewährleistung) auf die Rechner und die Geräte werden in 1. und 2. Wahl unterteilt, wobei, laut meinem Bekannten bei der Firma, schon alles, was kleine Kratzer hat, unter 2. Wahl fällt. Sehr penibel.
Zudem tragen die Geräte noch ein Qualitätssiegel "Reteq", das für einen besonders hohen Standard stehen soll. Da das Siegel von der Firma selbst erfunden wurde, sollte man zwar von blindem Vertrauen absehen, aber immerhin vertreibt beispielsweise auch Conrad in seinem Gebraucht-Hardware-Shop Rechner, die das Siegel tragen.

Kurzum, das Ganze hat auf mich einen seriösen Eindruck gemacht und so haben wir nach einigen Mails und Nachfragen vereinbart, dass mir die Pandas ein Notebook zukommen lassen.

Lenovo ThinkPad W530 - mein erstes gebrauchtes Notebook

Ich habe mich für einen Markenwechsel entschieden und mir ein gebrauchtes Lenovo ThinkPad schicken lassen. Um genau zu sein, habe ich mir ein ThinkPad W530 ausgesucht. Das "W" steht für "Workstation" und wie der Name vermuten lässt, handelt es sich hier wieder um ein Notebook aus der Kategorie Desktop-PC-Ersatz und eher nicht um ein Modell, dass man dauernd mit sich umherträgt. Da ich viel programmiere, virtualisiere und, wie oben schon erwähnt, kompiliere, habe ich mich für den Laptop mit der dicksten CPU entschieden. Außerdem war mir wichtig, dass ich viel RAM einbauen kann. Im W530 steckt nun ein Intel i7 Quadcore 3720QM, der bis zu 32 GB Arbeitsspeicher verwalten kann (geliefert wurde das Lenovo mit 8 GB RAM). Außerdem ist eine Nvidia Quadro K2000M Grafikkarte mit 2 GB dediziertem Speicher verbaut.
Lenovo hat das Modell von Juni 2012 bis August 2014 produziert. Somit ist mein neuer Laptop also drei bis fünf Jahre alt, wobei die verbaute Ausstattung eher für ein spätes Produktionsdatum spricht.

Gebrauchtes ThinkPad: optischer Eindruck und Sauberkeit

Das Notebook wurde sicher verpackt in einer cleveren, für alle möglichen Notebooks geeigneten, aber stoßsicheren Verpackung mit dem groß aufgedruckten Reteq-Logo geliefert. Nach dem Auspacken habe ich es mir erst mal genau im Tageslicht angesehen und war wirklich positiv überrascht. Aufgrund der hoch angelegten Qualitätsversprechen war ich mutig und habe mich für ein 2.-Wahl-Gerät entschieden. Das gelieferte W530 hat minimalste Kratzer auf dem Deckel. Ansonsten sieht der Laptop aus wie neu. Ich hätte es anstandslos auch als 1. Wahl akzeptiert.

Auch was die Sauberkeit angeht, gibt es kaum Grund zu meckern. Entweder der Vorbesitzer hat im Reinraum gearbeitet oder die Pandas wissen, wie man putzt. (Fellreste habe ich übrigens auch keine gefunden. ;-))

Da ich gleich noch ein RAM-Upgrade durchführen wollte, habe ich auch hier und da mal das Gehäuse aufgeschraubt. Aber auch im Inneren ließ sich kaum Staub finden.

(Zum Öffnen der Galerie bitte auf das Foto klicken.)

Gebrauchtes ThinkPad: Hardware-Qualität

Da der optische Eindruck so gut war, habe ich als Nächstes gleich mal eine Linux-Boot-CD eingeworfen, um mir auch gleich ein Bild von der Hardware-Qualität zu machen. Besonders hat mich dabei interessiert, wie viel Verschleiß das Notebook schon auf dem Buckel hat. Leider ist es mir nicht gelungen herauszufinden, wie viele Betriebsstunden es bisher lief, da die Originalfestplatte nicht mehr im Gerät verbaut war. Vor einigen Monaten hat der Vorbesitzer diese wohl gegen die Samsung EVO 850 SSD mit 250 GB Speicher ausgetauscht, mit der ich das Notebook bekommen habe. Dementsprechend konnte ich anhand der auslesbaren S.M.A.R.T.-Daten nicht wirklich ermitteln, wie lange der Rechner lief. Ich weiß nur, dass die SSD 2.856 Stunden auf dem Betriebszeitenzähler stehen hat und dass sie erst Mitte 2016 produziert wurde.
Für Freunde der sinnfreien Rechnerei: Wenn man davon ausgeht, dass die SSD neu war, als sie in das Notebook eingebaut wurde, und dass ein Arbeitstag 8 Stunden hat, dann lief die SSD 357 Arbeitstage. In Anbetracht des jungen Alters der SSD und unter Berücksichtigung von Urlaubstagen und Wochenenden kann man davon ausgehen, dass mein Vorbesitzer das Notebook also intensiv genutzt hat.
Genauso gut wäre es aber möglich, dass GreenPanda die SSD erst bei der Aufbereitung des Notebooks eingebaut hat und diese aus einem ganz anderen Computer stammt. Wer weiß, wer weiß …

Ein anderer interessanter Punkt beim Ankauf gebrauchter Notebooks sind natürlich immer die Akkus. Hat man viel Glück, hat man das Notebook von einem Vorbesitzer erwischt, der die Lithiumzellen pfleglich behandelt hat. In Anbetracht der Tatsache, dass mein W530 mindestens drei Jahre alt ist, bin ich, was das angeht, mit dem Ergebnis eigentlich ganz zufrieden. Die Batterie hat noch eine Kapzität von 51,5%. Im normalen Betrieb reicht das noch für anderthalb bis zwei Stunden Arbeit.

Da das Notebook gut gereinigt wurde, funktioniert auch das Kühlkonzept sehr gut. Während ich diesen Artikel schreibe, sind die Lüfter komplett aus, was äußerst angenehm ist. Quäle ich die vier Kerne mit acht rechenintensiven Threads, dann hat man hingegen das Gefühl, die Lenovo Workstation hebt gleich ab. Aber so soll das ja auch sein, wer hart arbeitet, muss eben einen kühlen Kopf bewahren.

Gebrauchtes ThinkPad: Und sonst so …

Zum Schluss noch ein paar zusammenhangslose Anmerkungen. Sie haben allesamt mehr mit dem Laptop und der installierten Software an sich zu tun, als mit der Tatsache, dass es sich um ein gebrauchtes Gerät handelt:
  • Danke Linux und – das hat mich jetzt wirklich überrascht – danke Windows. Beide Betriebssysteme haben es problemlos ausgehalten, dass ich den Datenträger aus meinem alten Dell einfach in das neue Lenovo Notebook eingebaut habe. Einige Kernelmodul- bzw. Treiberinstallationen waren logischerweise nötig, damit alle Komponenten funktionieren. Dennoch war ich baff, dass insbesondere Windows anstandslos hochgefahren ist.
  • Nvidia Optimus, ich hasse dich immer noch. Nachdem ich sieben Jahre lang mit einem Notebook gearbeitet habe, dessen HDMI-Port ich nicht nutzen konnte, weil dieser fest mit der dedizierten Grafikkarte verdrahtet war, welche sich unter Linux nicht sinnvoll nutzen ließ, habe ich nun wieder ein Notebook mit der Nvidia Optimus Technologie. Und Überraschung: Hier sind jetzt sämtliche Grafikanschlüsse des Notebooks mit der Nvidia Quadro Grafikkarte verbunden. (Bei dem alten Dell ließ sich zumindest der VGA-Port über die Intel-Grafik nutzen.) Dafür gibt es hier im BIOS die Option ausschließlich die dedizierte Grafik zu nutzen. Das heißt, ich bin nun zum Nouveau-Treiber übergegangen. Immerhin, damit funktioniert jetzt alles, wenngleich sich das sicher negativ auf die Akkulaufzeit auswirkt.
  • Lenovo, was soll diese unglaublich sinnlose Tastaturbeleuchtung? Schon mein altes Dell Notebook hatte eine Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung. Lenovo hat im Jahr 2014 immer noch Laptops hergestellt, die oben am Displayrahmen eine LED haben, die Licht auf die Tastatur wirft. Je nach Neigungswinkel des Displays ist das mehr oder weniger sinnvoll. Nach zwei Abenden hatte ich das Ding satt. Ich habe mir eine gebrauchte Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung bei eBay ersteigert. Glücklicherweise gibt es ja welche, weil Lenovo dann doch irgendwann gemerkt hat, dass es die Funzelbeleuchtung von oben nicht so wirklich bringt.
  • Lenovo, danke für die gute Verarbeitung. Auch wenn Viele meckern, dass es nicht mehr die Qualität ist, die IBM früher geliefert hat: Vor mir steht ein wirklich solide verarbeitetes Notebook. Man kann es leicht zerlegen und kommt gut an alle Komponenten ran. Das matte Display liest sich super, der Ton klingt gut und die Tastatur lässt sich sehr schnell und mit einem angenehmen Anschlag beschreiben. Mit Maus und externem Monitor bestückt, ist die Workstation 530 genau das, was ich haben wollte, ein guter Desktop-PC-Ersatz.

Fazit: Gebrauchtes Notebook kaufen?

Lohnt es sich, ein gebrauchtes Notebook zu kaufen?
Ich würde sagen Ja. Man muss zwar auf jeden Fall gut aufpassen, dass man einen seriösen Händler findet und dass die Qualität stimmt – wenn das gegeben ist, lohnt sich der Kauf aus meiner Sicht aber auf jeden Fall. Durch den Einsatz gebrauchter Hardware schont man die Umwelt, vermeidet Müll und spart Geld. Außerdem nutzen die meisten Anwender die Leistung aktueller CPUs ohnehin nicht aus. Warum also Geldausgeben, für etwas, das man nicht nutzt …

Ich würde jedenfalls wieder zu einem gebrauchten Notebook greifen und wenn wir die geschätzten drei Jahre, die das W530 nun schon alt ist, abziehen, komme ich damit jetzt bestimmt wieder bis zu seinem siebten Geburtstag hin. ;-)

Geschnatter

5 Kommentare, selbst mitschnattern << < Seite 1/1 > >>
Heinz, am 23.12.2017 um 20:30 Uhr
Schöner Beitrag. Ich kaufe selbst seit Jahren nur gebrauchte Hardware, meist über eBay. Auf die Nase gefallen bin ich glücklicherweise auch noch nie.
Karsten, am 23.12.2017 um 23:08 Uhr
Witzig daß du ein W530 mit Gentoo nutzt. Habe die gleiche Konfiguration. Hast du alle Geräte zum Laufen bekommen? Ich bin am Fingerprintscanner gescheitert.

Gruß Karsten
Anonym, am 24.12.2017 um 11:06 Uhr
Du holst dir also alle 7 Jahre ein neues Notebook?

Das passt irgendwie dazu:
https://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Alle_sieben_Jahre_wechseln_die_Freunde1771015586027.html

https://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/antiaging/forschung/regenerationswunder-mensch_aid_51928.html
Anonym, am 06.01.2018 um 12:04 Uhr
Ich schließe mich Karstens Frage an. Habe nicht das gleiche ThinkPad, aber ein anderes und bekomme den Fingerprintreader nicht zum Laufen.
Knudster, am 04.03.2018 um 18:57 Uhr
Vielleicht hilft folgender Beitrag. Ich habe einen Fingerprintreader in (gebrauchten) Lenovo X230 überredet:

https://knud.uber.space/it/fingerprint-reader-unter-ubuntu-linux-mit-lenovo-x230/